"Konkrete Angebote gab es aus der Türkei und Italien"

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Eintracht Frankfurt ist es also geworden. Nach wochenlangen Spekulationen hat Heinz Lindner seinen neuen Verein gefunden und verstärkt die ÖFB-Armada in der deutschen Bundesliga.

Im Land des Weltmeisters sieht der 24-Jährige die optimalen Bedingungen, um sich weiterzuentwickeln und auch seine Position im Nationalteam zu halten bzw. zu verbessern.

„Hier hat man die Möglichkeit, mit den Besten zu trainieren und sich mit den Besten zu messen. Das ist sehr positiv für meine Entwicklung und deswegen ist es sicher der richtige Schritt“, erklärt Lindner gegenüber LAOLA1.

Für die Eintracht hat der Keeper unter anderem ein Angebot aus der Serie A ausgeschlagen und auch Trainer Armin Veh spielte eine essentielle Rolle.

Konkrete Angebote aus Italien und der Türkei

Bereits früh stand fest, dass Lindner seine Zelte in Wien abbrechen und seinen auslaufenden Vertrag bei der Austria nicht verlängern würde. Erste Gerüchte über einen Wechsel nach Spanien zerschlugen sich zunächst, ehe in den letzten Wochen zahlreiche Klubs in den Ring geworfen wurden.

„Es hat sich gezogen, weil es einige Angebote gab und man sondieren musste. Das braucht seine Zeit und ich habe auch nicht das erstbeste Angebot angenommen“, erläutert der siebenfache Internationale, der seine komfortable Situation bestmöglich für sich nutzte. „Als ablösefreier Spieler hat man das Glück, dass man nur für sich entscheiden muss. Konkrete Angebote gab es aus der Türkei und Italien - und eben von der Eintracht.“

„Ich habe mich für Frankfurt entschieden, weil ich glaube, dass es das Beste für meine Entwicklung ist, hier auf dem nächsten Level zu spielen und unter diesen Bedingungen zu trainieren“, ist ihm die Vorfreude über die neue Aufgabe anzuhören. „Natürlich bin ich mit der Entscheidung sehr zufrieden. Das ist sicherlich ein Top-Klub in Deutschland, ein Traditionsverein mit tollen Fans.“

Veh-Verpflichtung bestärkte die Entscheidung

Als Lindner erstmals vom Interesse der Hessen erfuhr, war noch gar nicht klar, dass Armin Veh wieder das Trainerzepter übernehmen würde. Die Verpflichtung des 54-Jährigen bestärkte aber den Entschluss, nach Frankfurt zu gehen. „Wenn man weiß, es kommt ein guter, namhafter Trainer, der mit dem Verein etwas erreichen will und etwas bewirken kann, dann gibt das noch einmal einen Schub in diese Richtung“, bekundet Lindner große Wertschätzung für den zukünftigen Coach.

Mit ihm soll der Trend der letzten Jahre fortgesetzt werden und der Abstiegskampf erneut kein Thema sein. „Mit Armin Veh ist sicher ein sehr guter, erfahrener Trainer zurückgekommen, mit dem wir eher wieder an den Europacup-Plätzen kratzen wollen“, schielt Lindner auf Sphären, in die Veh die Frankfurter in der Saison 2012/13 schon einmal führte, als man sich mit Rang sechs für die Europa League qualifizierte.

Nummer eins oder zwei?

Kevin Trapp, wie Lindner 24 Jahre alt, war bislang der unumstrittene Mann zwischen den Eintracht- Pfosten. Die Verpflichtung des Linzers dürfte aber Indiz dafür sein, dass an Berichten über einen Abgang von Trapp zu PSG etwas dran ist.

Rund neun Millionen Euro sollen die Pariser auf den Tisch gelegt haben. Eine Summe, bei der man wohl nicht zögern wird, Trapp abzugeben. Auch wenn Veh gegenüber der „Bild“ meinte: „Natürlich werden wir den sicher nicht einfach gehen lassen. Das steht fest! Den habe ich nach Frankfurt geholt, damals für relativ viel Geld. Eineinhalb Millionen. Als Ersatz-Torwart. Und jetzt hat er sich toll entwickelt. Er ist für mich einer der Kandidaten als Nachfolger für Neuer. Den werden wir nicht so einfach hergeben.“

Für Lindner ist es nebensächlich, ob Trapp bleibt oder geht. „Auch das wusste ich damals noch nicht“, meint er zu den PSG-Gerüchten. „Mein Ziel war einfach, den nächsten Schritt zu machen und der war für mich immer das Ausland. Mir ist wichtig, mich erst einmal wohl zu fühlen, mich einzuleben und dann zu versuchen, mich zu beweisen.“

Auch gegenüber dem 114-fachen Bundesliga-Spieler würde sich Lindner Chancen ausrechnen. „Kevin Trapp ist natürlich ein sehr, sehr guter, gleichaltriger Tormann, der in Frankfurt und ganz Deutschland schon einen guten Namen hat. Da ist es natürlich nicht leicht, vorbeizukommen“, gibt er zu. „Aber ich habe es in Österreich schon einmal geschafft, mich durchzukämpfen. Es ist auch normal, dass man den nächsten Schritt macht und wieder versucht, bei Null zu beginnen und den Verein und den Trainer von seinen Fähigkeiten zu überzeugen.“

Vereinswahl mit Lindenberger besprochen

Durchbeißen will er sich naturgemäß auch im Nationalteam, wo er sich aktuell hinter Robert Almer, der sein Nachfolger bei der Austria wird, und Ramazan Özcan anstellen muss. Nachdem letzterer mit Ingolstadt den Aufstieg in die Bundesliga schaffte, hat nun auch Lindner die Möglichkeit, sich auf demselben Level zu beweisen.

„Das ist natürlich sehr wichtig. Es gibt nichts Schöneres, als in einer Liga wie dieser Erfahrung zu sammeln“, will er vom Niveau im deutschen Oberhaus profitieren. Team-Tormanntrainer Klaus Lindenberger sei ebenfalls in den Prozess der Vereinsfindung involviert gewesen: „Wir haben alle Optionen besprochen und er hat gemeint, er unterstützt mich bei allem, weil er mit meiner Entwicklung sehr zufrieden ist. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Es ist für mich wichtig, auch von dieser Seite die Zustimmung zu haben.“

 

Obwohl Frankfurt einer der wenigen BL-Klubs ist, bei dem bislang kein ÖFB-Kicker seine Brötchen verdient, bekam Lindner von den Team-Kollegen viel positives Feedback. „Da sind natürlich sehr viele dabei, die über die Liga bestens Bescheid wissen. Dass da die eine oder andere Frage über den Tisch gewandert ist, ist ganz klar, man muss sich ja informieren“, erzählt der Goalie und fügt hinzu: „Die meisten haben mir auch zu einem Wechsel nach Deutschland geraten, weil es eine Top-Liga und eine riesige Plattform ist, um sich zu beweisen.“

"Die Stadt lebt für den Verein"

Viel Zeit hat Lindner noch nicht in der Finanz-Metropole Frankfurt verbracht, die tiefe Verbundenheit zum Traditionsklub konnte er aber bereits inhalieren.

„Ich habe schon mitbekommen, dass die Stadt einfach für den Verein lebt und dass es etwas ganz Besonderes ist, bei der Eintracht zu spielen. Die ganze Stadt steht hinter dem Verein. Da sieht man welchen Stellenwert der Klub hat und der Fußball insgesamt in Deutschland“, schildert der Neo-Legionär und spricht auch den enthusiastischen und teils berüchtigten Anhang der Hessen an: „Die Fans sind ja bekannt für ihre Stimmung. Wenn da beispielsweise in der Europa League 12.000 mit nach Bordeaux fahren, ist das ganz groß.“

Auch bei den Heimspielen ist die Arena stets sehr gut gefüllt. „Dafür wird man Fußballer, um Woche für Woche vor so einer Kulisse spielen zu dürfen“, freut sich Lindner, der bereits seinen neuen Arbeitsplatz unter die Lupe genommen hat. „Gut 51.000 Leute passen ins Stadion und das ist fast immer ausverkauft. Das ist natürlich wahnsinnig.“

Nachdem die Tinte auf dem Zweijahresvertrag trocken ist, steht jetzt aber erst einmal Urlaub und Wohnungssuche auf dem Programm, ehe es mit dem Trainingsstart am 1. Juli auch offiziell startet, das Abenteuer Eintracht Frankfurt.

 

Christoph Kristandl

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