"Stuttgart, egal ob erste oder zweite Liga"

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Kevin Stöger wagt einen neuen Versuch.

Nachdem dem 21-jährigen ÖFB-Legionär vor zwei Jahren der Durchbruch in der Kampfmannschaft des VfB Stuttgart nicht geglückt ist, kehrt der Mittelfeldspieler nun zurück. Nach zwei Leih-Saisonen beim 1. FC Kaiserslautern möchte sich Stöger auch in der Bundesliga beweisen.

Bei den „Roten Teufeln“ kam er in der abgelaufenen Saison auf stolze 33 Einsätze, zudem erzielte er zwei Tore und bereitete drei weitere vor. Bestes Empfehlungsschreiben für seinen neuen Chefcoach Alexander Zorniger.

Anlässlich des VfB-Trainingslagers in Tirol nahm sich Stöger Zeit, um mit LAOLA1 über seine Ziele mit Stuttgart, eine mögliche EURO-Teilnahme und den "besten" Weg für ein Talent zu sprechen.

LAOLA1: Du kehrst nach zwei Jahren beim 1. FC Kaiserslautern wieder zum VfB Stuttgart zurück. Wie gut findest du dich im Team zurecht?

Kevin Stöger: Ich kenne noch die meisten Spieler, Betreuer und das ganze Umfeld. Es freut mich, dass ich wieder zurück bin.

LAOLA1: Selbst zum Trainingslager reisen euch Fans hinterher. Das zeigt auch die Größe dieses Vereins.

Stöger: Dass dieser Klub viel Tradition hat, ist nichts Neues. Die Fans sind überragend, nicht nur hier im Trainingslager. Es ist toll zu sehen, dass sie uns überall unterstützen. Man hat auch letzte Saison im Endspurt gesehen, wie sie die Mannschaft nach vorne gepeitscht haben.

LAOLA1: Alexander Zorniger übernahm das Traineramt in der Sommerpause. Er wird von vielen Experten in Deutschland gelobt, wie ist das Training unter ihm?

Stöger: Die ersten Eindrücke waren auf jeden Fall sehr gut. Er ist ein Trainer mit großer Fachkenntnis. Er bringt uns eine neue Spielphilosophie bei, die werden wir versuchen umzusetzen.

LAOLA1: Wie sieht die taktische Ausrichtung für die kommende Saison aus?

Stöger: Der Trainer ist sehr auf Pressing aus. Das werden wir in den kommenden Wochen noch perfektionieren.

LAOLA1: Wo liegen seine Stärken? Mehr im taktischen oder doch im zwischenmenschlichen Bereich?

Stöger: Beides. Am Platz bringt er uns sehr viel bei, auch viele neue Aktionen. Auch menschlich passt es.

LAOLA1: Das Saisonfinish muss speziell aus deiner Sicht sehr kurios gewesen sein, immerhin stand der VfB kurz vor dem Abstieg und Kaiserslautern kurz vor dem Aufstieg.  Wolltest du kommende Saison unbedingt Bundesliga spielen oder hättest du auch mit dem VfB in Liga zwei gespielt?

Stöger: Es gab schon ein paar Wochen vor dem Saisonende sehr gute Gespräche mit dem VfB. Da war mir relativ schnell klar, dass ich zurückgehen werde, egal ob erste oder zweite Liga. Wäre Kaiserslautern aufgestiegen, hätten sie vielleicht alles daran gesetzt, dass sie mich halten können. Aber mich freut, dass ich jetzt zurück bin.

LAOLA1: Warum hat der Aufstieg mit Kaiserslautern nicht funktioniert? Ex-Spieler Mo Idrissou sprach von „fehlenden Eiern“.

 

Wo waren Heute eure Eier?Ihr könnt über mich sagen was ihr wollt , mir ist das egal,die Wahrheit liegt immer auf dem...

Posted by Mo Idrissou on Sonntag, 24. Mai 2015

Stöger: (grinst) Da haben wir als Mannschaft drüber gelacht. Dass wir nicht aufgestiegen sind, lag am Ende an mehreren Faktoren. Es ist schade, dass es nicht geklappt hat.

LAOLA1: Was hast du in deiner Zeit beim FCK gelernt? In der ersten Saison konntest du dich noch nicht durchsetzen, die zweite verlief dann deutlich besser.

Stöger:  Im ersten Jahr war es sehr schwer für mich, ich habe wenige Einsätze bekommen. Es war auch meine erste Saison im Profi-Fußball. Im zweiten Jahr war es umso besser. Der Trainer hat voll auf mich gesetzt und ich bin sehr gut in die Saison gestartet.

LAOLA1: Bislang hast du 23 Minuten bei den VfB-Profis gespielt. War es immer dein großer Traum, dich hier eines Tages durchzusetzen?

Stöger: Auf jeden Fall. Ich bin bereits mit 16 nach Stuttgart gekommen, habe vieles hinter mir gelassen, mit dem einen Ziel, eines Tages mit Stuttgart in der ersten Liga zu spielen. Ich habe mich auch gefreut, als ich damals im DFB-Pokal gegen St. Pauli reingekommen bin und mein Debüt geben durfte (31. Oktober 2012, Anm.).

LAOLA1: Die Konkurrenz in der Offensive ist beim VfB sehr groß, du kannst sowohl auf der „Zehn“ als auch am Flügel spielen. Ist diese Variabilität deine große Stärke?

Stöger: Ich fühle mich im Zentrum schon wohler. Aber es ist gut, dass es hier so viel Konkurrenz gibt. Ich will mich immer weiterentwickeln und dass gelingt einem nur mit Konkurrenzkampf. Daher freue ich mich auf die nächsten Aufgaben.

LAOLA1: Der VfB entwickelt sich zur kleinen „Österreich-Filiale“. Wie viel Kontakt pflegst du mit Martin Harnik und Florian Klein?

Stöger: Martin Harnik kenne ich ja noch von früher, Florian Klein habe ich jetzt erst kennengelernt. Natürlich spricht man gleich miteinander, aber ich denke, dass wird in den nächsten Wochen noch mehr. Es gibt jedoch keine Grüppchen in der Mannschaft, alle verstehen sich sehr gut untereinander.

LAOLA1: Du bist bereits mit 16 Jahren nach Stuttgart gewechselt. Wie schwer ist dir mit diesem jungen Alter der Abschied aus der Heimat gefallen?

Stöger: Das war eigentlich kein großes Problem. Ich bin bereits mit 13 von meiner Familie weggezogen, das war schwieriger als der Schritt nach Deutschland. Hier war ich zwei Jahre im Internat, da war alles top. Es war einfacher, als ich es mir vorgestellt habe.

LAOLA1: In Österreich wird momentan viel über den „besten Weg“ für ein Talent diskutiert. Wie siehst du das?

Stöger: Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchen Weg er nimmt. Jeder geht damit anders um, ist anders im Kopf. Ich würde auf jeden Fall noch einmal genau den gleichen Weg nehmen, den habe ich bis jetzt keine Sekunde bereut.

LAOLA1: Hättest du eine ähnlich erfolgreiche Karriere gestartet, wenn du bei der SV Ried geblieben wärst?

Stöger: Das weiß man nie so genau. Ich hätte vielleicht schon ein paar Spiele in der ersten österreichischen Bundesliga gehabt, aber ich möchte mich hier durchsetzen und habe deswegen auch den Schritt nach Deutschland gewagt.

LAOLA1: Ist das der vermeintlich schwerere Weg gewesen?

Stöger: Es gibt sicherlich einen Unterschied zwischen österreichischer und deutscher Liga. Es gibt Spieler, die waren zuerst in Österreich und dann in Deutschland. Und es gibt Spieler, die waren zuerst in Deutschland, haben es nicht geschafft sich durchzusetzen und spielen jetzt in Österreich. Es ist schwierig zu sagen, was leichter und was schwerer ist.

LAOLA1: Du hast alle Nachwuchs-Nationalteams durchlaufen. Besteht nun Kontakt zu Marcel Koller?

Stöger: Zurzeit gar nicht. Damit habe ich mich aber auch noch nicht beschäftigt. Ich wollte eine gute Saison spielen, das habe ich gemacht und jetzt ist der nächste Schritt der VfB Stuttgart.

LAOLA1: Die Bundesliga wäre die ideale Bühne, um noch auf den EURO-Zug aufzuspringen.

Stöger: Ich werde alles daran setzen, dass ich hier spiele. Von jedem Spieler ist es ein Traum, eine Europameisterschaft zu spielen. Für Österreich sieht die Qualifikation jedenfalls sehr gut aus.

LAOLA1: Wie sehen die Ziele für die kommende Saison mit dem VfB aus? Die letzten Jahre verliefen nicht unbedingt nach Wunsch.

Stöger: Die letzten beiden Jahre ging es gegen den Abstieg. Dieses Jahr werden wir alles daran setzen, dass es diese Saison besser wird, auch wenn man es nie genau wissen kann.

 

Das Gespräch führte Julian Saxer

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