"Fußballerisch ist der Unterschied nicht so groß"

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Trotz einer Horror-Hinrunde verhielt sich Borussia Dortmund in der vergangenen Winterpause auf dem Transfermarkt zurückhaltend. Nur einen einzigen Neuzugang präsentierte der BVB für die Rückrunde – Kevin Kampl.

Nicht der große Name, den sich viele Fans der Schwarz-Gelben gewünscht hatten, aber ein Transfer nach dem Geschmack des BVB-Triumvirats Klopp/Zorc/Watzke.

Obwohl sich die Spielanlagen in Salzburg und Dortmund grundsätzlich ähneln, konnte sich Kampl bei der kriselnden Nummer zwei Deutschlands bislang nicht richtig durchsetzen. Kein Wunder, ist der Sprung aus Österreich kein kleiner.

„Alles ist anders. Es ist fast eine komplett andere Welt. Ich musste mich zu Beginn erst einmal an das Umfeld gewöhnen. Die Fans, die Medien, das ist alles viel größer“, meint der Slowene. „Mittlerweile habe ich das aber schon gut in den Griff bekommen.“

"Es braucht ein wenig Zeit"

Eine gewisse Eingewöhnungsphase ist ganz normal, deswegen macht sich Kampl auch keinen Stress. „Es ist klar, dass es ein wenig Zeit braucht, die habe ich auch in Salzburg gebraucht.“

Nach den ersten hektischen Monaten ist der 24-Jährige aber drauf und dran, sich richtig heimisch zu fühlen. „Ich habe lange im Hotel gewohnt, bin erst vor drei Wochen in mein Haus in Dortmund gezogen.“

Mit dem steigenden Wohlfühlfaktor könnten auch die Leistungen einen Zugewinn erfahren. Stand Kampl zum Rückrundenauftakt gegen Leverkusen und seinen Ex-Trainer Roger Schmidt noch 90 Minuten auf dem Platz, nahm die Spielzeit in der Bundesliga von da an mehr und mehr ab.

Nur eine weitere Partie absolvierte er über die volle Distanz, die 0:3-Heimniederlage in der Champions League gegen Juventus Turin.

Insgesamt wirkten die Auftritte Kampls in Schwarz-Gelb bislang nicht sonderlich glücklich. 14 Spiele stehen zu Buche, zwei Assists gelangen ihm in seinen 697 Einsatz-Minuten. Das negative Highlight erlebte der Dribblanski ausgerechnet beim bedeutendsten BVB-Spiel der laufenden Saison, dem Pokal-Halbfinale beim FC Bayern.

Rein, Gelb-Rot, raus - ein Tag zum Vergessen

"Bisher bin ich durchaus zufrieden"

In der 83. Minute eingewechselt, verabschiedete sich der Slowene in der 108. mit Gelb-Rot bereits wieder vorzeitig unter die Dusche und konnte so kaum etwas zum Endspiel-Einzug beitragen.

„Ich bin natürlich froh, dass die Kollegen es nach meinem Platzverweis noch gerichtet haben“, meint er erleichtert, wenngleich Kampl das große Finale in Berlin gesperrt nur von der Tribüne aus verfolgen kann.

Angesichts der Umstände kann er mit seiner ersten Halbsaison in einer der europäischen Top-Ligen aber ganz gut leben: „Natürlich weiß ich, dass es besser geht, aber man muss auch die Situation beachten. Ich bin im Winter hierher gewechselt, der Verein war da in einer schwierigen Situation und ist es immer noch. Das war mir bewusst, ich habe es trotzdem gemacht. Bisher bin ich durchaus zufrieden, die Mannschaft hat mich super aufgenommen.“

"Salzburg würde unter ersten fünf, sechs mitspielen"

Rein fußballerisch hat ihn die Zeit in Salzburg gut auf die neue Aufgabe beim BVB vorbereitet, denn spielerisch sei der Unterschied gar nicht so eklatant.

„Ich würde nicht sagen, dass der Unterschied sehr groß ist. Ich denke, Salzburg würde in Deutschland schon unter den ersten fünf, sechs mitspielen. Gerade mit dem Pressing, das wir gespielt haben, könnte man vielen deutschen Mannschaften Probleme bereiten“, glaubt Kampl. „Fußballerisch sehe ich zu Salzburg nicht den ganz großen Unterschied.“

Die restliche Saison steht für ihn im Zeichen der persönlichen Weiterentwicklung. „Mein Ziel ist es, bis Saisonende so viel mitzunehmen, wie nur möglich.“ Es gibt aber auch noch etwas zu erreichen.

„Die Jungs und ich werden alles probieren, um unserem Trainer ein schönes Abschiedsgeschenk zu bereiten“, will auch Kampl seinen Teil dazu beitragen, dass Jürgen Klopps Ära ein positives Ende erhält.

„In der Liga müssen wir noch einmal Gas geben, wenn wir uns für die Europa League qualifizieren möchten. Es wäre schön, einen versöhnlichen Saisonausklang mit den Fans feiern zu können, weil ich glaube, dass wir eine gute zweite Saisonhälfte gespielt haben.“

Neben dem Pokal-Finale, das er passiv mitverfolgen muss, hat Kampl vor allem noch das Länderspiel im Juni gegen England auf dem Plan. „Beide Spiele sind enorm wichtig“, weiß Kampl und rechnet sich etwas für das Duell mit dem Tabellenführer der EM-Quali-Gruppe E aus. „Gegen England zu spielen, ist immer etwas Besonderes. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, etwas mitzunehmen.“

 

Christoph Kristandl

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