Pulverfass Hamburger SV

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Der HSV sucht nach einem Trainer ... mal wieder

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Ernst Happel war ein „Grantler“, wie er im Buche stand.

Störrisch, mürrisch und häufig schlecht gelaunt hielt er die Zügel beim Hamburger SV stets fest in der Hand. Trotz seiner Eigenheiten schwärmen die Nordlichter jedoch noch heute vom „Wödmasta“, der ihnen so viele Erfolge bescherte.

Zwei Meisterschaften (81/82, 82/83), einen Pokal-Sieg (86/87) sowie den wohl größten Triumph der Vereinsgeschichte, den Gewinn im Europacup der Landesmeister (82/83), konnten die Hamburger unter seiner Ägide einfahren.

Goldene Zeiten sind längst vorbei

Erfolge, von denen der Bundesliga-Dino – der HSV ist als einziger Klub seit Bundesliga-Beginn 1963 ununterbrochen in der höchsten Spielklasse anzutreffen – inzwischen meilenweit entfernt ist. Erfolge, von denen in der 1,8-Millionen-Metropole aber immer noch geträumt wird.

Wohl auch ein Grund, warum die Hanseaten seit Jahren den eigenen Erwartungen hinterherlaufen. Mit Happels „Abschiedsgeschenk“, dem Pokal-Sieg 1987, waren die goldenen Zeiten vorbei. Lediglich ein Titel konnte seither in rund einem Vierteljahrhundert errungen werden. Unter der Führung von Kurt Jara gewannen die Rothosen 2003 den Liga-Pokal.

Matthäus stellt keine Option dar

Namen gibt es zur Genüge, ernsthaft in Erwägung gezogen werden die wenigsten. So kam es nicht überraschend, dass Lothar Matthäus, eben erst als Nationaltrainer Bulgariens entlassen, von vornherein aus dem Kandidatenkreis ausschied.

Auch Michael Laudrup zählt nicht mehr zu den Anwärtern, der Däne bevorzugt es, weiter bei Real Mallorca zu arbeiten. Derzeit kümmert sich U23-Betreuer Rodolfo Cardoso um Dennis Aogo, Mladen Petric und Co. Eine Dauerlösung stellt er allerdings nicht dar.

Van Basten ist Top-Favorit

Arnesen will einen erfahrenen Fußballlehrer, jedoch keinen Feuerwehrmann. Zudem müsse er die deutsche Sprache beherrschen, Leidenschaft haben und Respekt ausstrahlen. Ein Profil, in das Marco van Basten passt. Der „Spiegel“ hat ihn daher zum Top-Kandidaten erkoren.

Ein Engagement in Hamburg dürfte selbst für den Weltfußballer von 1992 etwas Besonderes darstellen. Es sollte aber auch wohl überlegt sein, denn trotz sportlicher Talfahrt wird sich eines bestimmt nicht ändern: Die extrem hohen Erwartungen der nach Erfolgen gierenden Fans.

Christoph Nister

Der HSV gibt ein klägliches Bild ab

Inzwischen hängen die Trauben deutlich tiefer, Hamburg befindet sich in einer ernsthaften Krise und ist verzweifelt auf der Suche nach einem Weg aus dieser. Welch klägliches Bild der Traditionsklub gerade abgibt, wurde bei der Entlassung von Michael Oenning offenkundig.

Nach der 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach beteuerten Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow und Sportchef Frank Arnesen mehrfach, Oenning würde auch weiter Cheftrainer bleiben. „Ich sage ganz klar: Michael sitzt Donnerstag mit mir im Flieger nach Stuttgart … Ich stehe hundert Prozent hinter dem Trainer, absolut“, so Arnesen.

Nichts als leere Worthülsen

Es waren nicht mehr als leere Worthülsen, denn am Montag feuerte der HSV den 45-Jährigen. Dieser wollte das Image des vor sich hin vegetierenden Fußball-Riesen nicht weiter schädigen und brachte Verständnis für die Entlassung auf: „Es ist auch für mich nachvollziehbar, dass der Verein in der jetzigen Situation einen anderen Weg geht.“

Nach sechs Spieltagen bekleidet der drittgrößte Sportverein Deutschlands (71.800 Mitglieder) die Position des Tabellenschlusslichts und wartet noch immer auf den ersten vollen Erfolg. Nun befindet sich Arnesen auf Trainersuche. Ein Volltreffer ist nach der Oenning-Pleite bitter nötig.

Zum einen, um seinen eigenen Ruf nicht nachhaltig zu schädigen. Zum anderen, um dem HSV den „worst case“, den Gang in die zweite Liga, zu ersparen. Und so warten die leidgeprüften Fans gespannt darauf, wer denn der zwölfte HSV-Coach im neuen Jahrtausend wird (siehe Factbox).

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