"Es ist abartig bitter"

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"Heute gab es die Quittung"

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Wie nahe Freud und Leid beieinander liegen, war auf den Bundesliga-Plätzen deutlich zu erkennen.

90 Minuten plus ein paar zerquetschte wurde gekämpft, gezittert und gelitten. Sechs Mannschaften befanden sich in einer Situation, in der es um die Zukunft des Vereins und vieler Mitarbeiter ging.

Hertha BSC, der SC Freiburg, Hannover 96, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV und der SC Paderborn bibberten im Abstiegskampf in dieser Reihenfolge vor dem letzten Spieltag.

Während die Hertha, der VfB und die 96er inzwischen tief durchatmen dürfen und beim HSV eine gewisse Erleichterung herrscht, gingen bei Freiburg und Paderborn die Lichter aus.

Beide Klubs müssen den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Die Breisgauer erstmals nach sechs Jahren, die Paderborner nach nur einer Saison im Oberhaus.

Wie dramatisch es tatsächlich war und was alle Beteiligten nach dem Abstiegsthriller zu sagen hatten: 

HANNOVER 96

Platz 13 - 37 Punkte, 40:56 Tore

Im direkten Duell gegen Freiburg hatte die Frontzeck-Elf alles selbst in der Hand. Durch Treffer von Kiyotake, der die Niedersachsen bereits in der dritten Minute ein bisschen duratmen ließ, und Krmas (84./Eigentor) setzten sich die Hausherren schlussendlich knapp mit 2:1 durch. Der Ehrentreffer durch Petersen (90.+2) kam für die Gäste zu spät.

"Ich hatte das Gefühl, dass in der ganzen Stadt etwas entstanden ist", meinte Retter Michael Frontzeck, nachdem er die 96er vor dem Abstieg bewahrte. "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft und alle, die mitgearbeitet haben." In der Stunde des Erfolges bewies er auch Mitgefühl für den Rivalen aus dem Breisgau: "Es tut mir wirklich leid für Freiburg, denn den Abstieg haben sie nicht verdient."

VFB STUTTGART

Platz 14 - 36 Punkte, 42:60 Tore

Es war ein Schock, als der VfB in Paderborn schon nach vier Minuten durch ein Vucinovic-Tor in Rückstand geriet. Die Mannen von Huub Stevens zeichnete jedoch schon in den letzten Wochen aus, dass sie ihr Spiel immer weiter durchzogen. Dafür wurden die Schwaben belohnt. Didavi (36.) und Ginczek (72.) führten Stuttgart zum 2:1-Sieg, wodurch der Klassenerhalt fixiert wurde.

"Wir waren so nahe am Abgrund, jetzt sind wir überglücklich", sprach aus Sportvorstand Robin Dutt die pure Erleichterung. "Dass wir das Ding mit drei Siegen am Schluss gedreht haben, war stark." Stevens, der wohl zum letzten Mal als VfB-Trainer auf der Bank saß, sah den Zusammenhalt als Plus im Abstiegskampf: "Wir haben es nur geschafft, weil alle zusammengehalten haben, der komplette Verein und die Fans."

 

HERTHA BSC

Platz 15 - 35 Punkte, 36:52 Tore

Es hätte schon mit dem Teufel zugehen müssen, dass die Berliner noch abgestiegen wären. Da dieser bekanntlich nicht schläft, wollte die "Alte Dame" in Hoffenheim unbedingt punkten. Zwar erlebten die Herthaner einen Fehlstart, Modeste traf in der Anfangsphase (8.), doch Beerens glich nach 72 Minuten aus. Firmino bescherte den Kraichgauern acht Minuten später den Siegtreffer, dennoch wurde die Klasse gehalten. Die Elf von Pal Dardai hatte sich erfolgreich durchgewurschtelt.

"Zufrieden war ich nicht, aber wir haben es geschafft - aus eigener Kraft", resümierte Dardai nach der Pleite. Auch Kapitän Fabian Lustenberger war nicht stolz auf das Erreichte und dennoch froh über selbiges: "Wie wir das bewerkstelligt haben, interessiert morgen keinen mehr." Wichtig sei nur: "Kommende Saison sind wir noch erstklassig!"

HAMBURGER SV

Platz 16 - 35 Punkte, 25:50 Tore

Noch tickt die Uhr in der Imtech Arena! Der HSV hatte es zwar nicht mehr in der eigenen Hand, doch die Konkurrenz spielte mit für die Rothosen und ermöglichte diesen, den Abstieg - zumindest vorübergehend - erneut abzuwenden. Olic (49.) und Rajkovic (58.) verhalfen den Nordlichtern gegen erschreckend schwache Schalker zum 2:0-Sieg, wodurch das Team von Bruno Labbadia wie im Vorjahr die Relegation bestreiten muss.

"Ich bin stolz auf meine Jungs, dass sie im vielleicht wichtigsten Moment unserer Karrieren so eine Qualität gezeigt haben", freute sich Gojko Kacar, Leader in den letzten Wochen. Trainer Bruno Labbadia, der die Hamburger aus fast aussichtsloser Position in die Relegation führte, appellierte an den gesamten Klub: "Lasst uns das alle als Chance begreifen. Das Wissen, es schon mal geschafft zu haben, sollte uns allen die nötige Kraft und das Selbstvertrauen geben."

SC FREIBURG

Platz 17 - 34 Punkte, 36:47 Tore

Ein Remis in Hannover hätte zum sicheren Klassenerhalt gereicht, doch durch den Katastrophen-Auftakt lief von Anfang an alles aus dem Ruder. Christian Streichs Mannen kämpften und rackerten wie immer, doch es war zu wenig, um das Ruder noch herumzureißen. Den Breisgauern fehlte am Ende ein Punkt, um die Klasse zu halten.

"Es ist abartig bitter", rang Sportvorstand Jochen Saier nach dem vierten Abstieg des SC Freiburg aus der Bundesliga nach Worten. Präsident Fritz Keller ortete in der mangelnden Konzentration in der Schlussphase einen Hauptgrund für den verpassten Klassenerhalt. "Wir haben so viele Spiele in den letzten Minuten hergegeben. Heute gab es die Quittung dafür." Dagegen blickt Trainer Christian Streich schon wieder nach vorne: "Es ist ein total groteske Saison, die ich so noch nicht erlebt habe. Es ist ein kleiner, aber ein großer kleiner Verein. Wir werden wiederkommen!"

 

SC PADERBORN

Platz 18 - 31 Punkte, 31:65 Tore

Ein Auftakt nach Maß hätte die Initialzündung zum großen Wunder werden sollen, doch der SCP, der sämtliche Rauchfangkehrer der Umgebung als Glücksbringer ins Stadion einlud, musste am Ende die größere Klasse des VfB sowie der restlichen Konkurrenz anerkennen. Nach einem historischen ersten Erstliga-Jahr geht es wieder runter.

"Geld schießt eben doch Tore", zeigte sich SCP-Trainer Andre Breitenreiter nach dem Abstieg schwer enttäuscht und sprach von "brutaler Qualität" in der Offensive Stuttgarts. Was seine Mannschaft geleistet habe, sei allerdings auch "außergewöhnlich. Es ist schade, dass wir uns nicht mit einem Sieg von unseren fantastischen Fans verabschieden konnten."

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