"Es war eine Qual"

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Fuchs: "Keine Lüge, dass ich am Absprung war"

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Viele Jahre ging es in der Karriere von Christian Fuchs stetig bergauf.

Die Saison 2013/14 würde er aber wohl am liebsten aus dem Gedächtnis streichen.

Aus dem ÖFB-Kapitän und Stammspieler von Schalke 04 wurde ein Stammgast in der medizinischen Abteilung des deutschen Bundesligisten.

Acht Monate lang biss er auf die Zähne, ehe man sich im März 2014 zu einer Knie-Operation entschloss. Für seine Leistungen davor waren die Schmerzen nicht gerade förderlich.

Also landete er auf dem Abstellgleis, ein Abgang erschien wahrscheinlicher als ein Verbleib. Unter dem Strich ist Schalke nun aber doch wieder Gegenwart und Zukunft statt Vergangenheit.

Im LAOLA1-Interview spricht der 28-Jährige über seine Leidenszeit, den Fehler nicht früher Stopp zu sagen und einen turbulenten Transfersommer.

LAOLA1: Christian, du hast ein schwieriges Jahr hinter dir. Wie befreiend ist es, wenn man keine Schmerzen mehr hat und seinem Beruf normal nachgehen kann?

Christian Fuchs: Es war im Prinzip fast ein ganzes Jahr, das schmerzhaft war. Das habe ich jetzt zum Glück hinter mir. Es ist ein super Gefühl, wieder Spaß am Fußball zu haben, mit Spaß am Platz zu stehen und auch Spaß am Laufen zu haben. Es horcht sich banal an, aber es ist tatsächlich so.

LAOLA1: Wie schlimm war das letzte Jahr tatsächlich?

Fuchs: Vor meiner OP im März habe ich acht Monate lang mit Schmerzen gespielt. Es hat Aufs und Abs gegeben, wo ich dachte: „Jetzt bin ich auf einem guten Weg. Jetzt bessert es sich.“ Beim November-Lehrgang mit dem Nationalteam, als wir gegen die USA gespielt haben, ist es eigentlich recht gut gegangen. Ich war eine Woche schmerzfrei. Im Nachhinein wundere ich mich, wie das gegangen ist, was da mit meinem Knie los war, sodass es zehn Tage okay war. Letztendlich bin ich froh, dass ich den Eingriff hatte und das Problem gelöst wurde.

LAOLA1: Hättest du früher Stopp sagen müssen?

Fuchs: Im Nachhinein ist man immer gescheiter. Im Endeffekt hätte ich sofort, als der Unfall passiert ist, Stopp sagen und den Eingriff machen müssen. Das Problem war, dass man bei den Magnetresonanz-Untersuchungen nichts gesehen hat. Letztendlich hat man erst beim Eingriff festgestellt, was wirklich los ist.

LAOLA1: Das heißt, der Kreuzbandriss von Sead Kolasinac hat deinen Abgang verhindert?

Fuchs: Es lag nicht nur daran. Es war so, dass ich dann gleich im ersten Spiel das Vertrauen bekommen, 73 Minuten gespielt und meiner Meinung nach eine solide Partie gemacht habe. Ich hoffe ganz einfach, dass ich jetzt zu mehr Einsätzen komme. Die Verletzung ist schade für ihn. Des einen Freud ist des anderen Leid, muss man da leider sagen.

LAOLA1: Wie nervig ist die Situation, wenn über einen längeren Zeitraum verhandelt wird und man wochenlang nicht genau weiß, wo man am 1. September unter Vertrag stehen wird?

Fuchs: Es ist sehr viel spekuliert worden – von diesem Verein bis zu jenem. In Wahrheit war jedoch nichts komplett Konkretes da, bei Schalke hat sich keiner gemeldet.

LAOLA1: Auch Hull City nicht?

Fuchs: Es hat sehr konkret geklungen, aber beim Verein hat sich keiner gemeldet. Das ist Fakt. Damit hat sich die Sache für mich erledigt.

LAOLA1: 2015 läuft dein Vertrag aus. Heißt das, dass du dich umschauen musst, oder kannst du dir vorstellen, auch danach noch auf Schalke zu bleiben?

Fuchs: Ich weiß nicht, was in einem Jahr ist. Das wissen wir alle nicht, ob ich auf Schalke bleibe oder weggehe. Es deutet alles darauf hin, dass ich jetzt noch ein Jahr auf Schalke bin. Was danach sein wird, weiß ich wirklich nicht.

LAOLA1: Inwiefern hat das deinem Standing bei Schalke geschadet? Wenn man mit Schmerzen spielt, kann man schwer sein Leistungsmaximum abrufen…

Fuchs: Es war mehr oder weniger eine Qual. Wenn dann auch die Schmerzmittel nicht mehr anschlagen und man mit Schmerzen spielt, ist es natürlich nicht schön. Dass man dann nicht sein Maximum abrufen kann, weil ganz einfach jeder Schritt weh tut, ist ganz normal, denke ich.

LAOLA1: In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Meldungen, dass du auf Schalke auf dem Abstellgleis stehst. Zeigt, dass du bleiben musst, dass mehr Vertrauen da ist, als die Öffentlichkeit glaubt?

Fuchs: In der Öffentlichkeit wird natürlich immer sehr viel geschrieben und spekuliert. Es ist keine Lüge, wenn es heißt, dass ich am Absprung war. Die Zeichen sind eigentlich auf Abschied gestanden. Natürlich sind jetzt auch Verletzungen bei uns dazugekommen, die das verhindert haben. Jetzt spiele ich halt noch ein Jahr Champions League, das ist auch nicht so schlecht…(schmunzelt)

LAOLA1: Wie gut ist das Gefühl, in einem Jahr selbst entscheiden zu können, wie es weitergeht?

Fuchs: Ich mache mir derzeit überhaupt keine Gedanken darüber, weil es bis dahin noch ein Jahr dauert. Es ist so, dass du deine Leistung bringen musst, um für andere Vereine attraktiv zu sein. Deshalb probiere ich jetzt, so viel wie möglich zu spielen und meine Leistungen zu bringen – auch beim Nationalteam, das ist genauso ein wichtiger Faktor für mich.

LAOLA1: Wie wichtig war das 1:1 am Wochenende gegen Bayern München? Denn nach der Auftakt-Niederlage gegen Hannover 96 hat bereits wieder Unruhe geherrscht.

Fuchs: Wir waren in Hannover ja selbst die Dodln! Ganz ehrlich: Du führst 1:0, hast das Spiel unter Kontrolle und kassierst dann zwei Tore aus Kontern. Da waren wir selber schuld! Anscheinend brauchen wir auf Schalke immer den Druck, um uns dann gegen stärkere Gegner aus dem Dreck zu buddeln. Die ersten 20 Minuten haben wir gegen die Bayern verschlafen, da waren wir nicht gut im Spiel. Die Bayern haben auch klasse gespielt. Aber danach hat man gesehen, was in der Mannschaft steckt. Eigentlich hätten wir das Spiel auch noch gewinnen können.

Das Gespräch führte Peter Altmann

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