"Arnautovic ist Teil der Show!"

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DFL-Boss Seifert exklusiv im LAOLA1-Interview

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Ab Freitag rollt in der deutschen Bundesliga wieder der Ball. Gleich zum Aufakt wartet ein echter Leckerbissen auf die Fans: Meister Borussia Dortmund empfängt zum Auftakt den Hamburger SV.

"Ein absolutes Spitzenspiel", reibt sich Christian Seifert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga im Gespräch mit LAOLA1 die Hände.

Der mächtige Fußball-Boss freut sich auf eine weitere tolle Saison mit "Unterhaltung, Spannung und großer sportlicher Qualität." Denn diese drei Faktoren sind es laut Seifert, die für den Boom im deutschen Fußball sorgen.

Exklusiv im LAOLA1-Interview spricht Christian Seifert über die Gründe für den Bundesliga-Aufwärtstrend, sein Problem mit Scheichs und Oligarchen und "Financial Fair-Play". Außerdem klärt er über den Österreicher-Boom auf und verrät, warum er Marko Arnautovic für die vielen Schlagzeilen dankbar ist.


LAOLA1:
England, Spanien, Italien, Frankreich, wo steht die deutsche Bundesliga unter Europas Top-Ligen?

Christian Seifert: Wenn man über Profi-Fußball spricht, muss man immer zwei Dinge beachten. Wo steht man wirtschaftlich, wo steht man sportlich. Wirtschaftlich gehört die Bundesliga mit einem Gesamt-Umsatz von knapp 1,8 Milliarden Euro zu den Top-3 in Europa.

LAOLA1: Und sportlich betrachtet?

Seifert: Es freut uns sehr, dass wir in der Fünf-Jahres-Wertung der UEFA, die man als neutralen Maßstab hernehmen kann, nach zehn Jahren Abwesenheit wieder unter die besten drei Ligen zurückkehren konnten. Dass wir die Serie A verdrängen konnten, bedeutet für uns, dass wir ab der Saison 2012/2013 einen vierten Startplatz für die Champions League haben.

LAOLA1: Was fehlt auf die englische Premier League und auf die spanische Primera Division?

Seifert: Vielleicht die Bereitschaft, eine Milliarde Euro in fünf Jahren zu versenken, wie zum Beispiel Chelsea. Wir müssen es realistisch betrachten, zum Beispiel an den CL-Halbfinals der letzten Jahre. Bayern München war dort mit Abstand der gesündeste Klub, ansonsten haben dort Klubs gespielt, die bereit waren, viele Schulden zu machen.

LAOLA1: Weil internationale Erfolge eben mehr zählen als nationale Meistertitel?

Seifert: Ich persönlich bin kein Freund davon. Bayern hätte gegen Inter den Titel gewinnen können, ein Jahr davor stand Werder Bremen im UEFA-Cup-Finale gegen Donezk. Aber aus meiner Sicht ist wichtig, dass eine Liga erst einmal aus sich heraus funktioniert. Das erkennt man am Zuschauerzuspruch, an den Einschaltquoten, an der Resonanz der nationalen Sponsoren. Wir konzentrieren uns lieber auf unsere Stärken, als uns falsche Vorbilder zu nehmen.

LAOLA1: Zum Beispiel die vorher angesprochene Serie A, den italienischen Fußball?

Seifert: Jedes Land muss für sich seinen Weg gehen. Die Serie A hat sicherlich eine Herausforderung, was die Stadion-Infrastruktur angeht. In Italien gibt es eine Milliarde Euro TV-Geld, trotzdem macht man Verluste. Man kann das mit Deutschland überhaupt nicht vergleichen.

LAOLA1: Um den sportlichen Vergleich fairer zu machen, hat die UEFA das „Financial Fair-Play“ eingeführt. Was erwarten Sie sich davon, weil die Umsetzung wird wohl relativ schwierig werden?

Seifert: Also ich erwarte mir schon, dass sich alle daran halten. Sonst ist das Konzept für mich hinfällig. Aber eine Industrie wie der Profi-Fußball, mit 16 Milliarden Euro Umsatz in Europa, mit 100.000 Arbeitsplätzen alleine in Deutschland, braucht ein nachhaltiges Business-Konzept. Wenn zum Beispiel Kommunen und oder Klubs in Stadien investieren, wenn Banken Garantien abgeben, damit überhaupt gebaut werden kann, dann brauchen wir Verlässlichkeit. Und das für die nächsten zehn bis 15 Jahre.

LAOLA1: Die Wirtschaft ächzt, die Banken krachen, dafür investieren Scheichs, Oligarchen und Pop-Stars in den Fußball. Wie förderlich ist das für die Verlässlichkeit?

Seifert: Funktionierender Wettbewerb kann meiner Meinung nach nicht abhängen von einzelnen Personen, die jetzt vielleicht am Fußball interessiert sind, aber morgen wieder aufhören. Dafür brauchen wir finanzielle Leitplanken, die für die großen und die kleinen Ligen eine Orientierung bieten.

LAOLA1: Immer wieder wird über die 50+1-Regelung diskutiert, die es Investoren ermöglichen soll, die Mehrheit an deutschen Klubs zu übernehmen. Warum wehren Sie sich so dagegen?

Seifert: Ich bin da einfach sehr vorsichtig im Profi-Fußball. Ein Investor, so habe ich es jedenfalls gelernt, will sein Geld zurück. Mit Zinsen. Und im Profi-Geschäft gibt es außer den Spielern und den Spielerberatern nur wenige, die wirklich Geld verdienen mit Fußball. Unsere Satzung sieht vor, dass 50 plus eine Stimme beim Verein verbleiben muss. Das hat nicht nur Vorteile, es gibt natürlich auch immer wieder Härtefälle. Schlussendlich haben aber 35 von 36 Klubs dafür gestimmt, es so zu belassen. Jetzt ist eben das Schiedsgericht am Wort.

LAOLA1: Was würde es bedeuten, wenn die 50-1-Regelung fällt?

Seifert: Die Bundesliga beweist Woche für Woche, dass das System eigentlich ganz gut funktioniert. Ja, vielleicht gibt es ein besseres System. Aber wenn man die einmal ausprobiert hat, kriegt man die Tür vielleicht nicht mehr zu. Und wenn es dann nicht mehr funktioniert, ist es zu spät. Vielleicht muss man auch einmal zufrieden sein mit dem, was man hat.

LAOLA1: Wie hat die deutsche Bundesliga die Wirtschaftskrise erlebt und durchgestanden?

Seifert: Wir sind zunächst einmal ohne größere Effekte rausgekommen. Krisen sind immer auch Chancen für Marktführer. Und die Bundesliga ist eines der erfolgreichsten Werbemedien der letzten zehn Jahre in Deutschland. Wir haben uns als Marke, als Plattform und auch als Medieninhalt  eine sehr gute Position erarbeitet. Deshalb sind die Sponsoren auch an Bord geblieben.

LAOLA1: Sportlich war in den letzten Jahren alles drin. Verschiedene Meister, Drama im Abstiegskampf. Wie wichtig ist das für das Standing einer Meisterschaft?

Seifert: Gerade diese Unberechenbarkeit ist ein wesentlicher Charakterzug der Bundesliga. In den letzten fünf Jahren gab es vier verschiedene Meister und vier verschiedene Pokalsieger. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass wir nicht die zwei, drei dominierenden Teams haben, die Jahr für Jahr in der Champions League mitspielen. Da merkt man natürlich einen Unterschied, aber auf nationaler Ebene halte ich es für sehr gut, dass es so unvorhersehbar ist.

LAOLA1: Auch nicht vorhersehbar war, wie viele Österreicher den Sprung nach Deutschland schaffen, um in der Bundesliga Stammspieler zu sein?

Seifert: Österreichische Spieler haben in der Bundesliga eine ganz große Tradition. Das liegt sicherlich auch daran, dass man sich in der Mentalität, obwohl es beide Seiten nicht gerne zugeben, doch relativ ähnlich ist. Ich habe als kleiner Junge schon Bruno Pezzey zugeschaut, dann fällt mir noch Andreas Herzog ein. Viele Österreicher haben in der Bundesliga wichtige Schritte nach vorne gemacht, zum Beispiel Martin Harnik in der letzten Saison. Österreicher sind uns in der Bundesliga immer willkommen.

LAOLA1: Und mit Marko Arnautovic hat man sogar einen „Ösi“, der für jede Menge Schlagzeilen sorgt?

Seifert: Meine Güte, Arnautovic ist erwachsen und ein super Fußballer. Er hat sicher das Potenzial, ein ganz Großer zu werden. Aber Potenzial alleine reicht noch nicht, das haben viele. Ich habe vor einiger Zeit im „kicker“ ein Interview von ihm gelesen, in dem er sich sehr selbstkritisch geäußert hat. Diesen Weg wird er weiter verfolgen müssen.

LAOLA1: Aber der Show in der Bundesliga tut er auch mit „bad news“ ganz gut?

Seifert: Solche Typen braucht man natürlich für das Element Show. Wenn diese Typen dann auch noch Tore schießen, hilft es umso mehr.

LAOLA1: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Stephan Schwabl

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