Suche nach dem neuen Kloppo

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Der BVB auf der Suche nach dem neuen "Kloppo"

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Der Schock war den meisten Beteiligten anzusehen, als offiziell verkündet wurde, was kaum jemand in Betracht ziehen wollte: Jürgen Klopp und der BVB gehen getrennte Wege.

Am Saisonende endet die "Echte Liebe" zwischen der Borussia und ihrem Rekord-Trainer (aktuell 311 Spiele) nach sieben Jahren. Unter Klopp holte der BVB im Durchschnitt 1,91 Punkte pro Bundesligaspiel - Spitzenwert unter allen Dortmunder Trainern - spielte zwei Meisterschaften sowie ein Double ein und stand im Champions-League-Finale.

Egal, wer auf den 47-Jährigen folgt, die Latte liegt wohl unerreichbar hoch. Als Favorit gilt Thomas Tuchel, allerdings soll der beim BVB gar nicht erste Wahl sein. Es stellt sich die Frage: Wer steht sonst in der Dortmunder Gunst ganz oben?

Die Spekulationen über Klopps Nachfolger sind eröffnet:

DER FAVORIT

Thomas Tuchel

Zufall, dass die Präsentation von Bruno Labbadia in Hamburg samt Statement des HSV, man habe die Gespräche mit Thomas Tuchel abgebrochen, auf denselben Tag der Veröffentlichung von Klopps Abgang fällt? Fakt ist, Tuchel hat Leipzig abgesagt und konnte sich mit dem HSV nicht einigen. Viele attraktive Positionen bleiben für den begehrtesten Trainer Deutschlands nicht mehr übrig. 

Tuchel wäre der logische Nachfolger, füllte er diese Rolle doch schon in Mainz blendend aus und überflügelte die Erfolge Klopps mit den 05ern sogar noch. Spielerisch und in puncto Emotionalität wäre er der Richtige, will man in Dortmund stilistisch so weitermachen, wie bisher.

Der Charakterkopf gilt allerdings nicht immer als ganz einfacher Zeitgenosse. Vielleicht ein Manko, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc werden sich mit Sicherheit keinen Mann ins Boot holen, mit dem sie nicht zu einhundert Prozent harmonieren.

DER INTIMUS

Zeljko Buvac

Der Erfolg des BVB ist untrennbar mit dem Namen Jürgen Klopp verbunden. Der Erfolg Klopps indes wäre ohne Zeljko Buvac kaum vorstellbar. Der Bosnier ist seit 2001, als "Kloppo" in Mainz als Trainer anheuerte, dessen rechte Hand.

Nicht wenige halten den 53-Jährigen für das eigentliche Genie im Trainerstab von Borussia Dortmund, gilt er doch als Meister der Trainingsinhalte und Taktik-Fuchs, der es bestens versteht, seine Mannschaft auf den kommenden Gegner vorzubereiten. "Das Gehirn von Jürgen Klopp", schrieb die "Zeit" in einem Artikel über ihn. "In der Kabine ist sein Wort Gesetz", verriet Nuri Sahin und ließ damit erahnen, welche Bedeutung er für den BVB hat.

Auch Klopp selbst schwärmte des Öfteren von seinem "Co". Dieser sei "ein Meister aller Trainingsformen, ich lerne jeden Tag von ihm". Buvac und Klopp sind ein eingespieltes Team und harmonieren perfekt. Ob der Schattenmann allerdings auch im Blitzlichtgewitter derart erfolgreich wäre, sei dahingestellt. Der 53-Jährige ist ein ruhiger Zeitgenosse, der die Öffentlichkeit scheut. Gerade in Dortmund sind die Medien allerdings seit geraumer Zeit etwas ganz anderes gewohnt.

DIE LEGENDE

Paul Lambert

Klopp hat mit Dortmund alles gewonnen, außer der Champions League. In diesem Punkt hat Paul Lambert ihm etwas voraus. Der Schotte stand zwei Jahre als Spieler in Dortmund unter Vertrag und holte sich mit dem Ruhrpott-Klub 1997 den Titel in der Königsklasse. Der 45-Jährige hat als CL-Held in Dortmund immer noch ein hohes Ansehen und hat zudem seine Fähigkeiten als Trainer bereits unter Beweis gestellt.

Mit Norwich schaffte er in zwei Jahren den Durchmarsch von der drittklassigen Football League One in die Premier League. Nach dem fixierten Klassenerhalt wechselte Lambert zu Aston Villa. Beim Klub aus Birmingham setzte das Mittglied der schottischen Fußball Hall of Fame vor allem auf junge Spieler wie ÖFB-Legionär Andreas Weimann und erreichte zwei Mal Platz 15.

In seiner dritten Saison konnte Lambert erstmals etwas mehr auf dem Transfermarkt investieren und routiniertere Spieler verpflichten. Nach einem sensationellen Saisonstart mit zehn Punkten aus den ersten vier Spielen ging es allerdings aufgrund einer akuten Torflaute abwärts, bis auf Rang 18. Daraufhin musste Lambert Anfang Februar dieses Jahres seinen Hut nehmen und ist aktuell vereinslos.

DER DURCHSTARTER

Markus Weinzierl

Viel Geld hatte der SSV Jahn Rebensburg nie, in den vergangenen Jahren sorgte er dennoch für Furore. Unter der Leitung von Markus Weinzierl, der im November 2008 das Amt des entlassenen Thomas Kristl übernahm, mauserte sich der Schwimm- und Sportverein unerwartet zum Aufstiegskandidaten und fixierte tatsächlich in den beiden Relegationsspielen gegen den klar favorisierten Karlsruher SC den Sprung in die 2. Liga.

Markus Weinzierl wechselte daraufhin zum FC Augsburg, der soeben mit Müh' und Not den Verbleib in der höchsten Spielklasse fixierte. Nur die wenigsten trauten den Bayern zu, sich ein weiteres Jahr über dem Strich zu halten. Weinzierl und der FCA belehrten alle Kritiker eines Besseren und blieben als Tabellen-15. erstklassig.

In der Vorsaison gelang ihm der nächste - kaum für möglich gehaltene - Sprung. Augsburg landete auf Platz acht und feierte das beste Ergebnis der Klubgeschichte, Weinzierl wurde noch vor Pep Guardiola und Jürgen Klopp zum Trainer des Jahres gewählt. Inzwischen unterschätzt den FCA kaum noch jemand und dennoch eilt der Verein von Erfolg zu Erfolg.

Sechs Spieltage vor Saisonende rangieren die Schwaben sensationell auf dem sechsten Platz und sind drauf und dran, sich erstmals einen Startplatz für Europa zu sichern. Seine Qualifikation hat der 40-Jährige damit unter Beweis gestellt. Es wäre allerdings kein Leichtes, ihn aus Augsburg wegzulotsen, hat er doch erst vor wenigen Tagen seinen Vertrag vorzeitig bis 2019 verlängert.

DER AUFSTEIGER

Andre Breitenreiter

Ein emotional aufgeladener Trainer, der mit einem Außenseiter den Sprung in die Bundesliga schafft. Der Werdegang von Jürgen Klopp, der seinerzeit mit dem FSV Mainz die Beletage des deutschen Fußballs bereicherte, ist zumindest in dieser Hinsicht jenem von Andre Breitenreiter sehr ähnlich.

Der 41-Jährige führte den SC Paderborn trotz anfänglicher Schwierigkeiten in der letzten Saison zum Aufstieg und schlägt sich in der höchsten Spielklasse sehr beachtlich. Viele belächelten die Paderborner und attestierten der Mannschaft keine Bundesliga-Reife, was sich als falsch herausstellte.

Eine Talfahrt konnte zuletzt durch einen 2:1-Sieg über Augsburg getstoppt werden, wodurch sich der SCP aktuell auf dem 16. Tabellenrang, der die Relegation bedeuten würde, wiederfindet. Einer der wichtigsten Erfolgsbausteine ist Breitenreiter, der die Mannschaft trotz fehlender Stars Woche für Woche bestens auf den Gegner vorbereitet und so den Grundstein für die eine oder andere Überraschung legt. Ob der BVB ihm allerdings schon den Sprung zu einem Top-Verein zutraut, darf durchaus bezweifelt werden.

DIE ÜBERRASCHUNG

Ralph Hasenhüttl?

Die ganz große, internationale Lösung darf in der Klopp-Nachfolge wohl ausgeschlossen werden. Da würde es dem Weg der letzten Jahre eher entsprechen, erneut auf einen jungen, entwicklungsfähigen Trainer zu setzen. Ein solcher ist auch Ralph Hasenhüttl, der mit Ingolstadt einen sensationellen Weg vom Abstiegskandidaten zum Tabellenführer der 2. Bundesliga machte und schon in Aalen sowie Unterhaching gute Leistungen ablieferte. Zudem lernte er am Ende seiner aktiven Karriere auch die Arbeit beim FC Bayern von innen kennen.

Klopp und Hasenhüttl absolvierten gemeinsam die Trainerausbildung und sind sich freundschaftlich verbunden. Auch in Sachen Fußball scheinen sie auf einer Wellenlänge zu liegen, wie der Grazer in einem LAOLA1-Interview andeutete:

"Ich finde Jürgen absolut überragend, er ist mit seiner Authentizität ein sensationeller Typ. Sehr eloquent, keine Phrasen dreschend, bringt die Sachen immer auf den Punkt. Er hat es geschafft, mit weniger Qualität zweimal deutscher Meister zu werden, das hatte er hauptsächlich dem System und der laufintensiven Spielweise zu verdanken. Zudem ist er ein absoluter Motivator, geht respektvoll und freundschaftlich mit seinen Jungs um. Ich denke, ich bin ein ähnlicher Typ, auch wenn ich nicht so vermessen bin, mich mit Jürgen Klopp zu vergleichen."

Zieht man in Betracht, dass Klopp bestimmt um seine Meinung gefragt wurde und wird, könnte durchaus auch der Name Hasenhüttl fallen.

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