Vier Gründe für Bremens Erfolgslauf

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Am 16. Spieltag noch Tabellenletzter, vier Runden später plötzlich Achter.

Bei Werder Bremen läuft wieder alles nach Wunsch. Vier Siege feierte das Team von Viktor Skripnik in den letzten vier Spielen.

Das lässt die Fans sogar vom internationalen Fußball träumen. In der Schlussphase beim 2:1-Erfolg gegen Leverkusen wurden Europacup-Lieder angestimmt. „Nein, ich habe nicht heimlich mitgesummt“, versichert Stürmer Davie Selke, der gegen Bayer genauso traf wie Zlatko Junuzovic.

Der ÖFB-Legionär ist als Team-Leader und Freistoß-Schütze einer der wichtigsten Bausteine für die aktuelle Erfolgsserie. Was Werder ansonsten noch so erfolgreich macht, erklärt LAOLA1:

  • Führungsspieler Zlatko Junuzovic

Vier direkte Freistöße hat der ehemalige Austrianer in dieser Saison bereits verwandelt. Gegen Leverkusen traf er aus 20 Metern fast genau ins Kreuzeck (Bericht). „Ich war selbst überrascht, dass der reingeht, denn ich habe in letzter Zeit kaum einmal Freistöße trainiert. Auf diese Weise hat das schon in der Hinrunde gut funktioniert“, gab Junuzovic nach dem Spiel zu Protokoll.

Der 27-Jährige glänzt aber nicht nur durch seine Qualitäten bei Standardsituationen, der Ex-Austrianer besticht als universeller Führungsspieler. In seiner neuen Rolle als flexibler Zehner im Rauten-System fühlt er sich sichtlich wohl. Dazu sorgt er mit seiner sympathischen Art auch neben dem Platz für gute Stimmung, ohne auf Kritik zu vergessen, wenn sie angebracht ist. So rüttelte er seine Kollegen im Herbst schon mal mit dem ein oder anderen öffentlichen Rundumschlag wach.

Junuzovic hat in Bremen seine Bestimmung gefunden. Die Fans lieben ihn, demonstrierten in der Winterpause gar für einen Verbleib des von Gladbach umworbenen Mittelfeldspielers. Angesichts dessen wird ihm die Entscheidung über Vertragsverlängerung oder Wechsel umso schwerer fallen. In den nächsten ein, zwei Wochen will der ÖFB-Nationalspieler Klarheit über seine Zukunft haben.

  • Die neuen Team-Stützen

Neben Junuzovic blühen plötzlich auch andere Spieler kräftig auf. In Abwesenheit des verletzten Sebastian Prödl hat sich Winter-Neuzugang Jannik Vestergaard als unumstrittene Stütze in der Innenverteidigung etabliert. Der Ex-Hoffenheimer glänzt vor allem mit intelligenten Bällen im Spielaufbau.

Vestergaard brachte Sicherheit

Davor liefert Philipp Bargfrede als stabilisierender Sechser die besten Leistungen seit Ewigkeiten ab. Der 25-Jährige startete nach einer Knie-Operation im letzten Jahr heuer neu durch. Er stopft in der Defensive die Löcher und sorgt dafür, dass sich seine offensiven Teamkollegen im  4-3-1-2-System entfalten können.

Einer davon ist Fin Bartels, der diese Saison bereits neun Scorer-Punkte sammeln konnte. Daneben gilt Franco di Santo als Tor-Garantie Nummer eins für die Bremer. Der Argentinier verpasste zwar das letzte Spiel gegen Leverkusen verletzungsbedingt, erzielte in den Partien davor gegen Hertha und Paderborn aber alle drei Treffer der Werderaner.

  • Wunderheiler Viktor Skripnik

Die Hauptverantwortlichen für den Aufschwung sind aber keine Spieler, sondern Trainer. Seitdem Viktor Skripnik und sein Assistenten Torsten Frings das Zepter übernommen haben, geht es für Werder bergauf. Von den neun Liga-Spielen unter Robin Dutt in dieser Saison konnten die Norddeutschen kein einziges gewinnen. Seit dessen Ablöse feierte Bremen jedoch in elf Partien sieben Siege.

Skripnik und Frings gaben dem Verein ein Stück Identität zurück. Beide haben früher selbst für Werder gespielt und trainierten davor gemeinsam die zweite Mannschaft. Die Stadt ist wieder stolz auf ihr Team. Kein anderer Bundesliga-Verein holte seit Skripniks Amtsübernahme mehr Punkte vor eigenem Publikum.

Der Ukrainer gab der Mannschaft das Selbstvertrauen zurück. Er lässt schnörkellos nach vorne spielen und setzt in der Defensive auf ein geordnetes Pressing. Die Sorgfältigkeit im Training macht sich bezahlt. „Viktor und seine Assistenten lassen uns nicht in Ruhe. Es ist schön, dass dann auch Spielzüge, die wir im Training einstudieren, wie nun beim 1:0 gegen Leverkusen klappen“, erklärt Kapitän Clemens Fritz.

  • Die jungen Wilden

Gerade die jungen Spieler blühen im neuen System auf. Skripnik und Frings kennen die Youngsters aus ihrer Zeit als Trainer der Amateure. Diese Erfahrungen machen sich jetzt bezahlt. Davie Selke, Levent Aycicek und Co. gelingt es endlich zu zeigen, was in ihnen steckt.

In den erfolgreichen 2000er-Jahren zeichnete sich die Bremer Mannschaft unter Schaaf durch einen hohen Anteil an Eigenbauspielern aus. In den letzten Jahren gelang jedoch nur wenigen Talenten der Sprung in die erste Mannschaft. Mit Skripnik und Frings wurde hier eine Trendwende eingeleitet.

Vor allem Stürmer Selke weiß in den letzten Spielen zu überzeugen. Der Torschützenkönig der U19-EM 2014 durfte sich in den letzten acht Partien über sieben Scorer-Punkte freuen. Spieler wie ihn, der einen Vertrag bis 2018 besitzt, muss Bremen langfristig an den Verein binden. Dann könnte der Aufstieg der letzten Wochen von dauerhafter Natur sein.

 

Jakob Faber

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