„Es nervt, wenn kein Mensch von dir redet“

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Bayer Leverkusen befindet sich mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison.

Das Bayer Leverkusen, das in der abgelaufenen Saison den hervorragenden dritten Platz und damit die Qualifikation für die Champions League vorzeitig erreicht hat.

Jener Klub, der mit Heung-Min Son einen der talentiertesten Spieler der Bundesliga vom direkten Konkurrenten Hamburger SV losgeeist hat.

Warum es notwendig ist, das explizit zu betonen? Weil man aus der Ferne manchmal das Gefühl hat, die Berichterstattung der deutschen Bundesliga geht über den FC Bayern und Borussia Dortmund nicht hinaus.

„Das geht eigentlich nicht“

„Dortmund und Bayern waren in den letzten Saisonen einfach das Maß aller Dinge und deshalb berichten die Leute auch darüber. Das muss man akzeptieren“, zeigt Stefan Kießling im Gespräch mit LAOLA1 dafür durchaus Verständnis.

Dass ihm das Schattendasein auf Dauer aber zuwider ist, kann allerdings nicht ausgeblendet werden. „Natürlich nervt das ein bisschen, wenn wir so eine gute Saison gespielt haben und kein Mensch redet von dir, sondern noch eher über Schalke und Hamburg“, fährt es aus dem 29-Jährigen, „Das ist einfach…das geht eigentlich nicht.“

Mit einem Lächeln auf den Lippen findet der Torschützenkönig mit 25 Treffern in dieser Frage dann seinen Konsens: „Es ist ein bisschen zweispurig“.

Zwei-Klassengesellschaft Bundesliga?

Mit den sympathischen Trainerfiguren Pep Guardiola bzw. Jürgen Klopp und Transfers a la Thiago, Mario Götze, Pierre-Emerick Aubameyang oder Henrikh Mkhitaryan gehören die Schlagzeilen den beiden Teams, die der nationalen Konkurrenz zu einteilen drohen.

Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler sieht unter den beiden Champions-League-Finalisten die Bayern sogar noch einen Schritt weiter voraus, wie er unlängst in der „Bild“ erklärte: „Sie haben einen Kader, wie es ihn noch nie bei den Bayern gab. Das sind keine Top-11-, keine Top-15-, das sind 22 Top-Spieler. Das ist schon erdrückend für andere Klubs."

Kießling bleibt in seiner Einschätzung nüchterner: „Die Bayern haben natürlich die meisten Möglichkeiten und dieses Jahr wieder ordentlich zugeschlagen.“

Leverkusen im Wandel

Auch wenn er Transfer-Bewegungen bei der Konkurrenz auszublenden versucht, „bekommt man es natürlich mit. Jedes Jahr kommen und gehen Spieler – das ist das Fußballgeschäft.“

Im Kader der Werkself hat es ebenso einige Umstellungen gegeben. Neben Son sind mit Bundesliga-Rückkehrer Roberto Hilbert, Sevilla-Verteidiger Emir Spahic oder Düsseldorfs Robbie Kruse weitere namhafte Spieler unter den Neuzugängen, denen mit Andre Schürrle (Chelsea), Daniel Carvajal (Real Madrid) und Michal Kadlec (Fenerbahce) allerdings auch herbe Verluste gegenüberstehen.

„Ich weiß nicht, ob der eine oder andere noch dazu kommt. Die Transferperiode läuft. Es kann noch viel passieren“, schließt Kießling weitere Veränderungen nicht aus, bestätigt aber, „mit den Leuten, die wir bisher haben, kann man super arbeiten.“

Spielerische Entwicklung macht Mut

Als Trumpf für die Jagd auf die Bayern sieht der sechsfache Teamspieler, der trotz seiner schier eingebauten Torgarantie seit Jahren von Jaochim Löw ignoriert wird, die spielerische Entwicklung in seinem Team.

„Man hat gesehen, dass wir als Mannschaft richtig gut gespielt haben, das Gegenpressing gut eingesetzt haben und gut gestanden sind. Auf so etwas kann man aufbauen“, urteilte der Stürmer etwa nach dem 3:0-Testsieg gegen Udinese.

Zeit, weiter „Schritte in die richtige Richtung zu setzen“, bleibt den Leverkusenern ohnehin. Ligastart in Deutschland ist erst am 9. August.

Bis dahin wird die Mannschaft laut Kießling auf der Höhe sein, um den Kampf gegen die beiden Top-Favoriten aufzunehmen.

Und sich dadurch zugleich wieder selbst ein bisschen ins mediale Rampenlicht zu setzen.

 

Christian Eberle

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