„Ich werde Druck auf Leno ausüben“

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Andres Palop ist 39 Jahre alt.

Der gebürtige Valencianer hat über 300 Partien in La Liga absolviert.

In den letzten acht Jahren hütete er das Tor des FC Sevilla, mit dem er im März 2010 auch seinen letzten Auftritt in der Champions League hatte.

Abschied nach 20 Jahren

Palop gewann mit dem FC Valencia zwei Mal die Meisterschaft und einmal den UEFA Cup. 2008 war er Teil des erfolgreichen spanischen EM-Teams.

Der Routinier kann also auf eine große und erfüllte Karriere zurückblicken. Ans Aufhören denkt der Keeper, der im Oktober seinen 40. Geburtstag feiert dennoch nicht. Ganz im Gegenteil.

Nach 20 Jahren in seiner Heimat wagte der „Panther aus L‘Alcudia“ den Sprung ins Ausland und heuerte bei Bayer Leverkusen an. Warum er die Bundesliga der Fußballer-Pension vorzog, erklärt Palop im Interview mit LAOLA1:

 

Jahrelange Nummer eins von Sevilla: Palop

LAOLA1: Die Frage, die sich allen stellt: Mit 39 Jahren erstmals ins Ausland – Was hat dich getrieben? War es ein Wunsch, den du dir schon immer erfüllen wolltest?

Andres Palop: Die Wahrheit ist, dass mein Vertrag in Sevilla ausgelaufen ist und sich nach dem schwierigen letzten Jahr, in dem ich kaum gespielt habe, plötzlich diese Möglichkeit aufgetan hat. So kann ich mich weiter beweisen. Ich verlor meine Position an Diego Lopez, der nun bei Real Madrid spielt. Ich spüre aber, dass ich weiterhin gut drauf bin, fühle mich gut. Ein Ziel von mir war es, außerhalb Spaniens zu spielen und dieses habe ich nun bei Bayer erreicht.

LAOLA1: Die Möglichkeit, ins Ausland zu wechseln, gab es aber schon früher in deiner Karriere, oder?

Palop: Ich habe sehr gute Jahre erlebt, wo selbstverständlich auch einige Angebote eingetroffen sind. Aber wenn sich jemand, so wie ich, sehr wohl fühlt, gibt es wenig Grund, zu wechseln. Am Ende suchst du immer nach Stabilität und Vertrauen und das habe ich in Sevilla über die Jahre gehabt. Ich war Kapitän, Stammspieler und habe viele Jahre dort verbracht. Als mein Vertrag ausgelaufen ist, habe ich einfach nach einer neuen Aufgabe gesucht. Es gab neben Leverkusen noch ein, zwei andere Optionen, aber ich bin sehr glücklich über meine Wahl.

LAOLA1: Was sprach für Leverkusen?

Palop: In Deutschland zu spielen, wo der Fußball sehr professionell abgehandelt wird, ist unglaublich. Leverkusen ist Champions-League-Fixstarter und zählt zu den besten Teams im Land. Ich glaube, die Bundesliga ist im Aufschwung. Es ist eine Liga, wo man hart arbeiten muss, um sich einen Namen zu machen. Ich glaube, die Leverkusener haben das mit dem dritten Platz in der abgelaufenen Saison wieder eindrucksvoll geschafft. In der Champions League haben wir nun die Möglichkeit, diesen Namen weiter zu verbreiten und in der großen Welt des Fußballs noch bekannter zu machen.

LAOLA1: Kommen wir auf dich zu sprechen. Welche Rolle wirst du im Team von Sami Hyypiä einnehmen? Kämpfst du um einen Stammplatz oder bist du als Backup von Bernd Leno zufrieden?

Negredo (l.) und Navas (r.) nun bei ManCity

LAOLA1: Kommen wir abschließend auf Sevilla, deinen Verein in den letzten acht Jahren, zu sprechen. Wie beurteilst du die aktuelle Situation, die von einem Wandel und dem Abgang namhafter Spieler wie Jesus Navas oder Alvaro Negredo geprägt ist?

Palop: Es wird ein Übergangsjahr für Sevilla werden. Sie fangen mehr oder weniger wieder bei Null an, haben aber trotz der Abgänge eine konkurrenzfähige Mannschaft geformt. Vielleicht sind nicht die großen Namen dabei, aber viele Spieler, die sich auf der Profi-Ebene schon bewiesen haben. Auch wenn sie bei Null anfangen, bleibt das Ziel ein europäischer Startplatz. So läuft das in Sevilla. Ich glaube, dass der Umbruch wichtig war, weil sich der Klub auch sanieren und regenerieren muss. Ohne die Champions League fehlen erhoffte Einnahmen und durch die Verkäufe einiger Spieler hat der Verein den Kopf erhoben und sich ein finanzielles Polster verschafft. Sevilla wird immer eine Rolle spielen, weil es Leute in der Vereinsführung gibt, die ihre Sache sehr gut machen.

LAOLA1: Die Lage beim FC Sevilla ist ein wenig exemplarisch für einen Großteil der Mannschaften in La Liga, die sich einem großen Exodus gegenübergestellt sehen. Ist das die Chance für die Jugend?

Palop: Die Jugend heutzutage muss für diesen Sprung bereit sein. Und die Nachwuchsabteilung des FC Sevilla beispielsweise ist mehr als bereit. Es gibt hervorragende Trainer und ausgezeichnete Spieler, denen man den beschriebenen Sprung zutraut. In Spanien hat man aber allgemein wenig Geduld mit den Jungen, weil man sehr ergebnisorientiert denkt. Mit der Zeit wird man aber in zahlreichen Vereinen mehr Eigenbauspieler und junge Talente sehen. Das ist eine Folge der wirtschaftlichen Situation bei den spanischen Vereinen.

 

Das Interview führte Christian Eberle

Palop: Ich war immer ein Fighter und als Torwart bist du dazu verpflichtet, um die Nummer eins zu kämpfen. Der Konkurrenzkampf mit Bernd, David (Yelldell, Anm.) und Niklas (Lomb, Anm.) wird, so glaube ich, positiv für alle sein. Auf der Torwartposition brauchst du diesen gesunden Konkurrenzkampf, um aus allen Beteiligten das Beste herauszuholen. Es ist klar, dass Bernd als Nummer eins in die Saison geht, das zweifle ich auch gar nicht an. Aber ich bin hier, um hart zu arbeiten, ihm mit meiner Erfahrung zu helfen und auch Druck auf ihn auszuüben. Ich starte als Nummer zwei, aber die Meisterschaft ist sehr lang und es kann immer etwas passieren. Da heißt es dann, top vorbereitet zu sein, wenn sich die Chance ergibt. Dafür hat mich der Klub auch geholt.

LAOLA1: Du sprichst deine Erfahrung an. Sind die anderen jüngeren Spieler schon zu dir gekommen, um sich die eine oder andere Geschichte erzählen zu lassen, oder sich Tipps zu holen?

Palop: Aktuell gibt es noch etwas Verständigungsprobleme, weil mein Deutsch nicht gut ist. Ich arbeite aber daran. Ich brauche noch ein paar Monate, um mich wirklich ausdrücken zu können. Aber die Jungen haben schon ein paar Dinge an mir entdeckt, die sie überrascht haben und wonach sie unseren Torwarttrainer gefragt haben. Wir haben in ein paar Gesprächen gemeinsam Situationen analysiert, in denen ich mich im Training gut geschlagen habe. Auch dafür bin ich schließlich hier – um ihnen zu helfen und sie voranzubringen. Ich will, dass sie mit mir wachsen, um so die Position des Torhüters bei Leverkusen zu stärken.

LAOLA1: Du willst die Sprache lernen. Heißt das, du denkst schon über das eine Jahr, für das du unterschrieben hast, hinaus?

Palop: Es ist klar, dass ein Jahr schnell vorbeigeht. Ich glaube, dass ich auch danach noch Lust zu spielen haben werde. Jetzt werde ich alles für den Verein geben und dann werden wir sehen, ob es über eine Saison hinausgeht. Ich glaube, dass es eine gute Sache für beide Seiten wäre – sowohl für den Klub als auch für mich. In einer Saison ist es nicht möglich, all das beizutragen, was ich könnte. Es würde mich freuen, auch danach beim Klub zu bleiben, wenn man mich braucht. Darüber hinaus habe ich in Spanien zwei Trainerscheine gemacht. Man weiß nie, was passieren wird.

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