Schulte: "So ticken die drei Österreicher bei Fortuna"

Aufmacherbild
 

Unter dem Motto "Für leiwand, gegen Oasch" stand Helmut Schultes Amtszeit in Österreich.

Noch heute kann der 57-jährige Deutsche über die Botschaft lachen, die ein Transparent auf einer Demo in Rapids Krisenzeit zierte.

Seinen Ausflug nach Wien behielt der Sauerländer in bester Erinnerung, doch auch an seiner neuen Wirkungsstätte als Sportdirektor des deutschen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf ist allles "leiwand".

Das gute Verhältnis zu Österreich ist allgegenwärtig, hat er doch mit Michael Liendl, Erwin "Jimmy" Hoffer und Christian Gartner gleich drei rot-weiß-rote Legionäre unter seinen Fittichen.

"Mit dreieinhalb Österreichern kann nichts schiefgehen"

"Ich flachse immer, dass bei Fortuna mit dreieinhalb Österreichern nichts schiefgehen kann. Der Halbe bin ich - durch das eine Jahr in Wien im Stahlbad Rapid gestählt", scherzt Schulte im LAOLA1-Interview.

Hoffer und Gartner standen bereits vor dem Engagement des Managers im Kader der Westfalen, mit Michael Liendl gelang ihm allerdings ein absoluter Glücksgriff.

"Das hat schon sehr gut gepasst. Er war ein ganz wichtiger Faktor für den Aufschwung, den wir im Frühjahr hatten." Auch in der neuen Spielzeit sind die Österreicher in aller Munde.

Für LAOLA1 geht Schulte im Detail auf die drei ÖFB-Legionäre ein, verrät, wie Liendl, Hoffer und Gartner ticken und was jeden einzelnen für Fortuna Düsseldorf unverzichtbar macht.

Im Verein seit: Jänner 2014

Position: Offensives Mittelfeld

Statistik 2014/15: 8 Einsätze, 2 Tore, 2 Assists

Statistik 2013/14: 15 Einsätze, 3 Tore, 7 Assists

Wieso passt er so gut zur Fortuna? "Weil er so ein bisschen wie damals Thanos Petsos bei Rapid der „Missing Link“ war. Ich hatte das Gefühl, dass wir ein Loch haben, das Liendl füllen soll. Er hat dann mit seiner Qualität und seinen Möglichkeiten genau ins offensive Mittelfeld hineingepasst, deshalb war er bei uns sehr schnell zu Hause. Die beste Integration gibt es, wenn die Mannschaft nach einer Woche merkt, dass er dem Team weiterhilft."

Wie tickt er als Spieler und Mensch? "Michael ist ein absoluter Teamplayer, der sich hier sofort als Mensch und Typ eingefügt hat. Er wurde hier direkt von allen akzeptiert, nicht nur weil er Fußball spielen kann, sondern auch weil er ein klasse Typ und eine gestandene Persönlichkeit ist."

Welchen Stellenwert nimmt er im Team ein? "Er ist bei uns ein Führungsspieler und ist nach kurzer Zeit schon bei uns im Mannschaftsrat, das soll auch was heißen. Wenn man in ein neues Land kommt – gut, es ist jetzt nicht Ecuador – und schon nach einem halben Jahr im Mannschaftsrat ist, hat das schon Gewicht."

Welche Qualitäten schätzen Sie am meisten an ihm? "Fußballerisch, dass er im Spielaufbau kein Problem mit dem Ball, eine Wahnsinns-Übersicht hat, dadurch natürlich Spieler immer wieder sehr gut in Szene setzen kann und dabei selbst noch torgefährlich ist. Was er bis jetzt noch nicht gezeigt hat, ist, dass er einen ruhenden Ball ins Tor schießt – da hat er noch Optimierungs-Möglichkeiten. Als Typ ist er ein Mannschaftsspieler, eine Persönlichkeit, ein intelligenter Typ, mit dem man auch über das 1:0 hinaus reden kann. Und er hat einen leichten Schmäh."

Warum passt er gut nach Deutschland? "Er passt auf jeden Fall hierher. Auch das Tempo kann er mit seinen fußballerischen Fähigkeiten auf jeden Fall halten. Er kann das Spiel mit einem Ball öffnen, schnell machen und eine Torgefährlichkeit entwickeln. Das ist einfach klasse!"

Würden Sie ihn als ihren bisherigen "Königstransfer" bezeichnen? "Ich kann sagen, dass Liendls Verpflichtung - nicht nur weil er ein Top-Fußballer, sehr guter Vorbereiter und gefährlicher Torschütze ist, sondern durch seine Anwesenheit auf und außerhalb des Platzes - für die zwei anderen sehr wichtig war. Er kommt mir ein bisschen wie ein großer Bruder für „Jimmy“ und Christian vor. Davon haben im Grunde genommen alle profitiert – die beiden, er selber und der Verein. Eine klassische Win-Win-Win-Win-Situation, wenn man es so sehen will."

Wie sehr beeindruckt seine bisherige Statistik? "Die ist super und noch besser als sein Karriere-Durchschnitt, weil er fast immer fit ist, 90 bis 100 Prozent aller Spiele macht und in jedem zweiten Spiel an einem Tor beteiligt ist."

Würden Sie ihn als „Chef am Platz" bezeichnen? "Der Trainer hat mehrere Chefs erkannt und benannt. Das sind unser Kapitän Adam Bodzek in der Verteidigung, dann im defensiven Mittelfeld mit seiner großen Erfahrung Sergio Pinto und Michael ist sicher der Chef im Offensivbereich – so kann man es sagen."

Verwunderlich, dass er als Spätzünder Karriere macht? "In Österreich haben die Fachmänner schon immer gewusst, was er für ein Potenzial hat. Durch die Nationalteam-Berufung ist er vielleicht ein Spätzünder, aber Marcel Koller hat auf seine guten Leistungen reagiert und ihn belohnt. Er hat schon beim WAC super gespielt, nicht nur gegen Rapid - seitdem er nicht mehr dort ist, gewinnt Rapid auch gegen sie. Da habe ich ihnen zum Abschluss noch einen Gefallen getan (lacht)."

Im Verein seit: August 2013

Position: Sturm

Statistik 2014/15: 8 Einsätze, 3 Tore, 1 Assist

Statistik 2013/14: 24 Einsätze, 9 Tore, 2 Assists

Wieso passt er so gut zur Fortuna? "Weil ihm Trainer Oliver Reck hundertprozentig vertraut. Er weiß auch, dass er einmal ein Spiel ohne Tor beenden kann, ohne dass an seinen Qualitäten gezweifelt wird. Durch die Verpflichtung von Michael Liendl wird er noch viel besser in Szene gesetzt, das muss man auch erwähnen. Die Qualitäten von „Jimmy“ – sein Antritt und die Abschlussstärke - werden nicht sichtbar, wenn in der Offensiv-Reihe keiner diese Bälle vorne hinein spielen kann."

Wie tickt er als Spieler und Mensch? "Er macht ja einen sehr ruhigen, in sich gekehrten Eindruck. Aber dafür explodiert er dann auf dem Platz – so ist der „Jimmy“. Er ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen und nicht leicht zu erschüttern – so habe ich ihn kennengelernt."

Welchen Stellenwert nimmt er im Team ein? "Der Stellenwert im Team ist groß, weil er halt Tore schießt – ist doch klar. Vor allem, weil er absoluter Stammspieler ist und wir durch seine Tore die Spiele gewinnen. Er gehört jetzt nicht zu den Lautsprechern oder Führungspersonen, das ist nicht so seine Welt und gehört nicht zu seiner Persönlichkeit. Das braucht er auch nicht, er soll sich auf dem Platz ausleben."

Welche Qualitäten schätzen Sie am meisten an ihm? "Seine Qualitäten kennt man ja, spätestens seit dem „50-Tore-Sturm“ bei Rapid zusammen mit Stefan Maierhofer im Jahr 2008. Abschlussstärke, Torriecher und das Näschen, wo im Strafraum etwas passiert, machen ihn aus."

Warum passt er gut nach Deutschland? "Er passt zur Fortuna, zu anderen Vereinen in Deutschland hat er ja nicht gepasst. Die anderen Stationen in Frankfurt und Kaiserslautern waren alle anstrengend. Er fühlt sich hier zu Hause, weil er das Gefühl hat, dass er richtig gebraucht wird. Das ist für jeden Spieler wichtig, vor allem für Stürmer. Das hatte er bei anderen Vereinen nach Rapid nicht mehr so gespürt."

Auch bei Fortuna benötigte er Anlaufzeit, bis er im Frühjahr explodierte. Warum? "Weil es im Verein drunter und drüber ging. Nach dem Bundesliga-Abstieg hat der Klub 2013 ein ganz schweres Jahr gehabt, um sich neu zu finden. Da war es natürlich für jeden Spieler schwer, Fuß zu fassen."

Er hat in seiner Karriere schon viel durchgemacht. Hat er bei Fortuna Zukunft? "Sicher! Er kann sich hier zum ersten Mal nach 2009, als er zum SSC Napoli gewechselt ist, wo es nicht rund gelaufen ist, zeigen. Warum sollte das nicht so weitergehen?"

Sehen Sie die bisherigen Probleme auch in seiner schüchternen Art? "Nein, ich denke nicht. Es gibt zwar immer mal wieder Menschen, die andere verändern möchten. Aber die meisten sind so geworden, weil es gut für sie ist. Deshalb muss man die Leute so nehmen, wie sie sind und ihre Eigenarten respektieren. Wenn einer eher in sich ruht, anstatt extrovertiert zu sein, dann ist das seine Charaktereigenschaft und Persönlichkeit. Fertig! Wenn er es schafft, seine Leistungen auf dem Platz in Abstimmung damit zu bringen, wird man erfolgreich sein. Jeder akzeptiert ihn so, wie er ist."

Im Verein seit: Juli 2013

Position: Defensives Mittelfeld

Statistik 2014/15: 6 Einsätze, 0 Tore, 0 Assists

Statistik 2013/14: 15 Einsätze, 0 Tore, 1 Assist

Wieso passt er so gut zur Fortuna? "Er hat die Chance genützt, die sich ihm hier eröffnet hat. Er hat jetzt die für ihn persönlich wahnsinnig gute Situation, dass er mit Sergio Pinto „ein altes Schlachtross“ neben sich hat, von dem er bestimmt viel lernen kann. Ich habe das Gefühl, dass ihm das gut tut. Er ist noch lange kein fertiger Spieler, aber er ist auf einem guten Weg."

Wie tickt er als Spieler und Mensch? "Er hat fast immer gute Laune, das hilft einem auch weiter. Man freut sich immer, wenn man ihn trifft und kann immer einen Flachs oder Schmäh mit ihm machen. Er ist als Typ auch sehr beliebt im Mannschaftskreis und ist auch im Mannschaftsrat als Vertreter der jungen Spieler. Das ist auch ein Zeichen."

Welchen Stellenwert nimmt er im Team ein? "Er ist einer von fünf Vertretern im Mannschaftsrat und lässt die Meinungen der jungen Spieler einfließen, aber sportlich ist er auf dem Weg, ein unverzichtbarer Stammspieler zu werden."

Welche Qualitäten schätzen Sie am meisten an ihm? "Wir haben im Mittelfeld fußballerische Kompetenz gebraucht und er hat keine Probleme im Umgang mit dem Ball, ist sehr ballsicher, hat eine sehr gute Übersicht und spielt den Pass direkt nach vorne und nicht kleine Pässe hinten herum. Zudem ist er ein sehr schlauer Spieler."

Warum passt er gut nach Deutschland? "In puncto Fighting Spirit, 1-gegen-1-Duelle und 50:50-Bälle, die man besonders in der zweiten deutschen Liga braucht, hat er noch Optimierungs-Möglicheiten. Wenn er die inhaliert, ist er auf jeden Fall ein Spieler für gehobene Ansprüche. Vom Fußballerischen hat er auf jeden Fall die Voraussetzungen, dieses Tempo spielen zu können."

Vom Mattersburg-Nobody zum Fortuna-Stammspieler. Wie sehen Sie seine Entwicklung? "Ich habe ihn als Spieler von Mattersburg kennengelernt, außerdem hat er in der U19 immer gespielt. Das ist schon eine Aussage. Er ist gut ausgebildet, das taktische Verhalten ist okay und die Ballfertigkeit sehr gut. Das muss er jetzt entwickeln und Routine bekommen."

Sie hatten ihn schon bei Rapid am Zettel. Hat es Sie überrascht, dass er schon über die Grenzen hinaus begehrt ist? "Wir haben über ihn nachgedacht, aber wir hatten damals Branko Boskovic, Dominik Wydra und Thanos Petsos auf seiner Position. Es hat mich nicht überrascht, dass er dann in Deutschland zum Thema wurde. Viel mehr hat mich erstaunt, wie schnell die Entwicklung gegangen ist. Ich dachte, er braucht ein bisschen länger, muss ich ehrlich sagen. Aber das spricht für seine Qualität."

Gartner gilt als schüchtern, übernimmt aber bereits viel Verantwortung. "Schüchtern würde ich jetzt nicht sagen. Er löst die Dinge, die er lösen muss. Er strahlt auch Überzeugung aus, wenn er den Ball hat und weiterspielt. Aber es ist alles noch ausbaubar."

Andreas „Lumpi“ Lambertz galt als sein Vorbild, nun hat er ihn abgelöst. Ist das in Düsseldorf Thema? "'Lumpi' ist immer ein Thema, weil er ein ganz außergewöhnlicher Spieler und Mensch ist, zudem ist er der einzige Spieler in Deutschland, der in vier Ligen für den gleichen Verein Tore geschossen hat. Er ist von der vierten in die erste Liga aufgestiegen und war immer Stammspieler. Wenn man so will, hat ihn Gartner abgelöst, aber er kann ihn in puncto Einstellung, Bereitschaft und Motivation noch immer als Vorbild nehmen. So einen Spieler kann sich jede Mannschaft nur wünschen."


Das Gespräch führte Alexander Karper

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen