Unbeliebtes Leipzig träumt vom Durchmarsch

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Schon vor dem ersten Anpfiff ist RasenBallsport Leipzig das Rote Tuch der zweiten deutschen Liga.

Während der Aufsteiger dank Red Bull vom Durchmarsch in die Bundesliga träumt, regt sich bei der Konkurrenz Widerstand.

Nach Lizenz-Diskussionen und Absagen von Testspielen wollen gegnerische Fans nun Liga-Spiele boykottieren. Am Samstag wartet zum Auftakt das Heimspiel gegen VfR Aalen.

Leipzig sieht sich nicht als Mitfavorit

Aufstiegsfavoriten sind andere. Der 1. FC Nürnberg, Eintracht Braunschweig und Fortuna Düsseldorf sind nach Ansicht der Zweitliga-Trainer die großen Titelanwärter.

Das ergab eine dpa-Umfrage. Von den 18 Befragten tippten neun auf eine Bundesliga-Rückkehr der Nürnberger, die im Sommer ÖFB-Talent Alessandro Schöpf vom FC Bayern holten. Leipzig hatten nur zwei Trainer mit auf der Rechnung, darunter der Steirer Ralph Hasenhüttl vom FC Ingolstadt.

"Wir tun uns schwer, wenn wir hören, dass wir Mitfavoriten sind. Wir sollten einmal das erste halbe Jahr abwarten, dann wissen wir, was erreichbar ist", betonte Niklas Hoheneder.

Der Linzer steht seit Jänner 2012 in den Diensten der Leipziger, Peter Pacult holte den ehemalige Bundesliga-Akteur (LASK, Austria) damals vom Karlsruher SC in die vierte Liga. Zweieinhalb Jahre später spielt Hoheneder zwei Klassen höher - und will naturgemäß noch mehr.

Die Bundesliga ist das Ziel

"Was am Ende rausschaut, wird sich zeigen. Aber natürlich ist die Bundesliga ein Traum von uns", meinte der Innenverteidiger. Die Vorbereitung sei für die Leipziger, die unter Trainer Alexander Zorniger wie Salzburg auf offensives Pressing setzen, zufriedenstellend verlaufen. "Was das wert ist, wird sich am Samstag zeigen", erklärte Hoheneder.

Von den übergeordneten Stellen gab es auf die Mannschaft vor Saisonstart nicht übermäßig Druck. Sportdirektor Ralf Rangnick bezeichnete den Aufstieg in die Bundesliga als "mittel- bis langfristiges Ziel". Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz erklärte gegenüber dem Sport-Informations-Dienst, mit Leipzig "ambitionierte Ziele" zu haben, betonte aber auch: "Von einem Pflichtaufstieg zu sprechen und ihn zu verlangen, wäre unsinnig."

"Finde das ein wenig lächerlich"

Gespannt sein darf man vorerst, wie Leipzig in der Liga ankommt. Weil der Verein als Retortengebilde verschrien ist und das Getränkeimperium Gelder in unbekannter Höhe in den Deutschland-Ableger pumpt, ist der Aufsteiger bei Fußballtraditionalisten unbeliebt wie kaum ein zweiter Verein. Daher sagten Schalke 04 und der VfB Stuttgart im Sommer vereinbarte Testspiele wegen Fanprotesten ab.

Anhänger von Kontrahenten drohen nun, auch Ligaspiele in Leipzig zu boykottieren. "Ich finde das ein wenig lächerlich", meinte Hoheneder dazu. Der 27-Jährige sieht die Diskussionen als von den Medien aufgebauscht: "In Deutschland ist alles um zwei Hausnummern größer, was Fußball betrifft. Da wird so ein Thema gerne aufgenommen."

Konkurrenz prangert Leipziger Transfers an

Dass Leipzig überhaupt die Lizenz bekommen hat, sehen viele Fans als Farce. Das Ringen mit der Deutschen Fußball-Liga endete mit einem Kompromiss, bei dem Leipzig u.a. sein Logo leicht veränderte. Die Konkurrenz prangert auch das aggressive Werben um Talente an. "Auch dieses Jahr haben wir keinen einzigen Spieler von einem Ligakonkurrenten verpflichtet", entgegnete Rangnick. Er setzt viel mehr auf die Synergien mit Österreichs Meister Salzburg.

Deshalb wurden die Talente Massimo Bruno (von Anderlecht) und Marcel Sabitzer (Rapid) zwar von Leipzig verpflichtet, aber umgehend nach Salzburg verliehen. Langfristig sollen die beiden Jungnationalspieler aber für Leipzig in der Bundesliga spielen. Vor allem die Transfermodalitäten beim neun Millionen Euro teuren Kauf des Belgiers Bruno sorgten für Aufsehen.

Boyd fällt aus

Von Salzburg nach Sachsen wechselten zuvor schon der Niederösterreicher Georg Teigl und der Kärntner Stefan Hierländer. Ebenfalls neu in Leipzig ist Terrence Boyd. Der von Rapid geholte Stürmer fällt allerdings wegen eines Kreuzbandanrisses im Knie mindestens zehn Wochen aus.

Groß soll jedenfalls der Zuschauerzuspruch sein. Bereits im Vorjahr kamen zu den 19 Heimspielen der dritten Liga im Schnitt 16.600 Zuschauer in die WM-Arena von 2006.

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