"Nehme mir Vorbild an erfolgreichem Offensivfußball"

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Mit dem FC Ingolstadt steht Ralph Hasenhüttl an der Tabellenspitze der zweiten deutschen Fußball-Liga.

Der Steirer hat als Trainer der Oberbayern dabei einen großen Anteil. In Österreich spielte der 47-Jährige für den GAK, die Wiener Austria und Austria Salzburg.

Als Betreuer war Hasenhüttl jedoch ausschließlich in Deutschland tätig.

Mit der APA - Austria Presse Agentur sprach Hasenhüttl über Außenseiter Ingolstadt, seinen Werdegang und Ziele sowie über seinen Ruf als "Alpen-Klopp".

Frage: Außenseiter Ingolstadt steht nach 16 Runden an der Tabellenspitze. Warum sind Sie darüber nicht wirklich überrascht?

Ralph Hasenhüttl: "Es ist für viele überraschend, dass wir da vorne stehen. Ich sehe jeden Tag, wie diese Mannschaft arbeitet, wie sie dazulernt, wie klar die Spieler im Kopf sind und deshalb überrascht es mich nicht, dass sie so guten Fußball zeigt. Trotzdem konnte man nicht erwarten, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Saison ganz oben stehen."

Frage: Im Oktober 2013 haben Sie den Club auf Tabellenplatz 18 übernommen. Seither geht es bergauf. Wie war diese Entwicklung möglich?

Hasenhüttl: "Sie war möglich, weil man sich hier in vielen Punkten verbessert hat. Und damit meine ich nicht nur unser Spiel. Als ich hierherkam, haben nicht alle so zusammengearbeitet, wie es notwendig ist, wenn man erfolgreich sein will. Es haben nicht alle an einem Strang gezogen. Es war ein schwerer Weg, den wir seitdem gegangen sind. Aber wir haben es gut gemacht. Sehr gut sogar."

Frage: In Deutschland werden Sie aufgrund ihres Spielstils mitunter als "Alpen-Klopp" bezeichnet, wirklich erfreut dürften Sie darüber aber nicht sein. Warum?

Hasenhüttl: "Eigentlich gibt es ja Schlimmeres, als mit einem sehr erfolgreichen Trainer Deutschlands verglichen zu werden. Unser Spielstil mag sich ähneln, aber sonst weiß ich nicht, wie viel wir gemein haben."

Frage: Als welche Art von Trainer würden Sie sich selbst bezeichnen, gibt es ein Vorbild?

Hasenhüttl: "Ich nehme mir gerne ein Vorbild an erfolgreichem Offensivfußball. Wer so spielen lässt, dem schaue ich zu. Meine Mannschaft begeistert ja mittlerweile, nicht nur, aber vor allem wegen des sehr hohen Angriffspressings. Ansonsten pflege ich einen sehr partnerschaftlichen Umgang. Ich behandle meine Spieler gerne so, wie ich selber als Spieler behandelt werden wollte, aber nicht immer bin."

Frage: Unterhaching, der Aufstieg mit Aalen, jetzt im Vorderfeld der 2. Liga mit Ingolstadt. Es scheint als tasten Sie sich "step by step" an die Bundesliga heran. War das Teil Ihres Karriereplans?

Hasenhüttl: "Ein Karriereplan ist eher nichts für Fußballtrainer. Zu sehr liegt der Fokus auf dem Hier und Jetzt. Man muss ständig erfolgreich sein. Schon eine kurze Schwächephase könnte alle Planungen über den Haufen werfen. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, wie die Trainerkarriere verlaufen sollte: so wie die meine. Sollte ich irgendwann einmal in der Bundesliga ankommen, werde ich sehr gut darauf vorbereitet sein."

Frage: Mit ihrem ehemaligen Mitspieler Peter Stöger sind Sie der einzige Österreicher, der in einer namhaften Liga als Coach tätig ist. Warum denken Sie ist das der Fall?

Hasenhüttl: "Als ich hier in Deutschland Cheftrainer in der 3. Liga wurde, war ich überhaupt der einzige. Ich hab' damals die Chance bekommen, hier im Land des viermaligen Fußballweltmeisters als Trainer einer Profimannschaft arbeiten zu dürfen. Mir war schnell klar, dass das meine einzige sein wird. Zum Glück hab' ich sie nutzen können. Um von Österreich als Trainer hierherzukommen, musst du schon Außergewöhnliches vorzuweisen haben, zum Beispiel den Meistertitel vor Salzburg holen, wie Peter Stöger mit der Wiener Austria."

Frage: Sie haben nach Ende ihrer aktiven Karriere als Coach in Deutschland begonnen, nie in Österreich gearbeitet. Sehen Sie sich in Ihrer Entscheidung nun bestätigt?

Hasenhüttl: "Ich musste keine Entscheidung treffen. Es gab keine Alternative. Ich glaube nicht, dass man damals in Österreich darauf gewartet hat, dass der Fußballer Hasenhüttl endlich als Trainer zurückkehrt. Dafür war ich einerseits nicht großartig genug als Spieler und andererseits zu lange im Ausland und eigentlich vergessen."

Frage: Ingolstadt spielt in der Liga zu Hause vor im Schnitt 7.500 Zuschauern. Dem 2004 gegründeten Club wird fehlende Tradition vorgeworfen. Wie sehen Sie das?

Hasenhüttl: "Stimmt. Wir haben als FC Ingolstadt 04 noch keine große Tradition. Aber man soll uns die Zeit lassen, unsere eigene Geschichte zu schreiben. Uns fehlt mindestens eine Generation Fußballfans, weil es nach ESV und MTV Ingolstadt über 20 Jahre lang keinen höherklassigeren Fußballverein in dieser Region gegeben hat. Aber hier ist jetzt etwas am Wachsen."

Frage: Mit Lukas Hinterseer und Ramazan Özcan zeigen beim FC zwei weitere Österreicher auf. Wie groß ist ihr Anteil am Erfolg?

Hasenhüttl: "So groß, wie der jedes anderen in der Mannschaft. Beide haben eine tolle Entwicklung genommen und zeigen Woche für Woche hervorragende Leistungen."

Geboren am:
  1. August 1967
Geboren in: Graz
Stationen als GAK (1985-89), Austria Wien (1989-94),
Spieler: A. Salzburg (1994-96), KV Mechelen (BEL, 1996/97),
  Lierse SK (BEL, 1997/98), 1. FC Köln (1998-2000),
  Greuther Fürth (2000-02), FC Bayern Amateure (2002-04)
Stationen als SpVgg Unterhaching (2007-10),
Trainer: VfR Aalen (2011-13/Aufstieg in 2. Liga 2012), FC Ingolstadt (seit Oktober 2013)
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