"Er kann ein Fanliebling werden"

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"Und was über mich gespottet wurde…"

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Wer an den 1. FC Köln denkt, ist mit den Gedanken unweigerlich bei Toni Polster.

Nicht nur hierzulande, auch in der deutschen Rhein-Metropole. Dort genießt der Wiener nach wie vor einen hohen Beliebtheitsgrad.

Kaum war der Wechsel von Stefan Maierhofer – in Köln bereits als „Ösi-Latte“ tituliert, zum deutschen Zweitliga-Klub fixiert (Hier alle Infos), meldeten sich schon Kölner Journalisten beim aktuellen Trainer von Stadtligist Viktoria.

„Ja, Stefan und ich haben am Mittwoch Interviews gegeben, da gab es große Berichte“, schildert einer der großen österreichischen Fußball-Ikonen im Gespräch mit LAOLA1.

In Köln bleibt Polster unvergessen.

In seinen fünf Jahren, in denen der heute 48-Jährige als Strafraum-Stürmer sein Unwesen trieb, erzielte er nicht weniger als 79 Bundesliga-Tore.

Toni „Doppelpack“ Polster

Nicht selten zwei pro Spiel. Das brachte ihm den Spitznamen „Toni Doppelpack“ ein. Dieser Schriftzug ziert auch die Homepage des österreichischen Rekord-Torschützen. Offenkundig eine Herzenssache.

Seine Popularität reichte sogar so weit, dass  die Girl-Rockband „Die Fabulösen Thekenschlampen“ mit dem 95-fachen Internationalen den Hit „Toni, lass‘ es polstern“ landeten. Zu Gast war der „Schmäh-Bruder“ auch in der „Harald Schmidt Show“, und immer gern gesehen in der Domstadt.

„Köln und ich – das hat einfach gepasst“, blickt Polster auf diese „wunderbaren Jahre“ zurück und spricht im LAOLA1-Interview auch über den Wechsel Maierhofers sowie Parallelen zu seiner Person.

LAOLA1: Toni, wie findest du die Entscheidung, dass dein Ex-Klub Stefan Maierhofer geholt hat?

Toni Polster: Es ist so, dass Köln eine Serie braucht, angreifen muss und wenn viele Flanken kommen, dann könnte das dem Stefan durchaus liegen. Ich hoffe für ihn und den 1. FC Köln, dass er in den nächsten Monaten diese Entscheidung rechtfertigt.

LAOLA1: Inwieweit verfolgst du noch das Geschehen in Köln?

Polster: Ich werde ständig am Laufenden gehalten. Ich habe viele Freunde noch dort und sie schicken mir auch immer wieder Berichte. Zuletzt wurde ich auch etwa von Kölner Medien zum Wechsel befragt, es gab Interviews von Stefan und mir, es gab große Berichte.

LAOLA1: Du warst fünf Jahre in Köln und riesiger Sympathieträger. Wie blickst du auf die Zeit zurück?

Polster: Ich erinnere mich natürlich sehr gerne daran. Die Fans haben mich unglaublich geschätzt, respektiert und auch verehrt. Es waren fünf tolle Jahre als Spieler in Köln und ich habe dann ja auch noch sechseinhalb weitere dort verbracht. Das war schon eine tolle Entscheidung, damals dort hinzugehen, ohne natürlich vorher zu wissen, dass es so laufen würde.

Polster erzielte 79 BL-Tore für Köln (1993-1998)

LAOLA1: Wie kam es, dass du solch ein Publikumsliebling wurdest?

Polster: Ich habe einfach hingepasst. Auch wenn die Mannschaft schlecht gespielt hat, haben die Leute gesagt: Der Toni war gut, der Toni war der Beste. Die Liebe die von den Rängen herunterkam, habe ich mit Leistungen zurückgezahlt.

LAOLA1: An welche Ereignisse erinnerst du dich da speziell?

Polster: Wir waren natürlich immer eine Mannschaft, die im Mittelfeld oder gegen den Abstieg gespielt hat. Vier Mal habe ich es  geschafft, meine Freunde beim FC zu retten, beim fünften Mal ist es sich leider nicht ausgegangen. Es war trotzdem eine tolle Zeit, wir haben auch einmal im UI-Cup gespielt und vor eigenem Publikum Tottenham mit 8:0 geschlagen. Ich habe viele Freunde dort gefunden und werde immer ein Stück meines Herzens dort behalten.

LAOLA1: War der Abstieg dein traurigstes Kapitel in der Karriere?

Polster: Auch. Köln musste erstmals absteigen, war vorher immer in der obersten Liga. Das war ein ganz trauriger Tag für uns Spieler, den Verein, aber auch die ganze Stadt.

LAOLA1: Stefan Maierhofer ist ein extrovertierter Typ. Kann er in deine großen Fußstapfen treten?

Polster: Ich sage mal so: Es kann schon passen. Wenn er schnell Selbstvertrauen tankt, Tore macht, dann kann er mit seiner Art sicherlich das Publikum gewinnen. Seine offene Art kommt der dortigen Mentalität sicherlich entgegen. Und das wünsche ich ihm und Köln. Er hat ja gesagt, ich sei sein Vorbild. Dann kann er ja jetzt in Köln in meine Fußstapfen treten.

LAOLA1: In Österreich hat Maierhofer viele Kritiker, in Deutschland ein gutes Standing. Kannst du nachvollziehen, warum er hierzulande nicht so geschätzt wird?

Polster: Er hat natürlich polarisiert. Das ist aber auch nicht einfach, wenn man bei Rapid spielt und dann später zu Salzburg wechselt. Aber er hat immer alles gegeben, er hat unheimliche Leidenschaft und Herz an den Tag gelegt. Vom Einsatz her hat man ihm nie etwas vorwerfen können. Natürlich, dass er aufgrund seiner Größe nicht der filigrane Techniker ist, ist auch klar. Aber er hat es etwa gemeinsam mit Jimmy Hoffer bei Rapid bewiesen, dass er auch ein guter Fußballer ist.

LAOLA1: Wird ihm in Österreich also auch viel Unrecht getan?

Polster: Es ist so. Beispiel: Carsten Jancker. Der wurde am Anfang auch ausgelacht und hat dann den Sprung zu Bayern München geschafft, wo er Meister und Champions-League-Sieger wurde. Und was über mich gespottet wurde… Da muss man einfach mental stark sein und ein wenig drüberstehen.

LAOLA1: Letzte Frage: Gibt es noch Kontakt zu den Thekenschlampen?

Polster: Die gibt es ja in dieser Form nicht mehr, nur mehr Mirja Boes. Die anderen machen keine Musik mehr, soweit ich weiß. Mit der früheren Managerin habe ich noch Kontakt und Mirja sehe ich auch ab und zu, aber auch schon länger nicht mehr. Vielleicht gibt es ja wieder eine Reunion (lacht).

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

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