Stöger auf den Spuren von Merkel und Happel

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Was lange währt, wird endlich gut.

Der Verhandlungs-Poker um Peter Stöger ist beendet, der 47-Jährige bekleidet ab sofort das Traineramt des deutschen Zweitligisten 1. FC Köln.

„Mein großer Dank geht an den 1. FC Köln, der sich in überzeugender Art und Weise um mich bemüht hat“, erklärt der Wiener, der nun keine Zeit mehr verlieren will. „Jetzt gilt meine volle Konzentration der Saisonvorbereitung.“

„Peter Stöger ist ein moderner Trainer mit großen Fähigkeiten bei der Führung und Entwicklung der Spieler“, schwärmt Jörg Jakobs, Kölns Verantwortlicher für Transfermanagement, in den höchsten Tönen.

Das Bild hat sich gewandelt

Für die österreichische Trainer-Landschaft ist der Wechsel des Austria-Meistermachers ein wahrlich gutes Zeichen, sah es diesbezüglich doch in der jüngeren Vergangenheit nicht allzu rosig aus.

Galten rot-weiß-rote Fußball-Lehrer in den 70er und 80er Jahren noch als Erfolgsgaranten, so hat sich dieses Bild in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Nur wenige Auslandsabenteuer heimischer Coaches waren von Erfolg gekrönt.

Stöger will sich in der Domstadt beweisen und hofft, in die Fußstapfen prominenter Landsleute treten zu können. Die erfolgreichsten Deutschland-Exporte waren zweifellos Ernst Happel und Max Merkel.

Happel erklimmt Europas Thron

Happel wurde 1981 vom Hamburger SV engagiert und blieb sechs Jahre an der Elbe. In dieser Zeit kamen ihm zwar nur wenige Worte über die Lippen, die Titel-Ansammlung war dafür umso größer und beeindruckender.

Gleich in seiner Debüt-Saison bescherte der „Wödmasta“ den Hanseaten den Meistertitel und zog mit ihnen in das Finale des UEFA-Cups ein, in dem man sich IFK Göteborg geschlagen geben musste.

1982/83 sollte es bedeutend besser laufen – Happel schuf sich mit seinen Erfolgen selbst ein Denkmal und ging in die Klub-Geschichte ein: Neben der erfolgreichen Titelverteidigung in der nationalen Meisterschaft gelang dem „Bundesliga-Dino“ erneut der Einzug ins Europacup-Endspiel – diesmal im Europacup der Landesmeister und mit dem besseren Ende für den HSV, der Juventus Turin mit 1:0 bezwang.

Ähnliche Erfolge blieben in den Folgejahren zwar aus, allerdings blieb das Niveau unter Happel enorm hoch. So folgten zwei Vize-Meisterschaften (84, 87) sowie zum Abschied 1987 der Triumph im DFB-Pokal.

Max Merkel führte den TSV 1860 zum einzigen Meistertitel der Klubhistorie

Merkel führte den TSV 1860 zum Titel

Auf Erfolge dieser Größenordnung kann bestenfalls Merkel verweisen. Der einfache ÖFB-Internationale versuchte sich 1958 bei Borussia Dortmund und wurde im ersten Jahr Vize-Meister.

Mit dem TSV 1860 München, bei dem er zwischen 1961 und 1966 auf der Gehaltsliste stand, setzte er noch eins drauf. 1964 führte er die „Löwen“ zum Pokal-Sieg, zwei Jahre später bescherte er ihnen den bis dato einzigen Meisterteller der Vereinshistorie.

Beinahe hätte sich eine Europacup-Trophäe hinzugesellt, jedoch unterlag man 1965 im Cupsieger-Bewerb West Ham mit 0:2. Nicht minder erfolgreich war der Wiener beim 1. FC Nürnberg.

Als Merkel kam, war der „Club“ ein Abstiegskandidat. Doch schon nach einem Jahr war er wieder obenauf – 1968 feierten die Franken den bis dato letzten von neun Meistertiteln. Seinerzeit war man Rekordmeister in Deutschland.

Zwei Entlassungen für Kurt Jara

Die Kehrseite der Medaille: Der einstige Zeitungskolumnist, der 2006 verstarb, war kein einfacher Typ. Sowohl bei den 60ern, als auch in Nürnberg überwarf er sich mit der Mannschaft, woraufhin er entlassen wurde.

Auch bei seinem zweiten Gastspiel in München (1974/75 bei 1860) sowie auf Schalke, in Augsburg und Karlsruhe konnte er nicht mehr an alte Glanzzeiten anknüpfen.

Vielen weiteren Österreichern blieben große Titel in Deutschland verwehrt. So durfte sich Kurt Jara 2003 zwar über den Ligapokal-Sieg freuen, nur wenige Monate später wurde er jedoch – wie 2005 auch beim 1. FC Kaiserslautern – aufgrund schlechter Ergebnisse entlassen.

Krankl konnte die Fortuna nicht retten

Krankls Abstieg mit Fortuna Köln

Ein ähnliches Schicksal erlitten auch Josef Hickersberger, der 1991/92 bei Fortuna Düsseldorf entlassen wurde, und Hans Krankl, dessen Engagement beim damaligen Zweitligisten Fortuna Köln 2000 mit dem Abstieg endete.

In die Kategorie „Nicht Fisch und nicht Fleisch“ fallen die Aufenthalte zweier weiterer Ex-Teamchefs. Helmut Senekowitsch landete mit Eintracht Frankfurt (1. Liga) 1982/83 auf Rang zehn, Didi Constantini erreichte mit Mainz 05 1997/98 denselben Platz eine Klasse darunter.

Zuletzt gelangen Ralph Hasenhüttl beachtliche Erfolge. Der 45-jährige Steirer führte den VfR Aalen in die zweithöchste Spielklasse und etablierte diesen trotz eines geringen Budgets im Mittelfeld. Da er glaubt, mit dem Klub „alle Ziele erreicht“ zu haben, verließ er ihn allerdings vor rund einer Woche.

Stöger nicht der einzige "Ösi"-Trainer

Einziger österreichischer Trainer im deutschen Zweitliga-Fußball ist Stöger damit allerdings nicht, gelang Peter Pacult doch der Klassenerhalt mit Dynamo Dresden.

Während der 53-Jährige die Erwartungen für die neue Saison zu dämpfen versucht („Wenn man es gerade so über die Relegation geschafft hat, sollt man sich nicht hinstellen und glauben, höhere Ziele als den Klassenerhalt anpeilen zu können.“), zählt der 1. FC Köln zu den Aufstiegskandidaten.

„Der FC gehört für mich zu den großen Vereinen in Deutschland und sollte einen Stammplatz in der Bundesliga haben“, so Stöger. „Dieser Verein hat – getragen von seinen tollen Fans – ein riesiges Potenzial, und ich werde nun versuchen, dieses Potenzial auch entsprechend abzurufen.“

 

Christoph Nister

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