In Bochum scheint's zu passen

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Vertrauen kann viel bewirken. Zumindest im Fall von Michael Gregoritsch scheint es so.

Nach einer eher durchwachsenen Saison beim FC St. Pauli sucht der Steirer in dieser Spielzeit in Bochum nach Spielpraxis, um sich für die TSG Hoffenheim zu empfehlen, bei der Gregoritsch noch bis 2016 unter Vertrag steht.

Vielleicht bleibt er ja aber auch beim Revier-Klub, der eine Kaufoption auf den 20-Jährigen besitzt. Immerhin fühlt er sich aktuell pudelwohl.

Und das trotz oder gerade wegen seiner neuen Rolle. Unikat Peter Neururer stellte den 1,93 Meter großen Stürmer zu Saisonbeginn in seinem 4-4-2 auf den Flügel - der Erfolg gibt ihm bislang recht.

Warum Gregroritsch in Bochum "Franzl" heißt, was er an seiner neuen Positon schätzt und warum er bei den "Kiezkickern" nicht richtig glücklich wurde, erzählt der U21-Teamspieler im LAOLA1-Interview.

LAOLA1: Michael, du musstest beim 5:1-Sieg in Aue nach starker Leistung verletzt ausgewechselt werden. Daher vorab, wie steht es um deine Fitness?

Michael Gregoritsch: Ich bin wieder fit und konnte schon wieder ganz normal mit der Mannschaft trainieren.

LAOLA1: Einem Einsatz am Samstag steht also nichts im Wege. Wie groß ist die Vorfreude auf das Spiel gegen Stuttgart? Der Pokal hat in Deutschland ja einen weitaus höheren Stellenwert als der Cup in Österreich.

Gregoritsch: Die Vorfreude ist riesig. Wir haben jetzt schon ein ausverkauftes Haus, allein daran sieht man, wie hoch der Stellenwert ist. Ich freue mich natürlich auch, weil bei Stuttgart drei Österreicher (Harnik, Klein, Holzhauser, Anm.) mit dabei sind, die ich alle sehr gut kenne. 

LAOLA1: Du bist uns eigentlich als zentraler Stürmer in Erinnerung. Nun kommst du unter Peter Neururer auf dem Flügel zum Einsatz. Hat er da neue Qualitäten bei dir entdeckt?

Gregoritsch: Anscheinend ja. Er hat mir die neue Position in der Vorbereitung langsam angelernt, erst als Außenstürmer in einem 4-3-3 und dann hat er mich auf die Außenposition im Mittelfeld gestellt. In zwei Testspielen vor dem Saisonstart hat das gut gepasst und ich bin froh, dass es jetzt zum Meisterschaftsbeginn genauso gut funktioniert hat.

LAOLA1: Es hat sogar richtig gut funktioniert, mit zwei Assist in Aue, vor allem das zweite Tor hast du mit einer butterweichen Flanke herrlich vorbereitet. Es wirkt, als würdest du dich auch auf dieser Position wohlfühlen.

Gregoritsch: Auf jeden Fall. Ich habe viel mehr Freiräume, habe nicht ständig einen Gegenspieler im Rücken und kann die Bälle ruhiger annehmen, als wenn ich in der Spitze spiele. Jetzt stehe ich meistens mit dem Gesicht zum Tor, kann Pässe in die Tiefe spielen oder selbst abschließen. Ich habe einfach mehr Möglichkeiten, wenn nicht jedes Mal ein Innenverteidiger hinter mir steht, der mir auf die Fersen tritt. Ich fühle mich in der Spitze sehr wohl, aber es macht auf der linken Position genauso viel Spaß.

LAOLA1: Deine Zukunft liegt dann aber vielleicht doch im Sturmzentrum, immerhin bezeichnest du Robert Lewandowski und Zlatan Ibrahimovic als deine Vorbilder. Was fasziniert dich an diesen Spielern besonders?

Gregoritsch: Die Dynamik, über die die beiden verfügen, wie sie die Bälle sichern und ihre Abschlussstärke sind große Weltklasse, davon schaut man sich vieles ab. Man sieht auch, vor allem bei Lewandowski, dass er oft gar keine schwierigen Dinge macht, sondern das Einfache.

Neururer schenkt "Franzl" das Vertrauen

LAOLA1: Peter Neururer ist einer der Kult-Trainer im deutschen Fußball. Wie würdest du nach den ersten Wochen seine Arbeit beschreiben? Er gehört ja nicht nur optisch einer mittlerweile beinahe ausgestorbenen Trainergeneration an?

Gregoritsch (lacht): Auf das Optische schaue ich ja nicht, das ist mir egal, wie der Trainer da draußen aussieht. Aber er gibt einem jungen Spieler wie mir sehr viel Vertrauen, redet viel mit mir, gibt mir immer wieder Tipps und Anweisungen, was ich besser machen kann. Das ist glaube ich sehr, sehr wichtig in meiner Entwicklung mit jetzt 20 Jahren, dass man immer wieder weiß, wie weit man ist. Vor allem ist es überragend für mich, dass er mir so ein Vertrauen entgegen bringt, dass ich die ersten beiden Partien von Beginn an spiele und gleich ein großer Bestandteil der Mannschaft bin. Deswegen bin ich sehr, sehr zufrieden und glücklich, dass ich bei diesem Verein bin und bei diesem Trainer.

LAOLA1: Man munkelt, dass er dich Franzl ruft. Was hat es damit auf sich?

Gregoritsch: Unser Physiotherapeut hat eigentlich damit angefangen und dann hat es sich in der Mannschaft eingebürgert, dass ich der Franzl Geregoritsch bin. Er war lange bei Dortmund, auch als Wolfgang Feiersinger dort spielte und schon den hat er Franzl genannt. Ich glaube bislang hat er jeden Österreicher Franzl gerufen. Da dürfte es sich um eine Anspielung auf Kaiser Franz Joseph handeln. Naja, aber ich bin ganz zufrieden mit dem Spitznamen.

LAOLA1: Der VfL ist einer der großen Herzensvereine von Peter Neururer, er hatte große Erfolge mit dem Klub. Merkt man seine besondere Verbindung zum VfL?

Gregoritsch: Es ist nicht schlecht, dass viele Augen auf den Trainer gerichtet sind und die Mannschaft in Ruhe arbeiten kann. Der Trainer stellt sich immer vor die Mannschaft, kritisiert uns aber genauso. Auch in Aue meinte er, dass nicht alles perfekt war. So hat er uns gleich wieder auf den Boden zurückgeholt, damit wir nicht zu fliegen anfangen nach einem 5:1 auswärts.

LAOLA1: Haben die Fans nach diesem Kantersieg eigentlich wieder eine seiner berühmten Tanzeinlagen gefordert?

Gregortisch (lacht): Nein, das gibt es eigentlich ja nicht mehr von ihm. Aber wenn uns zuhause vor vollem Haus gegen Stuttgart eine Überraschung gelingt und wir den Aufstieg in die nächste Runde schaffen, können wir ihn ja vielleicht überreden.

LAOLA1: Du warst bereits in der letzten Saison in die 2. Bundesliga verliehen, hast bei St. Pauli aber nicht die Einsatzzeiten bekommen, die du dir wahrscheinlich erhofft hast. Wo siehst du rückblickend die Gründe dafür?

Gregoritsch: Das ist schwierig zu sagen. Ich habe, glaube ich, eine gute Vorbereitung gespielt, vor allem im Winter. Trotzdem war ich beim ersten Punktspiel aber nicht im Kader. Im Nachhinein gesehen hatte ich nicht das hundertprozentige Vertrauen. Ich war mir nie wirklich sicher, es gab immer den Druck, wenn du nicht gut spielst, bist du beim nächsten Mal wieder draußen. Ich war aber auch draußen, wenn es eigentlich gut gelaufen ist. Zum Beispiel habe ich in Aue getroffen und war im nächsten Spiel wieder auf der Bank. Es waren für mich nicht immer erklärliche Gründe, aber ich habe jetzt absolut abgeschlossen damit und bin froh, in Bochum zu sein und die Zeit hier genießen zu können, wo ich von Anfang an spiele und fester Bestandteil bin.

LAOLA1: Du stehst seit 2011 bei Hoffenheim unter Vertrag, hast bislang aber noch kein Spiel in der ersten Mannschaft absolviert. Was hat man dir von Seiten der TSG in diesem Sommer gesagt, wie sie in Zukunft mit dir planen?

Gregoritsch: Sie sind auf jeden Fall zufrieden mit der Entwicklung und damit, dass ich trotzdem 15 Zweitligaspiele gemacht habe. Sie haben gemeint, sie wollen mich jetzt nicht auf die Bank oder die Tribüne setzen, dafür bin ich ihnen doch zu gut. Daher bin ich auch froh, dass sich so leicht ein Klub für eine weitere Leihe gefunden hat, wo ich jetzt auch Spielpraxis bekomme. Man muss den Saisonverlauf abwarten, es wird bestimmt auch schlechtere Phasen als die aktuelle geben, aber da heißt es dann eben noch mehr Gas geben, um da wieder herauszufinden. Im nächsten Sommer muss man sich dann anschauen, wie es mit Hoffenheim und mir weitergeht.

LAOLA1: Du hast nun schon das Vergnügen gehabt, den beschaulichen Kraichgau, die Metropole Hamburg und den Ruhrpott, von dem man sagt, dass hier das Herz des deutschen Fußballs schlägt, kennenzulernen. Wo fühlst du dich persönlich am wohlsten?

Gregoritsch: Ich war jetzt fünf Wochen im Hotel, bin erst seit acht Tagen in meiner Wohnung, deswegen kann ich zum Ruhrpott noch nicht viel sagen. Aber auf jeden Fall sind die Menschen hier sehr offen und ehrlich und das ist schon einmal gut. Die Medienpräsenz ist hier nicht so hoch wie etwa in Hamburg, was für einen jungen Spieler sicher kein Nachteil ist. Aber wohlgefühlt habe ich mich bisher in jeder Stadt. Hier erinnert es mich ein wenig an meine Zeit in Kapfenberg, weil es ein bisschen kleiner ist als alles andere. Aber es gibt ja genügend Großstädte hier im Umkreis, falls ich einmal Sehnsucht nach soetwas bekommen sollte.

 

Das Gespräch führte Christoph Kristandl

Verein

Spiele

Tore

Kapfenberger SV

49

4

TSG Hoffenheim II

28

11

FC St. Pauli

16

1

FC St. Pauli II

5

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