"Na bravo, das kann was werden"

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Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. Eine abgedroschene Phrase, aber auch die Wahrheit.

Das Beispiel Kevin Wimmer verdeutlicht das einmal mehr. Vor einem Jahr, am 29. Juli 2011, rutschte der Innenverteidiger beim LASK-Gastspiel in der Ersten Liga gegen die Vienna erstmals in die Startelf.

Ein Jahr später spielt der 19-Jährige für den 1. FC Köln in der zweiten deutschen Bundesliga und wirkte am vergangenen Sonntag vor mehr als 30.000 Zuschauern beim Abschiedsspiel der FC-Ikone Lukas Podolski gegen dessen neuen Verein Arsenal mit.

„Es ist relativ schwer, das zu realisieren“, gibt der Oberösterreicher unumwunden zu.

Kein Wunder, ging doch alles sehr schnell. Vergangene Saison kämpfte der U21-Nationalspieler mit dem LASK noch gegen WAC/St. Andrä und Altach in Österreichs zweiter Liga um den Aufstieg.

Beim Kultklub mit Kulttrainer

Als Newcomer schrieb sich der Linksfuß, der im Nachwuchs noch seinen Offensivdrang im zentralen Mittelfeld auslebte, dabei auf diverse Notizblätter mehrerer Klubs.

Salzburg und Austria sollen am Shootingstar dran gewesen sein, das Rennen hat dann der FC gemacht, der sich seit Jahresbeginn um seine Dienste bemühte und am Ende kolportierte 300.000 Euro Ausbildungsentschädigung an den nunmehrigen Regionalligisten aus Linz überwies.

Gemeinsam mit Landsmann Daniel Royer, der leihweise von Hannover 96 kam, ist Wimmer nun ein Teil des Österreicher-Duos beim Kultklub mit dem bei St. Pauli zum Kulttrainer gewordenen Holger Stanislawksi.

Der Sohn von LASK-Tormann-Trainer Wolfgang, der heuer die Reifeprüfung in Linz ablegte, unterschrieb beim Bundesliga-Absteiger bis 2016.

Im LAOLA1-Interview spricht Wimmer über den Traum, den er aktuell lebt, seine verschiedenen Rollen beim dreifachen deutschen Meister und den für ihn persönlichen positiven Saisonstart.

LAOLA1: Kannst du realisieren, was binnen eines Jahres passiert ist?

Kevin Wimmer: (lacht) Es ist relativ schwer. Es ist alles so schnell gegangen, auch dass ich hier gleich die ersten beiden Partien von Beginn an spiele. Das hatte ich mir nicht unbedingt erwartet. Auch von den Zuschauern ist natürlich sehr viel anders. Die Fans in Köln sind unglaublich, alleine beim Training sind oft bis zu 500 Leute da. Aber ich hatte bis dato nie Probleme mit Nervosität. Ich habe nie das Gefühl, dass ich Angst haben müsste. Bis ich alles realisieren werde, wird es aber sicher noch dauern.

Österreich-Duo beim FC: Wimmer und Daniel Royer

LAOLA1: Mit dem du rechnen durftest?

Wimmer: Ich habe es mir nicht so vorgestellt. Ich dachte, ich würde nach dem Jahr beim LASK erst einmal ein Jahr Bundesliga in Österreich spielen. Hinsichtlich Köln habe ich mir das aber sehr genau überlegt. Wir haben uns angesehen, welche Spieler geholt wurden, welche Abgänge es gab und gemeinsam mit meinem Manager haben wir dann Einschätzungen gemacht, wie meine Chancen auf Einsätze stehen. Wir sind dann zum Ergebnis gekommen, dass ich relativ gute Chancen hätte. Und das Risiko, auf der Bank zu sitzen, gibt es überall. Die Möglichkeit, im Ausland in Deutschland zu spielen, bekommt man nicht so schnell. Ich habe mir dann gesagt, dass ich den Schritt machen und mich durchbeißen will.

LAOLA1: Inwiefern kam es für dich nicht überraschend, dass du in der Saison bislang immer in der Startelf gestanden bist?

Wimmer: Ich habe in jedem Testspiel von Anfang an gespielt, habe gute Leistungen gebracht und der Trainer hat mir in Einzelgesprächen auch immer wieder gesagt, wie viel er von mir hält. Vor Saisonstart hatte ich dann schon ein ganz gutes Gefühl, zu hundert Prozent war ich mir dann aber auch nicht sicher, weil ich doch jung und unerfahren bin. Insgeheim habe ich schon ein wenig damit gerechnet.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du bislang mit deinen Leistungen?

Wimmer: Es waren solide Leistungen, nichts Gravierendes dabei, eher unauffällig. In Braunschweig waren wir feldüberlegen, haben aber ein dummes Tor kassiert. Da habe ich okay gespielt. Jetzt im Heimspiel habe ich schon so gespielt, wie ich mir das vorstelle, vor allem von den Zweikämpfen her. Ich bin ganz zufrieden, für den Start war es ganz okay.

LAOLA1: Wir haben dich in Österreich als technisch beschlagenen Innenverteidiger kennengelernt. Was erwartet Holger Stanislawski von dir abseits der klassischen Defensiv-Aufgaben?

Wimmer: Er erwartet sich, dass ich in der Spieleröffnung oft die Diagonalbälle probiere. Das hat im Heimspiel gegen Sandhausen schon einmal sehr gut funktioniert. Im Spielaufbau habe ich auch viele Ballkontakte, ich habe auch immer zwei Sechser als Anspielstation.

LAOLA1: Wie auch schon beim LASK wurdest du nun im Arsenal-Test als Linksverteidiger eingesetzt. Mehr als ein Experiment?

Wimmer: Der Trainer hat mich auch schon zwei Mal in der Vorbereitung auf der Außenbahn spielen lassen. Er meinte, dass ich hierfür auch in Frage komme. Gegen Arsenal wollte er mich auch wieder außen sehen und dass ich mich viel nach vorne einschalte. Die Außenverteidiger stehen bei uns im Spielaufbau relativ hoch. Mir taugt es, wenn ich mich viel nach vorne einschalten kann, da ich hier auch Qualitäten habe. Ich kann mit beiden Positionen gut leben. Ich spiele dort, wo mich der Trainer einsetzt.

LAOLA1: Holger Stanislawski gehört zu den Kultpersonen im deutschen Fußball. Wie ist er als Trainer?

Wimmer: Er ist im Training immer gut gelaunt, macht immer Späße. Er ist ein Kumpeltyp, mit dem man über alles reden kann. Auf der anderen Seite weiß er auch, wann es die Ernsthaftigkeit braucht. Ich bin beeindruckt von ihm.

LAOLA1: Wie sehr verfolgst du den LASK in der Regionalliga?

Wimmer: Sehr, auch weil mein Vater weiterhin Tormann-Trainer ist. Da bin ich immer informiert und verfolge ihn auch selbst, soweit das möglich ist. Ich hoffe natürlich, dass sie gleich wieder aufsteigen.

 

Das Gespräch führte Bernhard Kastler

LAOLA1: Vergangene Saison ging es gegen Hartberg und FC Lustenau, vergangenen Sonntag gegen Arsenal.

Wimmer: Das war ein besonderes Gefühl. Du kennst solche Leute ja nur aus dem Fernsehen, wenn sie Champions League spielen. Ich habe auf meiner Seite gegen Theo Walcott gespielt, der seit Jahren ein Vorbild von mir ist. Ich habe es mir im Vorhinein schlimmer vorgestellt, als es dann wirklich war. Aber es war auch nur ein Testspiel, das viel Spaß gemacht hat. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn du solche Spieler vor dir hast.

LAOLA1: Hand aufs Herz: Wie nervös warst du?

Wimmer: Wie ich in der Kabine hörte, dass ich gegen Walcott spielen werde, habe ich mir schon gedacht: Na bravo, das kann was werden. Ich habe aber einfach versucht, meine Stärken auszuspielen. Es hat mir sicher auch geholfen, dass es ein Freundschaftsspiel war und nicht 100 Prozent gegangen wurde. Phasenweise hat man aber bei Arsenal Tempofußball schon gesehen, dass das eine andere Liga ist. In die Zweikämpfe zu kommen, ist dann sehr schwer, weil sie mit zwei Kontakten spielen und sich sehr schnell bewegen. Da kommt man nie zur Ruhe. Es war eine super Erfahrung und in solchen Spielen sieht man wieder, wo man steht und wie viel Luft noch nach oben ist.

LAOLA1: Die Welt ist wiederum eine kleine: Bei deinem Köln-Debüt erzielte ausgerechnet Orhan Ademi für Braunschweig das Siegestor. Der spielte vergangene Saison noch in Altach gegen dich.

Wimmer: Das stimmt. Es ist auch unumstritten, dass in Österreich viele Talente herumlaufen. Oft fehlt wohl auch einmal, dass sie den Sprung nach Deutschland oder ähnliche Länder wagen. Ich denke, es gibt genügend, die hier ihren Weg machen könnten. So sehe ich es zumindest.

LAOLA1: Wie hat sich der Wechsel zu Köln entwickelt?

Wimmer: Vor dem Rückrundenstart in der Ersten Liga gegen Altach habe ich erstmals erfahren, dass Scouts von Köln da sind. Mein Manager (Jürgen Werner, Anm.) hat mir dann immer wieder gesagt, dass sie mich weiter beobachten. Der Kontakt ist nie abgerissen, aber es ist auch nie wirklich konkret geworden. Beim U21-Länderspiel gegen Luxemburg ist dann Holger Stanislawski persönlich gekommen und in diesem Spiel ist es für mich gut gelaufen. Er hat mich auch dann nach Köln eingeladen. Da habe ich mir dann alles einmal angeschaut, neben dem Trainer mit Herrn Schaefer und Herrn Jakobs (sportliche Leiter, Anm.)  gesprochen. Im Stadion habe ich einen guten Einblick bekommen, auch über das ganze Rundherum. Man gab mir eine Woche Bedenkzeit, aber für mich war es klar, dass ich diesen Schritt machen muss. So eine Chance kommtnicht so schnell wieder. Ich war sicher, dass ich diese auch nutzen werde. Nach sieben Wochen kann ich sagen, dass es der richtige Schritt war.

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