Österreichischer geht's nimmer

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Die Exklave Ingolstadt

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Rot und Schwarz sind die Vereinsfarben des FC Ingolstadt, aber gefühlt weht auch eine rot-weiß-rote Fahne über dem Audi Sportpark.

Die Heimstätte der Schanzer ist nämlich nicht nur bald Schauplatz für deutschen Bundesliga-Fußball, sondern auch Arbeitsplatz von gleich fünf Österreichern.

Fremdarbeiter aus dem liebsten Nachbarland sind gerade bei bayrischen Klubs sehr beliebt, einen österreichischeren Bundesliga-Verein gab es in Deutschland aber seit den Münchner 60ern der frühen Nuller-Jahre nicht mehr.

Allen voran steht Erfolgstrainer und Aufstiegsheld Ralph Hasenhüttl. Der 47-jährige Steirer arbeitete sich nach einer langen Spieler-Karriere, die er bei den Amateuren des FC Bayern ausklingen ließ, via Unterhaching und VfR Aalen bis in die 2. Bundesliga hoch.

Innerhalb von eineinhalb Jahren führte „Hasi“ Ingolstadt vom 18. Tabellenplatz aus zum Aufstieg ins deutsche Fußball-Oberhaus und das mit kräftiger rot-weiß-roter Unterstützung.

In seinem Spitzen-Team hält Ramazan Özcan den Kasten sauber und Lukas Hinterseer sorgt für die Tore. Während „Rambo“ schon seit 2011 Schanzer ist und nach einigen Auftritten für Hoffenheim seiner zweiten Bundesliga-Ära entgegenblickt, hat Hinterseer gleich in seiner ersten Saison voll eingeschlagen. Vom österreichischen Absteiger Wacker Innsbruck gekommen, traf er in der Hinrunde sieben Mal.

Beim weiblichen Geschlecht scheint der Blondschopf ohnehin sehr beliebt zu sein. „Wir waren bei der Weihnachtsfeier des FCI und haben Lukas gesehen. Ich hab' ihn für ein Foto hergeholt, meine Frau wollte natürlich auch drauf“, erzählt Adolf. „Und sie war nicht die Einzige, da habe ich mir gedacht: Der arme Kerl muss sich mit den alten Weibern ablichten lassen. Aber der hat das ganz souverän gemeistert.“ Ein Schelm, wer dabei an die Anziehungskraft denkt, die sein Onkel Hansi auf Damen im gehobenen Alter hat.

Doch nicht nur auf dem Platz wird die rot-weiß-rote Fahne hoch gehalten, auch das Mannschaftsumfeld besticht durch Know-how made in Austria.

Pressesprecher Oliver Samwald kümmert sich seit 2009 um die mediale Betreuung und verdankt seiner väterlichen Herkunft die österreichische Staatsbürgerschaft. Barbara Briegl ist seit nunmehr fast drei Jahren als Teamkoordinatorin für alles zuständig, was rund um die Profis zu organisieren ist, und ist damit ganz nah an der Mannschaft dran.

Die Teamkoordination in österreichischer Hand

„Trainingslager, Wohnungssuche, Spielberechtigungen, … das ist mein vielfältiges Aufgabengebiet“, erklärt sie. Die 29-Jährige war einst bei Red Bull Salzburg Assistentin von Dietmar Beiersdorfer und lernte dort auch Thomas Linke kennen. Als der heutige Sportdirektor des FCI jemanden für die Teamkoordination brauchte, erinnerte er sich an Briegl. „Ich habe in Salzburg zwar nicht in genau derselben Funktion gearbeitet, aber er wusste, dass ich das immer machen wollte und als die Position vakant war, hat es sich gut getroffen.“

Rot-weiß-rote Fanlieblinge

Was das Trio eint, ist nicht nur der Erfolg, sondern auch ihre große Beliebtheit unter den Ingolstädter Fans. „Audi sponsert zwar groß, aber es hat den richtigen Trainer gebraucht – einen Österreicher. Hasenhüttl ist gekommen und schon ist es bergauf gegangen", meint Adolf, FCI-Fan der ersten Stunde und als Ordner und bei jedem Heimspiel mit dabei. "Wir hatten einige gute Trainer hier, Thomas Oral zum Beispiel, der war nicht schlecht, aber der wollte sich selbst groß präsentieren und ist nicht zur Mannschaft durchgekommen. Hasenhüttl kann mit seiner Art gut mit den Jungen umgehen“, schwärmt er 50-Jährige.

Hinterseer entwickelte sich mit seinen Toren und seiner Art zum Fanliebling. Kein Wunder, dass sich viele Trikots mit der Nummer 16 rund um das Ingolstädter Stadion tummeln. „Am Anfang war er extrem stark, dann hatte er einen Durchhänger, aber jetzt kommt er wieder. Gut, dass wir ihn haben, er ist einwandfrei“, befindet Adolf. „Und Rambo ist ja auch im österreichischen Nationalteam. Die Bayern haben den deutschen Nationaltorwart, wir einen österreichischen - was will man mehr“, wählt er einen gewagten Vergleich und zeigt sich angetan von Özcans Paraden.

Hinterseer und "die alten Weiber"

Wolfgang und Martina, die sportlich zu den Spielen der Schanzer radeln, können der Zufriedenheit mit dem Österreicher-Trio nur zustimmen. „Alle drei sind sehr sympathisch und kommen bei den Fans gut an. Es hallt oft 'Hinterseer, Hinterseer, hey,hey, hey' durchs Stadion“, erzählt der Vater und seine Tochter will nicht verneinen, dass der Tiroler auch ein hübscher Bursch ist.

Die Liebe zum runden Leder war ihr sozusagen in die Wiege gelegt. „Ich bin mit dem Fußball aufgewachsen. Mein Vater hat in Niederösterreich unterklassig gespielt und war später auch Trainer, ich war im Alter von drei Wochen zum ersten Mal auf einem Fußballplatz. Irgendwann war dann klar, dass ich etwas im Fußball machen will und ich glaube, damit bin ich am nächsten dran. Trainer werde ich nicht, das steht außer Frage und deswegen ist das für mich das Meiste, was ich erreichen kann“, erklärt sie.

Früher träumte Briegl noch davon, bei einem anderen Klub eine solche Position zu bekleiden. „Ich bin immer irgendwie ein bisschen Bayern-Fan gewesen und bevor ich in den Fußball gekommen bin, war der FCB das große Ziel“, verrät sie. „Aber ich denke, ich habe es jetzt sehr gut erwischt. Ich bin schon nahe dran an München, fühle mich hier aber sehr wohl. Und nachdem es jetzt sportlich dorthin geht, wo die Bayern auch sind, passt das sehr gut. Ob da so ein großer Unterschied ist von der Tätigkeit her ist? Die internationale Bühne kommt dort halt dazu", fällt Briegl ein.

Aber wenn sich der Aufstieg des FCI so rasant fortsetzt, ist nichts auszuschließen. - "Wer weiß, wer weiß, ..."

 

Christoph Kristandl

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