Trainer-Effe-kt: "Haben einen wie ihn gebraucht"

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Zehn Wochen ist die Tochter von Niklas Hoheneder jung.

Der stolze Vater wird ihr in ein paar Jahren über eine ereignisreiche Karriere berichten können.

Über seine Anfangszeit beim LASK, den Titel mit Sparta Prag, die Schwierigkeiten bei der Wiener Austria, den Sprung in die zweite deutsche Bundesliga zu Karlsruhe, die Aufstiege mit RB Leipzig in die dritte und zweite Liga – und über die Zusammenarbeit mit einem gewissen Stefan Effenberg.

15 SMS am Handy

Eine der schillerndsten Figuren des deutschen Fußballs ist seit Mittwoch der Trainer des 29-jährigen Oberösterreichers, der wiederum seit diesem Sommer beim SC Paderborn kickt. Diese Bestellung war eine, mit der nicht zu rechnen war, zumal es für den 47-Jährigen auch die erste Station als Trainer ist.

„Ich bin am Dienstag aufgewacht und hatte rund 15 SMS am Handy. Da musste ich mich erst einmal einlesen. Am Nachmittag war es dann klar und ich dachte mir: Cool, geiler Typ“, berichtet der Linzer im Gespräch mit LAOLA1. „Er ist eine Erscheinung. Er kam in die Kabine und alle waren baff. Jeder weiß, was er auf dem Spielfeld geleistet hat und dass er ein Leader ist, vor dem du Respekt hast.“

Paderborn-Klubchef Wilfried Finke wollte so ein Alphatier für die Mannschaft, die aktuell nur den 15. Platz in der zweiten deutschen Bundesliga belegt, und bekam eines. Den „Tiger“.

Die größten Erfolge feierte Effenberg als Spieler der Bayern. Der Hamburger wurde drei Mal Meister und gewann 2001 die Champions League. Abseits des Platzes war und ist Effenberg auch in den Schlagzeilen. Etwa wegen der „Stinkefinger“-Affäre, die zu seinem vorzeitigen WM-Aus 1994 führte.

„Ich denke bei ihm ans CL-Finale 2001“

Zuletzt wurde ihm der Führerschein genommen, weil er nach einem Wiesn-Besuch mit 1,4 Promille fuhr. „Ich habe einen Riesenfehler gemacht“, zeigte sich der „Tiger“ danach zahm.

Hoheneder: „Ein Wahnsinns-Typ wie er hat sich klarerweise einen Namen gemacht, und wenn abseits des Platzes etwas passiert, wird das in der Öffentlichkeit natürlich breiter getreten als bei einem, der nicht so bekannt ist. Ich denke bei ihm aber eher an das Champions-League-Finale 2001.“

"Ja, ich bin es wirklich"

Als Aktiver wusste Effenberg, der Kreativgeist im Mittelfeld mit dem gefühlvollen rechten Fuß, zu begeistern. Er war ein emotionaler Leader und lieferte der Presse auch auf diese Weise Schlagzeilen.

„Einen Stefan Effenberg kann man nicht zerbrechen. War das klar und deutlich? (…) Da muss man aufpassen, was man sagt, was man schreibt, und wie man das rüberbringt. Weil ich bin einer, der sich das nicht gefallen lässt, Freunde der Sonne!“, ließ er nach Kritik an seiner Person 1999 gegenüber Journalisten wissen.

An diesem Mittwoch war Effenberg bei seiner Antritts-Pressekonferenz seriös.

Ein, zwei Wuchteln waren aber natürlich schon dabei. „Ich bin es wirklich“ hielt er zu Beginn fest. In Anlehnung an Jose Mourinho („The Special One“) und zuletzt Jürgen Klopp („The Normal One“) nannte er sich nun „The New One“.

„So ein Hype ist ein Wahnsinn“

Danach erstes Training mit der Mannschaft.

„Er hat sich vorgestellt und gesagt, wenn er in die Kabine schaut, sieht er Qualität. Er freut sich, mit uns zusammenzuarbeiten. Er hat alles auf den Punkt gebracht, hat früher selbst gespielt, weiß, dass er nicht lange herumreden und uns motivieren muss. Er will rausgehen und trainieren.“

Im Eye of the Tiger

Das taten die Paderborner, die neben Hoheneder zwei weitere Österreicher (Dominik Wydra und Kevin Stöger) in ihren Reihen haben, vor 500 bis 600 Fans.

Rekordkulisse beim Training des SC.

„Es hat mich überrascht, dass dann wirklich so viele hier waren. Das Wetter war nicht schön, es hat sogar geschneit und war kalt. Dass er so einen Hype auslöst, ist natürlich schon ein Wahnsinn.“

Und was darf man sich am Platz erwarten?

„Es geht ihm um Kompaktheit und ganz wichtig Kommunikation. Das hat er ja auch am Platz vorgelebt. Alle sollen Kommandos geben, nicht nur einer. Zudem ist ihm das Passspiel wichtig. Für  alles Weitere ist es noch zu früh, er hat am ersten Tag vorerst seine Kernpunkte genannt.“

„Haben einen Tritt in den Arsch gebraucht“

Hoheneder macht keinen Hehl daraus, dass es einen Typen wie Effenberg gebraucht hat.

„Die Stimmung in der Mannschaft war vorher auch gut, aber wir haben einen Tritt in den Arsch gebraucht. Uns ist es gut gegangen, aber wir haben keine Leistung erbracht. Da braucht es einen, der auch einmal dazwischen funkt. Das war vorher weniger der Fall.“

Am Freitag geht es zu Hause gegen Eintracht Braunschweig um die ersten Punkte in der neuen Ära.

Der gesamte Klub hofft auf einen Trainer-Effe-kt. Aber eigentlich ist er schon eingetreten.

„Alleine heute ist ein enormer Elan bei der Mannschaft zu sehen gewesen. Jeder will sich beweisen, vor allem, wenn einer wie er da ist. Wenn dasselbe im Spiel der Fall ist, wird jeder besser spielen.“

 

Bernhard Kastler

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