Keine Flucht trotz Sturm-Not

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"Nicht der Erste, bei dem es nicht auf Anhieb klappt"

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Wenn Sturm kommt, sollte man die Flucht ergreifen.

Dass Rene Gartler darüber nachgedacht hat, will der 29-jährige Stürmer gar nicht abstreiten.

Schlussendlich entschied sich der Wiener aber aus verschiedenen Gründen für einen Verbleib beim SV Sandhausen und gegen Sturm Graz, wo er in die Fußstapfen von Marco Djuricin hätte treten können.

Das erste halbe Jahr beim deutschen Zweitligisten war von Höhen und Tiefen geprägt, auch Gartler selbst hatte sich beim Start seines ersten Auslandsabenteuers mehr erwartet.

Der Verein wollte ihn aber nicht sofort wieder ziehen lassen, nach einem klärenden Gespräch soll nun alles besser werden.

Im LAOLA1-Interview nimmt Gartler zu den Lockrufen aus Österreich Stellung, nimmt sich selbst in die Pflicht und verrät, was ihn für die Rückrunde positiv stimmt.

LAOLA1: Mit dem Trainingslager in Lara geht die Vorbereitung in die entscheidende Phase. Fühlst du dich bereit für die Rückrunde?

Rene Gartler: Ich fühle mich gut und habe bis jetzt alles mitmachen können. Wir haben zwar aktuell leider einige Verletzte, aber die werden auch wieder zurückkommen. Im Moment läuft alles nach Plan, es dauert auch nicht mehr lange. Noch drei Spiele, dann geht es schon wieder los.

LAOLA1: Wie groß ist dein Ehrgeiz, die doch eher überschaubare Bilanz des Herbstes in der Rückrunde zu übertreffen?

Gartler: Ich hätte es mir natürlich auch anders vorgestellt und habe mir mehr erwartet. Das ärgert mich schon ein bisschen. Ich kann jetzt nur probieren, eine gute Vorbereitung zu absolvieren und meine Leistungen dann auch in der Meisterschaft zu bringen. Dann bin ich guter Dinge.

LAOLA1: Wie zufrieden bist du prinzipiell mit deinem ersten halben Jahr im Ausland? Es war für dich ja doch ein Schritt ins Ungewisse.

Gartler: Natürlich ist es etwas Neues, meine erste Auslandsstation. Ich war nicht ganz zufrieden, auch wenn die Leistungen meistens doch in Ordnung waren. Aber es haben einfach die nötigen Tore gefehlt. Teilweise fehlte das Glück, teilweise habe ich die eine oder andere Chance einfach liegengelassen. Aber das ist jetzt Vergangenheit, damit beschäftige ich mich nicht mehr. Ich blicke einfach zuversichtlich auf die zweite Saisonhälfte und bin guter Dinge, dass es dann passen wird.

LAOLA1: Anfangs gesetzt, dann immer weniger Einsätze, schlussendlich auf der Bank. Hast du Erklärungen dafür? Hast du dir selbst etwas vorzuwerfen?

Gartler: Ich bin eigentlich gut in die Saison gestartet, habe in den ersten vier Spielen ein Tor gemacht, einmal die Latte getroffen, zwei Mal hat der Torwart top pariert. Da hat das Quäntchen Glück gefehlt, um vielleicht ein anderes Standing beim Trainer zu haben. Nach vier Runden wurde dann etwas verändert, da hat es mich erwischt. Es ist dann hin und her gegangen. Das versuche ich jetzt zu ändern, Stammkraft zu werden und der Mannschaft zu helfen.

Gartler will sich in der Rückrunde noch mehr ins Zeug legen

LAOLA1: In 15 Einsätzen hast du nur einmal getroffen. Inwieweit gelten da die Veränderung und die neue Liga als Gründe, weshalb du noch nicht Fuß gefasst hast?

Gartler: Von der Liga her ist jetzt gar nicht so ein großer Unterschied, deshalb ist das kein Vorwand. Es ist hier halt einfach so, dass in den meisten Spielen die Defensive schon im Vordergrund steht. Wir probieren oft zu reagieren als zu agieren. Ich glaube aber, dass wir jetzt den nächsten Schritt machen und mehr selbst erzwingen wollen. Das kommt dann auch mir als Stürmer zugute. Dann wird auch das eine oder andere Tor mehr auf meinem Konto landen.

LAOLA1: Inwieweit waren die Erwartungen in Sandhausen vielleicht sogar größer als davor in Österreich?

Gartler: Die Erwartungen waren im zweiten Jahr in Ried genauso da. Ich glaube nicht, dass das ein Problem war. Das hat mich nicht gehemmt. Es gibt als Stürmer einfach solche Phasen, wo der Ball nicht reingeht. Ein anderes Mal weiß man dafür gar nicht, warum er reingegangen ist. Deshalb bleibe ich aber trotzdem zuversichtlich.

LAOLA1: In Österreich hat man es zumindest so mitbekommen, dass du von deinem Verein als Top-Transfer und Star-Stürmer angepriesen wurdest.

Gartler: Das war ja auch so, das kann man auch nicht abstreiten. Die Erwartungshaltung war schon hoch, aber davor hat auch jeder von mir erwartet, dass ich Tore mache. Da hat es auch funktioniert. Es war sicher nicht der Grund, dass nur ein Tor herausgeschaut hat.

LAOLA1: Wie konkret waren trotzdem deine Überlegungen, das Ausland nach nur einem halben Jahr schon wieder aufzugeben?

Gartler: In den letzten vier Spielen bin ich nur mehr auf der Bank gesessen, nur einmal reingekommen. Natürlich überlegt man als Profi-Sportler in meinem Alter schon, etwas zu verändern, weil es nicht mein Anspruch ist, 90 Minuten auf der Bank zu sitzen. Es hat dann aber ein klärendes Gespräch mit dem Verein gegeben, das mich sehr zuversichtlich stimmt, dass es in eine positive Richtung geht.

LAOLA1: Wohlwissend, dass das Kapitel Ausland bei einer jetzigen Rückkehr wohl für immer geschlossen werden könnte?

Gartler: Auf jeden Fall. Es war mir aber schon vor dem Transfer klar, dass es jetzt der letzte Zeitpunkt ist, um diesen Schritt zu machen. Schlussendlich ist es jetzt aber so, dass ich mich in der Vorbereitung voll reinhänge. Ich bin auch nicht der erste Spieler, wo es vielleicht nicht auf Anhieb perfekt funktioniert hat. Ich mache mir keine Gedanken darüber. Ich bin bis jetzt sehr zufrieden, habe in den Tests schon meine Tore gemacht und hoffe, dass ich verletzungsfrei bleibe. Mit guten Leistungen werden auch die nötigen Tore kommen.

LAOLA1: Sturm Graz soll sehr interessiert gewesen sein. Wie konkret war das wirklich und wäre das für dich überhaupt vorstellbar gewesen?

Gartler: Es hat schon Kontakt gegeben. Ich habe mir meine Gedanken gemacht, bevor es das Gespräch mit Sandhausen gab und ich zum Schluss kam, dass ich hier noch mal richtig angreifen will. Der Verein steht komplett hinter mir und wollte mich auch nicht gehen lassen. Somit ist das Thema relativ rasch wieder beendet worden.

LAOLA1: Das war allerdings zum Zeitpunkt, als die durch den Abgang von Marco Djuricin entstandene Lücke mit dir gefüllt werden sollte. Oder gab es auch andere Möglichkeiten?

Gartler: Ja, natürlich. Es hat schon Kontakte gegeben, aber richtig konkret war es nur nach dem Wechsel von Djuricin. Da hat Sturm schon sehr intensiv gesucht. Für Sandhausen war der Transfer aber kein Thema, damit war das alles vom Tisch.

LAOLA1: Sportchef Schork wurde daraufhin zitiert: "Rene genießt in Österreich hohe Wertschätzung. Ein Wechsel ist kein Thema." Das spricht wieder für dich und dass du in den Plänen weiterhin eine Rolle spielst.

Gartler: Das ist natürlich ein gutes Zeichen für einen Spieler. Es war wichtig, dass es dieses Gespräch gegeben hat. Damit ist eh alles gesagt: Der Verein steht hinter mir, sonst hätten sie mich auch gehen lassen. Das ist dann auch ein Beweis, dass noch auf einen gebaut wird.

LAOLA1: Dein Vertrag läuft noch bis 2017. Wie richtungsweisend könnte dieses halbe Jahr in Bezug auf deine Zukunft werden?

Gartler: Jedes halbe Jahr ist richtungsweisend, es entscheidet sich jetzt noch nichts. Aber es ist ein langfristiges Projekt, deshalb werde ich jetzt nicht nach einem halben Jahr den Kopf in den Sand stecken. Ich blicke positiv in die Zukunft.

LAOLA1: Sportlich wird es für Sandhausen aber aller Voraussicht nach bis zum Schluss ein Kampf gegen den Abstieg werden.

Gartler: Das kann man so sagen. Wir sind jetzt 14., es ist alles sehr eng beisammen. Wichtig wäre es, mit einem Dreier gegen St. Pauli zu starten. Aber es wird sicher bis zum Schluss sehr spannend bleiben, da werden einige Mannschaften dabei sein.

LAOLA1: Sind Sandhausen und Umgebung für dich abseits des Sportlichen lebenswert und zu einer neuen Heimat geworden?

Gartler: Nicht nur ich, auch die Familie fühlt sich sehr wohl. Wir wohnen zehn Minuten von Sandhausen weg. Das passt alles, eigentlich ist es optimal.

LAOLA1: Erleichtert es auch mit Stefan Kulovits einen langjährigen Weggefährten in der Mannschaft zu haben?

Gartler: Auf jeden Fall. Er ist mittlerweile Kapitän, hat sich dort einen Namen gemacht, genießt sehr viel Vertrauen und hat sich ein gutes Standing im Verein erarbeitet. Er hat mir die Anfangszeit erleichtert und wir haben auch privat sehr viel Kontakt. Unsere Kinder gehen auch in den gleichen Kindergarten. Das macht einiges leichter, weil ich ihn schon sehr lange kenne.


Das Gespräch führte Alexander Karper

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