Auf- und Abstiegskampf in der Österreicher-Liga

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Eine Woche nach dem Oberhaus startet auch die 2. deutsche Bundesliga in das Frühjar.

Mit 19 ÖFB-Kickern stehen so viele Österreicher wie nie zuvor bei den 18 Klubs unter Vertrag. Zudem schickt sich Ralph Hasenhüttel an, mit Tabellenführer Ingolstadt in die Bundesliga aufzusteigen und damit in die Fußstapfen von Peter Stöger zu treten, der den 1. FC Köln im Vorjahr zum Meistertitel führte.

Auch aus rot-weiß-roter Sicht ist die 2. deutsche Bundesliga also erneut höchst interessant. Grund genug, einen Blick auf vier brennende Fragen zu werfen, die sich an den kommenden 15 Spieltagen stellen:

Hält Ingolstadt durch?

Mit sieben Punkten Vorsprung führt der FC Ingolstadt die Tabelle nach 19 Spieltagen an. Vieles spricht dafür, dass der erst 2004 aus einer Fusion entstandene Verein 2015/16 in der Bundesliga spielt. Im Herbst gab es kaum ein Wackler, nur eine Niederlage mussten die "Schanzer" hinnehmen. Die Truppe von Coach Ralph Hasenhüttel agiert in dieser Saison abgeklärt und routiniert - bezeichnend für die Arbeit des Steirers, der den FCI vor 15 Monaten als Tabellenschlusslicht übernommen hatte.

"Herr Hasenhüttl ist ein super Trainer. Er hat aus uns eine Mannschaft geformt, die Großes erreichen kann. Mit ihm zu arbeiten macht viel Spaß und er war auch ein ganz entscheidender Faktor, dass ich meinen Vertrag beim FCI verlängert habe", streut Pascal Groß, mit fünf Toren und zehn Assists Liga-Topscorer sowie Denker und Lenker im Ingolstädter Team, dem 47-Jährigen bei "bundesliga.de" Rosen.

"Der große Unterschied zum Vorjahr ist: Du hast nicht viele Schwächen, die du ausmerzen musst, sondern du versuchst, die Stärken hervorzuheben", erklärt Hasenhüttl selbst gegenüber dem "Nordkurier" und auch für die vielen engen Spiele, die zugunsten der Oberbayern ausgingen, kennt er den Grund: "Bei uns haben sich Typen mit einem unglaublichen Siegeswillen herauskristallisiert, und zwar nicht einer, sondern gleich mehrere."

Kann Ingolstadt diese Qualität auch im Frühjahr an den Tag legen, dürfte sich die Frage, ob Hasenhüttls Arbeit bundesligatauglich ist, schon bald erledigen. "Ich denke, ich werde das irgendwann einmal erfahren", ist der potenzielle Aufstiegstrainer jedenfalls zuversichtlich.

Erfüllt Leipzig die Erwartungen?

RasenBallsport Leipzig liegt zwar nur auf Rang sieben, bei vier Punkten Rückstand auf Platz zwei ist in puncto Aufstieg aber noch alles drinnen. Die Voraussetzungen hat man in der Winterpause zumindest personell geschaffen. Während RB mit nur 12 Gegentoren defensiv bereits Liga-Spitze war, überzeugte die Offensive (22 Tore) nicht restlos. Folgerichtig holte sich Sportdirektor Ralf Rangnick mit Emil Forsberg, Omer Damari und Yordy Reina eine komplette Sturmreihe nach Leipzig. Der eigentliche Kapitän Daniel Frahn ist da bei fittem Kader nur noch Nummer sechs im Sturm, hinter dem gesetzten Yussuf Poulsen (8 Tore), Terrence Boyd, der sich nach seinem Kreuzbandriss zurückkämpft, und Ante Rebic. Qualität im Überfluss also, die wohl den kompletten Rest der Liga neidisch nach Sachsen schauen lässt. Nur zum Vergleich: Von den gesamten Winter-Transfer-Ausgaben der 2. Bundesliga von rund 12,5 Millionen Euro entfallen über zehn Millionen auf RBL - und das, obwohl man Reyna und Rodnei kostenlos aus Salzburg zugeschanzt bekommen hat.

Leipzig will, nach nur einem Sieg aus den letzten fünf BL-Spielen, im Frühjahr noch einmal kräftig angreifen, denn der Aufstieg zum Top-Klub Deutschlands soll so schnell wie möglich fortgesetzt werden. Aufgrund der guten Ausgangsposition und dem Zugewinn an Qualität darf RBL als heißester Anwärter auf Platz zwei angesehen werden. Fraglich ist, wie schnell das Team in seinen Rhythmus findet. Damari ist noch verletzt und konnte die Vorbereitung nur sporadisch mitmachen, ebenso wie die spät geholten "Notlösungen" Reyna und Rodnei. Zudem möchte Coach Alexander Zorniger das System umstellen und zum 4-3-3 zurückkehren, dass bereits in der 3. Liga bestens funktionierte.

Sollte es nicht nach Wunsch laufen und der Aufstieg in die Ferne rücken, darf man auch gespannt sein, ob und wie schnell beim Werksklub Unruhe aufkommt. Mit Misserfolg und Rückschlägen musste man in Leipzig nämlich zuletzt nicht mehr umgehen, dennoch gilt das Verhältniss zwischen Rangnick und Zorniger nicht als konfliktfrei.

Die Nächsten, bitte?

Die Glanzzeiten von 1860 München und dem FC St. Pauli mögen vorbei sein, aber dort wo sich die beiden Klubs aktuell wiederfinden, gehören sie nicht hin - zumindest in der Selbstwahrnehmung. Die unzähligen falschen Personal-Entscheidungen, auf Spieler-, Manager- und Trainer-Posten, führten über die Jahre dazu, dass man um zwei der schillerndsten Zweitligisten bangen muss. Viele Klubs mit Bundesliga-Vergangenheit, wie Duisburg, Cottbus, Bielefeld oder Aachen sind in den letzten Jahren in der dritten Liga oder noch tiefer verschwunden, 60 und Pauli drohen die nächsten zu werden.

Die "Kiez-Kicker" holten sich mit Ewald Lienen kurz vor der Winterpause einen alten Haudgen an Bord, der das sinkende Schiff wieder auf Kurs bringen soll. Wo anzusetzen ist, liegt auf der Hand, denn mit 39 Gegentoren sind die Hamburger mit Abstand die Schießbude der Liga. Mit Mainz-Leihgabe Julian Koch wurde das defensive Mittelfeld stabilisiert, zudem überzeugte der Ex-Dortmunder in der Vorbereitung auch als Torschütze. Der agile polnische Flügelspieler Waldemar Sobota (Leihspieler von Brügge) sorgt ebenfalls für Zuversicht und sehr gespannt sind die St. Paulianer auch auf Armando Cooper, der von Godboy Cruz kam. Den Teamspieler aus Panama kennt Lienen schon aus seiner Zeit bei Otelul Galati und bezeichnet ihn als "polyvalenten Mittelfeldspieler".

Ricardo Moniz sprach vor dem Saisonstart vom Meistertitel und war wahrscheinlich der Einzige in München, der sich wirklich dieser Illusion hingab. Nach wenigen Spielen wurde er durch Markus von Ahlen ersetzt, der nun verbissen darum kämpft, die "Löwen" in der Klasse zu halten. Glaubt man Berichten aus München, so setzt er in der Rückrunde voll auf Defensive und hofft wohl, dass vorne Rubin Okotie weiter netzt. Der ÖFB-Kicker ist Alleinunterhalter im 60er-Sturm, erzielte 12 der 24 Saisontore, ist aber noch angeschlagen. Umso verwunderlicher, dass man auf dieser Position nicht reagierte.

Die Hoffnungen liegen neben Okotie auf dem Ex-Schalker Anthony Annan, der im Mittelfeld zum Taktgeber werden soll. Auch vom ungarischen Flügelspieler Krisztian Siman erwartet man sich einiges, während BVB-Leihgabe Jannik Bandowski eher als Ergänzung anzusehen ist. Auf der anderen Seite wurde der Kader ordentlich ausgemistet und u.a. Markus Steinhöfer, Grzegorz Wojtkowiak, Bobby Wood und Yannick Stark an den Mann gebracht. Die Abgänge sollen sich teilweise auch positiv auf das Mannschaftsklima ausgewirkt haben, von Ahlen setzt auf eine verschworene Einheit und forciert die Kommunikation.

Beide Klubs scheinen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten gezielt besser aufgestellt zu haben, das Frühjahr wird zeigen, ob das auch ausreicht. Pauli und 60 stehen dicht am Abgrund und sind gefordert, ihren nächsten Absturz zu verhindern, denn den Weg zurück in Liga zwei schafften von den namhaften Klubs zuletzt nicht viele.

Quo vadis Österreicher?

Während zahlreiche ÖFB-Kicker bei ihren Klubs Stammspieler oder gar Leistungsträger sind, müssen andere in den nächsten Monaten beweisen, dass sie das Zeug für die 2. Bundesliga haben.

Erwin Hoffer hatte bei der Düsseldorfer Fortuna richtig gute Phasen, in dieser Saison stehen bei "Jimmy" aber 'nur' drei Treffer in 14 Spielen zu Buche. Bei der starken Konkurrenz im Angriff (u.a. Benschop /10, Pohjanpalo/8) hat der 27-Jährige einen schweren Stand, muss aber liefern, um sich eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrags zu verdienen.

In Sandhausen stehen Stefan Kulovits und Marco Knaller vor einer ungewissen Zukunft. Während der 31-jährige Kapitän gute Karten auf eine Verlängerung haben sollte, könnte Keeper Knaller ein neuerlicher Vereinswechsel bevorstehen. Der 27-Jährige agierte als Ersatz für den zwischenzeitlich verletzten Manuel Riemann solide, an und für sich kommt er an der starken Nummer eins aber nicht vorbei. Rene Gartler (LAOLA1-Interview) hat zwar noch einen Kontrakt bis 2017, aber auch der Ex-Rapidler ist gefordert. Nur ein Tor bei 15 Einsätzen sind mager für einen, dessen Verpflichtung der Verein als "Meilenstein" und "Königstransfer" verkaufte. In der Vorbereitung überzeugte er immerhin als Toptorschütze.

Eine schwierige Halbsaison steht Michael Gregoritsch bevor. Nach einer bislang durchwachsenen Zeit in Deutschland schien der 20-Jährige in Bochum endlich richtig angekommen zu sein, Peter Neururer setzte voll auf den 1,93-Schlaks. Seit Gertjan Verbeek das Trainerzepter schwingt, konnte Gregoritsch aber aufgrund von muskulären Problemen noch kein Liga-Spiel bestreiten. In der Vorbereitung fiel er zudem erneut mit einem Muskelfaserriss im Oberschenkel mehrere Wochen aus. Gregoritsch muss erst wieder fit werden und sich dann in Verbeeks Mannschaft kämpfen, um weiter Spielpraxis zu sammeln, ehe seine Leihe im Somer endet und er nach Hoffenheim zurückkehrt.

In Leipzig kommt Stefan Hierländer nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Zehn Einsätze über gerade einmal 318 Minuten bekam der 24-Jährige, der noch bis 2016 Vertrag hat. Georg Teigl ist vornehmlich als Rechstverteidiger ein echter Dauerbrenner im RBL-Team, Niklas Hoheneder fiel in der Hinrunde verletzungsbedingt lange aus und bekam im Winter mit Rodnei einen weiteren Konkurrenten in der Innenverteidigung. Die Verträge des Duos laufen im Sommer aus, für alle drei Leipziger gilt aber wohl der Grundsatz, dass sich auch bei Veränderungsbedarf innerhalb der RB-Familie ein anderes Plätzchen finden wird.

Guido Burgstaller nimmt in Nürnberg einen neuen Anlauf, nachdem das Abenteuer Großbritannien nicht von Erfolg geprägt war. Drei Einsätze in der Championship, zwei im League Cup, mehr war ihm bei Cardiff City nicht vergönnt. Beim Club soll er die eigentlich stark besetzte Offensive um den Spielmacher Alessandro Schöpf aufbessern, die mit 22 Treffern noch Luft nach oben hatte. Samuel Radlinger spielt indes ein weiteres Mal keine Rolle. Die Hannover-Leihgabe kam auch beim FCN nur in der Regionallige zum Einsatz, es zeichnet sich eine weitere erfolglose Leihe ab.

Rubin Okotie wird nach dieser Saison für 1860 trotz laufendem Vertrag nicht zu halten sein. Für den Team-Stürmer geht es im Frühjahr 2015 darum, sich weiter ins Rampenlicht zu spielen und sich so eine bestmögliche Ausgansposition für einen Transfer im Sommer zu sichern.

 

Christoph Kristandl

 

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