Deutsche Gründlichkeit & Ösi-Ruf

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"Für mich war der Tapetenwechsel sehr wichtig"

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Bei der Austria im Frühjahr nicht mehr erste Wahl, jetzt beim deutschen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf im Fokus und zudem ins Nationalteam einberufen.

Für Robert Almer läuft derzeit fast alles nach Plan. Mit dem Wechsel nach Deutschland ging für den 27-jährigen Steirer ein Traum in Erfüllung, nachdem er in Österreich zu selten das Vertrauen geschenkt bekam.

Bei der Fortuna kämpft der Keeper nach drei Einsätzen in Folge um die Nummer eins, den Traditionsverein und die Stadt am Rhein hat er längst in sein Herz geschlossen.

"Die deutsche Gründlichkeit über die wir in Österreich oft lachen, ist hier definitiv gegeben", schätzt der Neo-Legionär die Professionalität im Nachbarland.

Im großen LAOLA1-Interview spricht Almer über die ersten Eindrücke beim Kultklub, die Toten Hosen, Trauzeuge Christian Fuchs und die Team-Einberufung.

LAOLA1: Als Nummer 2 in die Saison gestartet, hast du zuletzt drei Mal das Tor gehütet. Zufrieden mit der Situation?

Robert Almer: Die drei Spiele zuletzt haben im Großen und Ganzen sehr gut gepasst. Ich hoffe, dass es so weitergeht. Es war eigentlich von Haus aus ein offener Kampf. Im Prinzip bin ich aber mit körperlichen Defiziten nach Deutschland gekommen und habe die erst aufarbeiten müssen. Durch die Rot-Sperre von Ratajczak hat es sich dann so ergeben, dass ich spiele. Am Montag werden wir dann sehen, wer im Tor steht.

LAOLA1: Bist du der Meinung, du konntest deine Chance nützen?

Almer: Es hat eigentlich gepasst. Wir haben mit neun Punkten die maximale Ausbeute geholt. Es ist allgemein in Deutschland um einiges schwieriger sich zu präsentieren. Als Österreicher genießt man hier doch den „Ösi-Ruf“. Da muss man sich erst beweisen. Das dauert hier sicher ein bisschen länger als in Österreich. Alles ist um eine Hausnummer größer.

LAOLA1: Der Kampf um die Nummer 1 ist entbrannt. Wie beurteilst du die Chancen weiter im Tor zu stehen?

Almer: Ich hoffe natürlich, dass ich weiterspiele, im Endeffekt entscheidet aber der Trainer. Ich lasse mich einmal überraschen. Im Moment würde es keinen Grund geben, zu tauschen. Die letzten drei Spiele haben wir gewonnen. Ich kann die Entscheidung nur mit guten Leistungen im Training beeinflussen.

LAOLA1: Wie wurdest du von der Mannschaft aufgenommen, wie hast du dich eingelebt?

Almer: Die Mannschaft ist sehr freundschaftlich. Es sind einige neue Spieler u.a. aus Australien und Tunesien. Da war es hilfreich, dass die Mannschaft auf die Spieler zugegangen ist. Deshalb hat es mir keine Schwierigkeiten bereitet. In der Stadt habe ich mich auch schon gut eingelebt. Es ist sehr schön hier.

LAOLA1: Warst du vom Angebot aus Düsseldorf sofort überzeugt?

Almer: Auf alle Fälle. Düsseldorf ist ein Kultverein. Die deutsche zweite Liga ist von der Qualität her sehr hoch angesehen. Von daher war das für mich sofort eine super Möglichkeit zurück ins Rampenlicht zu finden.

LAOLA1: Das Ausland war ein Traum von dir. War jetzt einfach der richtige Zeitpunkt?

Almer: Auf alle Fälle. In Österreich ist das Ganze bei mir ein bisschen stagniert. Dann sind auch immer wieder kleine Verletzungen dazu gekommen. Hier habe noch keine Probleme gehabt. Ich habe mich umstellen müssen, aber es war genau der richtige Zeitpunkt.

LAOLA1: Wurdest du in Österreich vielleicht sogar unter Wert geschlagen?

Almer: Kann man so sehen. Bei der Austria war es nicht immer einfach für mich. Es hat viele Dinge gegeben, die nicht an die Öffentlichkeit gekommen sind. Ich will aber gar nicht mehr über die Vergangenheit reden. Ich hätte meinen Vertrag auch verlängern können, aber für mich war es wichtig, einen Tapetenwechsel zu machen. Das war der absolut richtige Schritt. Was ich in den drei Monaten gesehen und mitgekriegt habe von der Professionalität und dem Umfeld, hat mich schon sehr weitergebracht.

LAOLA1: Gegen Kasachstan und Aserbaidschan stehst du sogar wieder im ÖFB-Kader - so schnell kann's gehen...

Almer: So ist es. Ich habe immer betont, dass man im Fußball einmal oben und einmal unten ist. Das Wichtigste ist, dass man in einem Tief – und das kommt irgendwann im Fußball – trotzdem hundertprozentig Gas gibt. Dann ändern sich auch die Zeiten sehr schnell.

LAOLA1: Grünwald hat zuletzt gepatzt, Siebenhandl ist neu dabei. Wie stehen deine Chancen?

Almer: Darüber mache ich mir eigentlich gar keine Gedanken. Ich werde im Training meine Leistungen bringen. Entscheiden wird das in dem Fall der Teamchef.

LAOLA1: Das heißt: Du machst dir weder bei der Fortuna noch im ÖFB-Team Druck?

Almer: Nein, überhaupt nicht. Es bringt ja auch nichts, das habe ich mittlerweile gelernt. Ich habe mir früher oft Druck gemacht und wollte immer mehr, aber im Endeffekt blockiert man sich nur selbst. Gescheiter ist es, Gas zu geben, dann sieht man eh, was herauskommt.


Das Gespräch führte Alexander Karper

LAOLA1: Der Saisonstart und Platz zwei sind vielversprechend. Wie sieht die Zielsetzung des Vereins aus?

Almer: Dass wir auf alle Fälle vorne mitspielen. Es sind aber sechs bis zehn Vereine, die um den Aufstieg spielen. Da muss einfach alles zu hundert Prozent passen, um die Chance zu nützen. Mit Eintracht Frankfurt, St. Pauli, 1860 München oder Braunschweig gibt es Top-Teams und von hinten drücken weitere Mannschaften nach. Hier haben die meisten ein Budget wie die österreichische Liga, die Top-Vereine sogar mehr als Austria und Rapid. Da ist schon etwas dahinter.

LAOLA1: Handelt es sich vielleicht sogar um die stärkste 2. dt. Bundesliga seit langem?

Almer: Ja, die Dichte der Aufstiegskandidaten ist in den letzten Jahren viel größer geworden. Vor fünf Jahren waren es vielleicht fünf Kandidaten, die sich das untereinander ausgemacht haben. Mittlerweile ist es aber schon so ausgeglichen, dass vom Ersten bis zum Zehnten jeder aufsteigen kann, wenn er einen guten Lauf erwischt.

LAOLA1: Stichwort Traditionsverein. Gehört Fortuna einfach in die Bundesliga?

Almer: Für die Fans wäre es natürlich sehr schön. Es sind noch sehr viele Leute da, die Düsseldorf 1979 und 1980 als Pokalsieger und 1979 im Finale des Europapokal der Pokalsieger erlebt haben. Die wünschen sich natürlich auch, dass die Fortuna wieder oben ist. Da spielen aber viele Faktoren mit. Es wird sehr spannend und knapp.

LAOLA1: Die Fans sind in Düsseldorf ein wichtiger Faktor. Wie nimmst du sie wahr?

Almer: Die Stimmung ist wirklich unglaublich, auch wenn das Stadion noch nicht ausverkauft ist. Es ist mit 25.000 bis 30.000 trotzdem gut besucht, die machen schon einen ziemlichen Lärm. Auch wenn es einmal nicht so läuft, stehen die Fans trotzdem hinter der Mannschaft. Es ist sehr positiv, wenn du weißt, dass dich die Fans auch in einer schlechteren Phase pushen.

LAOLA1: Was hat dich in Düsseldorf bisher am meisten begeistert oder überrascht?

Almer: In der ganzen Stadt dreht sich eigentlich alles nur um Fortuna. Im Fenster hängen die Fahnen, Poster…das ist schon ganz was Eigenes. Das überdachte Stadion für 54.000 Zuschauer würde in Österreich seinesgleichen suchen. Das hat schon Hand und Fuß. Und das Training ist auch ganz anders. Das kann man mit Österreich gar nicht vergleichen. Die Professionalität ist halt da noch um einiges höher als bei uns. Ich sage immer, das ist die deutsche Gründlichkeit, über die wir in Österreich oft lachen. Aber die ist hier definitiv gegeben.

LAOLA1: Kult sind auch die prominentesten Fans: Die Toten Hosen. Kannst du mit der Musik etwas anfangen?

Almer: Die Toten Hosen höre ich auch. Sie waren auch schon des öfteren im Stadion zuschauen, dann werden sie immer sehr groß auf den Leinwänden eingeblendet. Sie singen auch die aktuelle Vereins-Hymne, also sind sie schon ziemlich integriert in den Verein.

LAOLA1: Düsseldorf als Mode- und Medienstadt ist durchaus lebenswert.

Almer: Das auf alle Fälle. Speziell im Sommer hat die Rhein-Promenade schon einen ganz besonderen Flair, wo man gemütlich Spazieren, Radfahren oder was Trinken gehen kann. Es ist ein bisschen vergleichbar mit der Donausinsel, nur dass die mitten in der Stadt ist. Das macht den Flair aus.

LAOLA1: Mit dem Schalker Christian Fuchs wohnt ja sogar dein bester Freund und Trauzeuge in Düsseldorf.

Almer: Das stimmt. Wir sehen uns regelmäßig, auch wenn relativ wenig Zeit bleibt, um etwas gemeinsam zu unternehmen. Man muss schon Glück haben, dass es sich ausgeht. Er war aber schon einmal bei uns zuschauen und ich war zuletzt bei Schalke gegen Bayern. Dass sich das so ergeben hat, ist schon ein bisschen zum Schmunzeln. Das passt perfekt und hat mir auch die Eingewöhnungsphase ein bisschen einfacher gemacht.

LAOLA1: Hast du dir auch Tipps vom Nationalteam-Kollegen Martin Harnik geholt?

Almer: Ja, beim Länderspiel Österreich gegen Deutschland. Er hat mir das eigentlich sehr empfohlen, auch was die Stadt betrifft. Da ist er mit hundert Prozent richtig gelegen, es taugt mir richtig.

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