"Die Bayern spielen keine Rolle"

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Mit insgesamt 15 Spielen zählt Alessandro Schöpf zu den „Routiniers“ im U21-Nationalteam des ÖFB.

Überhaupt ist der Tiroler seit Jahren Stammgast in diversen Nachwuchs-Auswahlen. Eine erfolgreiche Qualifikation für eine Endrunde blieb ihm – so wie den vielen anderen Talenten des Jahrgangs 1994 – aber bislang versagt.

Diesmal, im letzten Anlauf als Nachwuchs-Internationaler, soll es aber klappen. Die EM 2017 in Polen ist das Ziel. Mit dem 2:0-Sieg in Aserbaidschan war der Start in die Quali schon mal erfolgreich. Im Heimspiel gegen Russland (Dienstag, 17 Uhr, St. Pölten) will die Mannschaft von Werner Gregoritsch nachlegen.

"Wir können es schaffen"

„Wir wollen zum Start sechs Punkte holen“, kündigt Schöpf an. „Wir haben eine sehr gute Mannschaft, das Klima innerhalb des Teams ist toll. Es steckt einiges in dieser Mannschaft, wir können und wollen die Qualifikation schaffen“, so der 21-Jährige weiter.

Die Stärke der ÖFB-U21 läge im geschlossenen Auftreten: „Wir wollen immer als Kollektiv auftreten. Jeder einzelne Spieler bringt seine individuelle Qualität ein, damit wir als Mannschaft glänzen können.“

Eine willkommene Abwechslung

Für den technisch versierten Offensivspieler ist der U21-Lehrgang eine willkommene Abwechslung zum Alltag beim 1. FC Nürnberg. Im ÖFB kann er sich dem Vertrauen des Trainers sicher sein und auch abseits des Rasens herrscht Ruhe. Anders verhält sich die Sache bei seinem Verein.

Dort hat Schöpf zuletzt seinen Stammplatz verloren, kam beim 1:0-Sieg gegen Düsseldorf erstmals in dieser Saison nur von der Bank. Trotz dieses kleinen Rückschlags blickt der ÖFB-Legionär aber sehr positiv auf seine bisherige Zeit beim „Club“ zurück.

Ein "ganz gutes" erstes Jahr

Im vergangenen Sommer hat der Mittelfeldmann, der bereits 2009 die Akademie Tirol verließ, um im Nachwuchs des FC Bayern eine Ausbildung zu genießen, in Nürnberg unterschrieben. 32 Spiele, davon 31 in der Startelf, fünf Tore und sieben Assists standen nach der ersten Saison in der zweiten deutschen Liga zu Buche.

„Es war eine ganz gute Saison. Ich konnte viel Spielpraxis sammeln und habe viel gelernt. Ich wurde in Nürnberg sehr gut aufgenommen und habe mich sehr schnell wohlgefühlt. Das hat es mir auch einfach gemacht, sportlich Fuß zu fassen. Es war wichtig für mich, dass ich das Vertrauen bekommen habe“, bilanziert der Tiroler.

Schöpf will wieder öfter über Tore jubeln

Er konkretisiert: „Bei mir ist es oft so, dass ich vor dem Tor doch noch lieber einen Haken mache oder den Ball querlege anstatt zu schießen. Ich muss egoistischer und zielstrebiger werden. Vielleicht sollte ich 15-20 Meter vor dem Tor nicht noch eine Anspielstation suchen, sondern fokussierter aufs Tor sein.“

Der Nürnberg-Profi gibt sich selbstkritisch. Manchmal vielleicht sogar zu sehr, wie er selbst zugibt: „Ich mache mir sehr viele Gedanken. Ich glaube, ich mache mir oft zu viele Gedanken.“

Zeit, um die Form aus dem vergangenen Herbst wiederzuerlangen. Er will es über die Arbeit schaffen: „Ich gebe im Training Vollgas und zeige, dass ich bereit bin. Wenn man hart arbeitet, kommt alles andere von alleine. Ich will der Mannschaft helfen – ob von Beginn an oder von der Bank.“

Chaos im Verein

Dass es beim FCN auf Führungsebene seit geraumer Zeit drunter und drüber geht, ist gewiss nicht hilfreich.

Sportvorstand Martin Bader hat längst seinen Rückzug mit Ende September angekündigt, Wolfgang Wolf, der sportliche Leiter, übte daraufhin öffentlich Kritik und hinterfragte die Sinnhaftigkeit des vorläufigen Verbleibs, Aufsichtsratschef Thomas Grethlein präsentierte indes mit Michael Meeske einen neuen kaufmännischen Vorstand, dem viel Macht eingeräumt wurde, und rief einen Neuanfang aus.

Dass der „Club“ deshalb endlich zur Ruhe kommt, ist aber wohl nur eine Wunschvorstellung. Schöpf winkt ab, will dazu eigentlich gar nichts sagen: „Die Unruhe im Verein darf einen Spieler nicht beeinflussen.“

"Bayern? Spielt keine Rolle"

Immerhin ist der Saisonstart mit sieben Punkten aus fünf Spielen ganz okay gelaufen. „Es ist erst der Anfang gemacht, auf uns kommen noch einige schwierige Spiele zu. Wir müssen immer an unser Limit gehen, sonst gewinnen wir keine Spiele. Mal sehen, was am Ende dabei rauskommt“, so der Mittelfeldmann, der seinen Vertrag im Frühjahr vorzeitig bis Sommer 2019 verlängert hat.

Dabei hatte der 21-Jährige im Winter sogar Angebote aus der deutschen Bundesliga. Und die Bayern haben am Ende der Saison ein Rückkaufrecht. „Das spielt für mich derzeit alles überhaupt keine Rolle. Ich konzentriere mich voll und ganz auf Nürnberg.“

Die Lockerheit soll zurückkehren. Da kommt die U21 gerade recht.

Harald Prantl

"Rummel? Ich weiß nicht"

Im vergangenen Herbst war Schöpf einer der Aufsteiger. Der Sprung von der vierten in die zweite Liga schien ihm keinerlei Probleme zu bereiten. Ein Doppelpack und ein Assist beim 3:2 gegen Kaiserslautern Ende September 2014 hievten Schöpf deutschlandweit in die Schlagzeilen.

„Rummel? Ich weiß nicht. Mittlerweile kennt mich schon der ein oder andere Nürnberg-Fan. Im Fußball ist aber wichtig, dass man als Mannschaft funktioniert und erfolgreich ist. Wenn man selbst ganz ordentliche Spiele macht, das Team funktioniert aber nicht, bringt das nichts“, gibt sich der Nachwuchs-Teamspieler bescheiden.

Im Laufe der Saison zeigte seine Formkurve dann aber nach unten. „Ich weiß, dass ich in der Hinrunde sehr gut und in der Rückrunde weniger gut gespielt habe. Es ist nicht mehr so gelaufen wie ich das von mir selber erwarte“, sagt er.

Sein Trainer Rene Weiler meinte Anfang August in der „Bild“: „Dass er so weiterspielt wie bisher und durch die Abwehrreihen tanzt, das habe ich nicht von ihm erwartet. Er ist vielleicht auch noch gar nicht so weit wie ihn hier einige sehen wollen. Es hat seinem Spiel nicht geholfen, dass man ihn hier so sehr gehypt hat.“

"Ich mache mir zu viele Gedanken"

Schöpf sieht es nicht ganz so: „Ich habe keinen großen Hype mitbekommen.“ Vielmehr sucht der Offensivspieler die Schuld bei sich selbst: „Ich muss wieder torgefährlicher werden. Ich will Tore schießen und vorbereiten. Da muss ich wieder reinkommen.“

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