Aufmacherbild

Tops und Flops der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

Die Entscheidung bei der WM 2014 ist gefallen, das letzte Spiel bestritten.

Zeit, nach viereinhalb Wochen voller Fußball-Feste und internationaler Begeisterung, endgültig Bilanz zu ziehen.

Deutschland krönte sich schlussendlich verdient zum Weltmeister, Brasilien stellte seine Qualitäten als hervorragender Gastgeber unter Beweis.

Abgesehen vom Abschneiden des jeweils favorisierten Teams werden uns einige Aspekte positiv, andere wiederum negativ in Erinnerung bleiben.

Die Tops und Flops der WM geben einen Überblick über die High- und Low-Lights dieses Turniers.


TOPS:

Torflut:

Die Gruppenphase verwöhnte die Fans mit durchschnittlich 2,83 Toren pro Spiel und übertraf damit die WM 2010 in Südafrika (2,10) locker. Ab der K.o.-Phase freilich wurde die Torlawine abgesehen vom 7:1-Halbfinalsieg Deutschlands über Brasilien eingebremst: So lag etwa im Achtelfinale der Schnitt nach regulärer Spielzeit bei 1,375 Treffern pro Partie.

Herausragende Torhüter:

Über Deutschlands WM-Helden Manuel Neuer braucht man nicht mehr viel zu sagen. Mit nur vier Gegentoren, sehenswerten Paraden und erfolgsgekrönten Ausflügen in Form eines elften Feldspielers hat sich der Bayern-Keeper den Goldenen Handschuh redlich verdient. Doch Neuer steht nur an der Spitze aufstrebender Schlussmänner, die bei der WM auf sich aufmerksam machen konnten. Mexikos Guillermo Ochoa lieferte gegen Brasilien das Spiel seines Lebens ab, Costa Ricas Keylor Navas konnte ebenso glänzen wie Tim Howard, der mit 16 Paraden gegen Belgien einen neuen Rekord einzementierte. Überhaupt fiel bis auf Igor Akinfeev und Iker Casillas kaum ein Rückhalt negativ auf.

Amerika im Vormarsch:

Südamerika brachte fünf seiner sechs WM-Teams ins Achtelfinale, der häufig belächelte Verband von Nord- und Mittelamerika mit den USA, Mexiko und Costa Rica drei von vier. Im Viertelfinale stellten amerikanische Teams mit Kolumbien, Brasilien, Argentinien und Costa Rica immerhin noch die Hälfte aller Mannschaften. Die Europäer stellten in der K.o.-Phase wie 2010 in Südafrika nur noch sechs Teams, wenngleich der Titel mit Deutschland erneut nur über ein Team vom alten Kontinent führte.

Sensationsteam Costa Rica:

Den Mittelamerikanern war in einer Gruppe mit drei Ex-Weltmeistern die Rolle des Punktelieferanten zugedacht. Mit Siegen gegen Uruguay (3:1) und Italien (1:0) sowie einem torlosen Remis gegen England erreichte Costa Rica aber sensationell ohne Niederlage als Gruppensieger das Achtelfinale, wo Griechenland nach Verlängerung eliminiert wurde. Im Viertelfinale war erst im Elferschießen gegen die Niederlande Endstation.

Promis im WM-Fieber:

Ob „Deutschland-Maskottchen“ Angela Merkel, Rihanna, Shakira, Arnold Schwarzenegger, David Hasselhoff und viele, viele mehr. Die WM zog so viele Promis in ihren Bann wie wohl noch nie. Social Media macht es möglich, einige wie Kobe Bryant und Co. ließen es sich nicht nehmen, vor Ort vorbeizuschauen. Dadurch rief die WM noch mehr Interessenten auf den Plan als ohnehin schon. Mitunter den größten Boom löste die USA aus, die ein ganzes Land für eine bisher unterschätzte Sportart begeistern konnte und sogar Präsident Barack Obama auf den Plan rief.

Die Dreier- bzw. Fünferkette:

Die WM rüttelte an der Alleinherrschaft der Viererkette. Mehrere Teams waren mit flexiblen Defensivreihen erfolgreich, bei denen sich die Außenverteidiger in Ballbesitz noch stärker in die Offensive einschalteten. Bei Ballverlust dagegen wurde mit den drei Innenverteidigern eine Fünferkette gebildet - gesehen etwa bei den Niederlanden, Mexiko, Chile oder Costa Rica.

Der neue Stern:

James Rodriguez. Der 23-jährige Kolumbianer war schon vor der WM ein ebenso guter wie teurer Offensivakteur, spielte sich in Brasilien aber ins weltweite Rampenlicht. Sechs Treffer gelangen dem technisch beschlagenen Mann vom AS Monaco, der damit auch das verletzungsbedingte Fehlen von Kolumbiens Star Radamel Falcao vergessen machte und sich als Torschützenkönig den Goldenen Schuh sichern konnte.

WM der Rekorde:

Die Jagd auf Rekorde war mit Start der WM eröffnet, schlussendlich wurden die Erwartungen übertroffen. Ob Kloses neuer Torrekord, Deutschlands 7:1-Semifinalsieg über Brasilien, Faryd Mondragon als ältester Spieler (43), 32 Joker-Tore – Brasilien geizte nicht mit neuen Bestleistungen, die in vier Jahren erneut in Angriff genommen werden können.

„Oldie but Goldie“ Miroslav Klose:

Auf den Rekordmann ist Verlass. Mit seinen Toren gegen Ghana und Brasilien schraubte der 36-Jährige sein WM-Tore-Konto auf 16 und löste damit den Brasilianer Ronaldo (15) als Rekordhalter ab. Bei vier verschiedenen WM-Turnieren haben außer ihm nur Landsmann Uwe Seeler und Pele getroffen.

Torlinientechnik und Spray:

Fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen gibt es weiterhin. Doch dank der erstmals eingesetzten Torlinientechnik blieben den Unparteiischen zumindest diesbezüglich Diskussionen erspart. Auch die überflüssige Darstellung glasklarer Treffer mit der neuen Technik hat sich die FIFA bald abgewöhnt. Als durchaus sinnvoll erwies sich auch die Verwendung des Schaumsprays, um bei Freistößen für die Einhaltung der vorgeschriebenen Abstände zu sorgen.

Fans und Atmosphäre:

Die Begeisterung der südamerikanischen Fans verleiht der WM ein einzigartiges Flair, die Euphorie rund um die "Copa" in Brasilien übertrifft bei weitem jene bei den Turnieren in Deutschland und Südafrika. Seit Turnierbeginn mutierten die Austragungsstädte zu riesigen Party-Zonen. Die Befürchtung, Demonstrationen könnten die Wohlfühl-Atmosphäre stören, bewahrheitete sich nicht, auch gravierende Ausschreitungen gab es nicht. Selbst nach dem Halbfinal-Aus von Gastgeber Brasilien blieb es weitgehend ruhig.

FLOPS:

Das Abschneiden von Gastgeber Brasilien:

Anstelle der "Hexa", dem sechsten WM-Titel, setzte es für Brasilien beim 1:7 im Halbfinale gegen Deutschland eine der bittersten Pleiten der Geschichte. Das Aus kam freilich nicht ganz überraschend. Schon auf dem Weg ins Halbfinale wusste die Elf von Luiz Felipe Scolari nicht zu überzeugen. Das Aus hat im Land eine intensive Diskussion über einen grundsätzlichen Kurswechsel im brasilianischen Fußball in Gang gesetzt.

Das Ende der Tiqui-taca-Generation:

Sechs Jahre lang hatte Spanien mit seinem Kurzpass-Spiel den Weltfußball dominiert. Am 18. Juni endete die spanische Ära. Mit einem 1:5 gegen die Niederlande und einem 0:2 gegen Chile war die Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung schon nach zwei Spielen verspielt. Die Spanier verabschiedeten sich als fünfter amtierender Weltmeister schon in der Vorrunde.

Ballbesitz wird überbewertet:

Nicht nur für Spanien, auch für andere Teams, die das Spielgerät gern in den eigenen Reihen zirkulieren lassen, gab es bei der WM nichts zu holen. Die Italiener zum Beispiel schieden in der Gruppenphase aus, obwohl sie in allen drei Partien mehr Ballbesitz hatten. Im Gegensatz dazu setzt sich immer mehr die Taktik des schnellen Umschaltspiels durch.

Härteorgien statt Gelbe Karten:

Die Schiedsrichter geizten mit Verwarnungen. Sowohl bei Fouls als auch bei Schwalben blieben die Gelben Karten nur allzu oft gut in den Taschen der Unparteiischen verstaut. Dadurch entwickelten sich Härteorgien, die etwa das folgenschwere Einsteigen des Kolumbianers Juan Zuniga gegen Brasiliens Superstar Neymar zur Folge hatten. Der FIFA wurde sogar ein Geheimplan unterstellt, wonach die Schiedsrichter angewiesen worden sein sollen, wenig Gelbe Karten zu verteilen.

Aus für Europas Schwergewichte:

Erstmals scheiterten beide EM-Finalisten bei der folgenden WM bereits in der Gruppenphase. Neben Spanien und Italien erwischte es von den namhaften europäischen Teams aber auch Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo oder England. Die Engländer verzeichneten mit nur einem Punkt aus drei Spielen überhaupt das schlechteste WM-Abschneiden ihrer Geschichte.

Offensivkaliber als Defensivkünstler:

Niederlande, Argentinien oder Brasilien waren in der Vergangenheit als Hochkaräter bekannt, die ihr Heil in der Offensive suchten. Bei dieser WM regierte bei vielen Teams jedoch das Motto: Sicherheit geht vor. Oranje rührte nach der 5:1-Gala gegen Spanien Beton an, Argentinien verteidigte mit zwei tiefstehenden Viererketten und auch Brasilien enttäuschte offensiv nicht nur in Person von Fred und Jo, sondern hatte den Plan, defensiv nichts anbrennen zu lassen, was bekanntlich zum Ende des Turniers nicht so gut funktionierte. Diese Taktiken war mitunter auch für die große Anzahl an Verlängerungen verantwortlich.

Magere Ausbeute von Asien und Afrika:

Alle vier Teams der asiatischen Konföderation verabschiedeten sich bereits in der Gruppenphase - und das ohne einen einzigen Sieg. Der Iran, Japan, Südkorea und Australien, das seit 2006 ebenfalls in der asiatischen Qualifikation antritt, holten zusammen nur drei magere Punkte. Die FIFA könnte die Zahl der WM-Startplätze für Asien überdenken. Auch die afrikanischen Teams - fünf an der Zahl - blieben neuerlich unter den Möglichkeiten. Immerhin erreichten mit Algerien und Nigeria erstmals deren zwei das Achtelfinale.

Superstars im Schatten:

Franck Ribery konnte nicht einmal mit Frankreich zur WM, Cristiano Ronaldo verabschiedete sich nach mageren Vorstellungen bereits nach der Vorrunde, Wayne Rooney agierte ebenso katastrophal wie Xavi. Und auch Lionel Messi wusste trotz seiner vier Tore nur selten so zu glänzen, wie man das von ihm gewöhnt ist. Alles in allem war es nicht das Turnier der großen, altbekannten Helden, sondern vielmehr jenes der aufstrebenden Talente und der Spieler, die sonst oft im Schatten obengenannter stehen.

Vorbereitung in Österreich:

Keines der drei Teams, das sich in Österreich auf die WM vorbereitet hat, hat reüssiert. Kroatien, Ende Mai eine Woche in Bad Tatzmannsdorf stationiert, musste trotz eines Sieges gegen Kamerun (4:0) die Koffer packen. Der Iran (im Mai drei Wochen in Bad Waltersdorf und Stegersbach) und Kamerun (zehn Tage in Walchsee in Tirol) zählten zu den schwächsten WM-Teams.

Luis Suarez - der „Beißer“:

Uruguays Stürmerstar sorgte für einen unrühmlichen Höhepunkt der Gruppenphase. Im entscheidenden Gruppenspiel gegen Italien (1:0) biss der Liverpool-Angreifer Gegenspieler Giorgio Chiellini in die Schulter. Der zum FC Barcelona transferierte Suarez fasste dafür neun Spiele Sperre bzw. vier Monate Ausschluss von allen Fußball-Aktivitäten aus.

Schiedsrichter im Fokus:

Die Vorbereitung war so professionell wie nie, gebracht hat sie wenig. Die Referees leisteten sich vom Eröffnungsspiel an zahlreiche und manchmal sogar entscheidende Fehlpfiffe. Ein Lehrbeispiel für schwache Spielleitung war die Partie um Platz drei, in dem Djamel Haimoudi (ALG) teilweise haarsträubende Fehler beging. Bezeichnend auch, dass der Italiener Nicola Rizzoli zum Final-Schiri ernannt wurde, obwohl er sich gleich zu Turnierbeginn beim Spiel der Niederlande gegen Spanien mehrere Fehlentscheidungen geleistet hatte.

Mehr zum Thema Zum Seitenanfang»