Nicht nur ein Feierbiest

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Mexikos Trainer ist mehr als nur ein Feierbiest

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Miguel Herrera ist längst eine Kultfigur. Mexikos Erfolgstrainer nur auf seine emotionalen Ausbrüche an der Seitenlinie zu reduzieren, wird dem 46-Jährigen aber nicht gerecht.

"El Piojo" (die Laus), wie der gewichtige Ex-Verteidiger ob seiner früheren Spielweise genannt wird, hat dem im Vorjahr am Boden liegenden mexikanischen Fußball in nur acht Monaten ein neues Gesicht gegeben.

Star im Internet

Am Sonntag (18.00 Uhr MESZ) im WM-Achtelfinale gegen die Niederlande werden sich die Kameras wieder auf seine Gefühlsausbrüche richten.

Im Internet ist Herrera längst ein Star. Auf Youtube wird dem Energiebündel und seinen vielsagenden Gesten mit "best of"-Videos gehuldigt, im Kurznachrichtendienst Twitter hat er bereits mehr als 700.000 Follower - mehr als jeder andere WM-Teamchef.

Dabei hatte Herrera das mexikanische Team erst im Oktober übernommen - in höchster Not. Damals drohte "El Tri" sogar erstmals seit 1982 ein Scheitern in der WM-Qualifikation.

Herrera vermied es mit 5:1 und 4:2 im Kontinental-Playoff gegen Neuseeland. Seither ging es nur noch bergauf. In zehn Spielen in diesem Jahr haben die Mexikaner erst sechs Tore kassiert, bei der WM mit ihrem kompakten 5-3-2-System überhaupt erst eines.

Herrera setzt auf Disziplin

Herrera setzt auf und neben dem Platz auf Disziplin. An dieser hatte es ihm selbst als Spieler gemangelt. Nur 14 Länderspiele absolvierte der unangenehme Verteidiger, obwohl er zu Höherem berufen schien.

Nach Europa schaffte er es nie. Bei der WM 1994 war die "Laus" zwar im Stickeralbum von Panini verewigt, beim Turnier musste er aber trotz Zusage von Teamchef Miguel Mejia Baron zuschauen.

Herrera lässt seinen Emotionen auf dem Platz freien Lauf

20 Jahre später liegt ihm Mexiko zu Füßen. Tag für Tag kommt Herrera im WM-Hotel Parque Balneario in Santos vor die Tür, um Autogramme zu schreiben. Der Trainer mit der frappanten Ähnlichkeit zu Österreichs Ex-Teamchef Otto Baric versteht es, sich selbst zu inszenieren.

Seine Fotogalerien in den sozialen Netzwerken werden zusehends umfangreicher - ein "Selfie" mit eindrucksvollem Doppelkinn, seinem Team und Mexikos Staatspräsident Enrique Pena Nieto im Hintergrund inklusive.

"Denke nur an die Niederlande"

An seine Zukunft denkt er in diesen Tagen nicht. Eigentlich ist Herrera Trainer des Großklubs CF America aus Mexiko-Stadt.

Mit den Hauptstädtern holte er im Vorjahr seinen ersten Meistertitel. Das Nationalteam soll er auch zur WM 2018 in Russland führen. "Jetzt denke ich nur an die Niederlande", betonte der Teamchef.

"Das ist das Spiel, das uns außerhalb von Mexiko bekannt machen wird." Er selbst hat es mit seiner unnachahmlichen Art bereits geschafft.

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