"Niemand hat es so verdient wie wir"

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Was für ein Finale.

Es fiel zwar nur ein Treffer, aber dieses Endspiel war an Dramatik nicht zu überbieten - am Ende jubelte Deutschland nach einem Krimi über einen 1:0-Sieg gegen Argentinien vor 75.000 Zuschauern im Maracana zu Rio.

Das DFB-Team hatte es endlich geschafft. Nach 24 Jahren Pause ist Deutschland wieder Weltmeister. Der so sehr herbeigesehnte WM-Pokal kehrt zurück ins Land des großen Nachbarn.

Und Spieler und Funktionäre konnten es nicht glauben. Sieben Minuten vor Ende der Verlängerung traf Joker Mario Götze mit einem schönen Treffer zum Sieg.

Zwischen Jubel und Ungläubigkeit

Nach der Pokal-Übergabe an Kapitän Philipp Lahm feierten die DFB-Kicker auf dem Rasen oder standen - wie Götze - ungläubig da.

Sie hatten es tatsächlich geschafft, das Größte im Fußball, sie sind Weltmeister.

"Es ist unglaublich, es ist unfassbar", schüttelte Manuel Neuer, der beste Keeper des Turniers, nur den Kopf.

Bastian Schweinsteiger, mit einem Cut während des Spiels, sagte: "Wir genießen den Moment unglaublich. Danke an ganz Deutschland für die Unterstützung, wir haben sie hier in Brasilien stets gespürt."

"Ganz Deutschland ist Weltmeister"

Gemeinsam sind wir stark. Das war stets das Motto während dieser vier Wochen.

"Das ist der Grund warum wir Weltmeister geworden sind. Der Zusammenhalt war unglaublich. Wir hatten in der Vorbereitung einige Rückschläge einstecken müssen und man muss auch an die Spieler denken, die nicht dabei sind. Die sind auch Weltmeister, ganz Deutschland ist Weltmeister", lachte der Goalie in die Kamera.

Die Welt erkannte diese Kollektiv-Leistung an.

"Wir müssen Deutschland kopieren. Es geht nicht nur um Einzelspieler, es geht um die Mannschaft", würdigte der Brasilianer Ronaldo, der während des Turniers seinen WM-Torrekord (15) an Miroslav Klose (16) verlor, im TV das Gefüge der Mannschaft Joachim Löws.

Nach Fritz Walter (1954), Franz Beckenbauer (1974) und Lothar Matthäus (1990) durfte nun Lahm den Pokal als vierter DFB-Kapitän in die Höhe stemmen.

"Was wir heute wieder geleistet haben über 120 Minuten, wie wir geackert haben, das ist unglaublich. Man muss die beste Mannschaft haben, nicht die besten Einzelspieler, das ist alles egal. Wir haben uns von irgendwelchen Störfeuern nicht irritieren lassen", jubelte der 30-Jährige.

Es brauchte doppelte Geduld

Nach dem 7:1 gegen Brasilien im Halbfinale dauerte es gegen ein starkes Argentinien, das allerdings nie direkt auf das Tor schoss, deutlich länger, bis die Entscheidung fiel: "Man kann nicht davon ausgehen, dass man in einem Halbfinale oder Finale nach 30 Minuten schon 5:0 führt. Aber die Mannschaft hat Geduld gehabt."

Deutschland Argentinien
Ballbesitz 63,6% 36,4%
Zweikämpfe 53,5% 46,5%
Eckbälle 5 3
Torschüsse 10 10
Torschüsse außerhalb Strafraum 5 4
Torschüsse innerhalb Strafraum 5 6
Kopfballchancen 2 2
Abseits 3 2
Fouls 20 16

Walter (54), Beckenbaur (74), Matthäus (90), Lahm (14)

Apropos Geduld. Lange mussten die Deutschen nach dem EM-Titel 1996 auf die nächste Trophäe warten. 2006 WM-Halbfinale, 2008 EM-Finale, 2010 WM-Halbfinale, 2012 EM-Halbfinale, 2014 WM-Finale - Sieg.

Löw, der 2006 als Assistent von Jürgen Klinsmann eingestiegen ist und 2008 als Chef übernahm, zeigte sich am Ende natürlich sehr stolz.

"Dieser Titel war einfach fällig"

"Es war uns immer klar, dass Argentinien alles mobilisieren wird in so einem Finale. Es war ein hartes Stück Arbeit. Die Spieler sind weit über die Grenzen gegangen. Sie haben so viel gegeben wie noch nie, um das zu holen, das sie noch nie hatten", hielt der 54-Jährige fest.

Und betonte ebenso das Zusammengehörigkeitsgefühl.

"Wir haben alles getan, um diesen Tag zu erleben. Niemand hat es so verdient wie wir. Das war ein unglaublicher Teamgeist, eine verschworene Einheit, die alles gegeben hat für diesen Titelgewinn. Dieser Sieg war einfach fällig", analysierte Löw trocken.

Der Bundestrainer brachte mit Andre Schürrle, der für Christoph Kramer kam (und der wiederum für Sami Khedira startete), sowie Mario Götze die Joker zum Sieg.

"Ich hatte das Gefühl, dass Mario (Götze, Anm.) heute etwas Entscheidendes machen wird. Das ist jetzt eine Sache für die Ewigkeit. Wir haben es hier im Fußballtempel Maracana als erste Europäer geschafft, den Titel in Südamerika zu gewinnen."

Apropos Götze, für den hatte Löw eine ganz besondere Message in der Pause: "Ich habe Mario in der Pause gesagt, zeig‘ der Welt, dass du besser bist als Messi."

Der Goldtorschütze für die DFB-Ewigkeit - nach Helmut Rahn (1954), Gerd Müller (1974) und Andy Brehme (1990) - gab sich bescheiden.

„Es ist unbeschreiblich, die Mannschaft hat es sich verdient. Ich bedanke mich bei meiner Familie, Freunden und meiner Freundin. Schü hat den Ball überragend hereingebracht", so der Bayern-Star.

"Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin"

Götze macht auf jeden Fall weiter. Aber macht auch Löw, der frühere Tirol- und Austria-Trainer, der zuvor nur zwei Titel verbuchen konnte (Pokalsieg 1997 mit Stuttgart und Meister mit Tirol 2002) weiter?

"Diese Mannschaft ist noch jung und noch lange nicht am Ende. Ich habe noch Vertrag und ich glaube, dass nichts dagegen spricht, dass ich als Bundestrainer weitermache."

Überzeugend klang anders, aber wer wollte an diesem Abend schon über die Zukunft sprechen. Die Gegenwart war angesagt.

Löw verriet, nachdem er Jubel-Bilder aus der Heimat sah: "Die Spieler sangen in der Kabine schon: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin."

Am Dienstag kommen sie nach Berlin. Als Weltmeister.

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