Brasilien nach WM-Aus von Neymar geschockt

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Vom Dachgeschoss in den Keller verlagerte sich die Gemütslage der brasilianischen Fans nach dem knappen Sieg im Viertelfinale gegen Kolumbien.

Das hart erkämpfte 2:1 hievte die Selecao zwar in die Runde der letzten vier, dort muss Brasilien aber neben dem gesperrten Kapitän Thiago Silva auch Neymar vorgeben.

„Er hat nach dem Spiel vor Schmerzen geweint. Ich glaube nicht, dass er gegen Deutschland spielen kann“, war Teamchef Luiz Felipe Scolari nach der Partie wenig zuversichtlich, dass seine Nummer zehn bis Dienstag fit wird. „Ganz Brasilien muss jetzt für ihn beten“, sprach auch David Luiz in die Mikrofone, ehe sich wenig später die niederschmetternde Gewissheit verbreitete:

Die WM ist für Neymar nach einem Wirbelbruch gelaufen.

Böse Attacke von Zuniga

Kurz vor Schluss ging der 22-Jährige nach einem Zweikampf mit Juan Zuniga zu Boden. Der Napoli-Akteur rammte Neymar das Knie in den Rücken, woraufhin dieser unter den Sprechchören der Fans vom Platz getragen werden musste.

Schnell war klar, dass es sich um eine ernsthaftere Verletzung handelte. „Er hat vor Schmerzen geweint“, schilderte Scolari. „Eine Operation ist nicht nötig, aber er braucht Ruhe, um sich wieder zu erholen“, stellte Mannschaftsarzt Rodrigo Lasmar klar.

Tief geknickt zeigte sich Julio Cesar. "Sein Ausfall sorgt für große Trauer. „Jeder weiß, wie sehr er dem brasilianischen Volk Freude bereiten wollte“,  erklärte der Tormann. „Wir sind sehr traurig. Es ist schwer, Worte zu finden. Ich kann es nicht fassen, dass er am Dienstag nicht spielen wird. Wenn ich könnte, würde ich ihn jetzt in den Arm nehmen." 

Kritik am Schiedsrichter

Eine Karte sah Zuniga für sein hartes Einsteigen im Übrigen nicht. Eine von mehreren Fehlentscheidungen des insgesamt schwachen Schiedsrichters Carlos Velasco Caballo. Der Spanier behielt nicht immer die Übersicht, was in einem zweitweise sehr hart geführten Spiel endete. ARD-Experte Mehmet Scholl, als Spieler selbst oft von Verletzungen geplagt, veranlasste die Referee-Leistung zu einer Wutrede im deutschen TV.

Mit letztlich 54 Fouls setzte die Partie eine neue Bestmarke im laufenden Turnier, allein Brasilien hatte 31 Vergehen zu Buche stehen – Höchstwert in der WM-Historie der „Selecao“.

Mit den Bewertungen des Unparteiischen hatte auch Scolari so seine Probleme. „Zuniga wird für das Foul an Neymar nicht verwarnt, aber Thiago Silva bekommt Gelb, weil er neben dem Tormann steht und ihn behindert“, sagte „Felipao“, dem nach der Aktion aber anzusehen war, dass er es nicht sonderlich clever von seinem Kapitän fand, den Keeper beim Ausschuss zu attackieren.

Für den Abwehrchef war es die zweite Gelbe Karte und damit das Aus für die Halbfinalpartie gegen Deutschland. Ausgerechnet in dieser wird also wohl Bayerns Dante in der Innenverteidigung neben David Luiz spielen.

 

Aus Fortaleza berichtet Christoph Kristandl

 

 

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