Comeback dank Pinkel-Taktik und unbändigem Willen

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Louis van Gaal ist ein cooler Typ, Arjen Robben sowieso, Wesley Sneijder auch, Klaas-Jan Huntelaar ebenso.

Bis die Stars der Niederlande gegen Mexiko jedoch aufatmen und den Einzug ins Viertelfinale bejubeln durften, kamen sie ganz schön ins Schwitzen.

In der Hitzeschlacht von Fortaleza spielten die „Oranje“ mit dem Feuer, die defensive Abwartetaktik wäre beinahe nach hinten losgegangen.

Denn bis zur 88. Minute stand Mexiko mit einem Bein zum dritten Mal nach 1970 und 1986 in der Runde der letzten acht. Doch dann kam der „Hunter“.

„…und auf einmal hat unser Spiel funktioniert“

In der 76. Minute eingewechselt, avancierte der Schalke-Torjäger zum Heilsbringer und Matchwinner.

In einem veränderten System, denn nach dem 0:1 von Giovani dos Santos musste van Gaal reagieren.

„Das 4-3-3-System, das wir nach der Pause gespielt haben, sind wir gewohnt, darauf können wir immer zurückgreifen. Und auf einmal hat unser Spiel gut funktioniert“, stellte Arjen Robben, der mit seinen Aktionen an diesem Spieltag meist glücklos agierte, klar.

Trotzdem dauerte es bis zur 88. Minute, ehe die Flachländer doch noch in die Partie fanden. Mit einer seiner ersten Ballberührungen legte Huntelaar mustergültig per Kopf ab, Sneijder vollendete zum 1:1.

Mit einem Torschuss zum großen Helden

Plötzlich war alles möglich, plötzlich zeigte Schiedsrichter Proenca – der davor einen klaren Elfer nicht geahndet hatte - nach einer leichten Berührung von Rafael Marquez an Robben auf den Punkt. Und Huntelaar schnappte sich den Ball.

„Ich wusste, dass es ein wichtiger Moment ist, aber ich war beim Elfmeter nicht nervös“, gestand der Stürmer, der diesen eiskalt verwandelte und sein Land in der 94. Minute in den siebenten Fußball-Himmel schoss.

Mit seinem zweiten Torschuss bei einer WM erzielte er nach 2010 gegen Kamerun seinen zweiten WM-Treffer. „Es ist wunderschön, für sein Land so ein wichtiges Tor zu schießen.“

Dabei gab es bei seiner ersten Einwechslung bei dieser Endrunde eine Verzögerung, die so nicht geplant war, sich schlussendlich jedoch als wichtig herausstellte.

„Habe so viel getrunken, dass ich ganz voll war“

Nachdem sich die Nummer 19 an der Seitenlinie bereit machte, verschwand diese plötzlich in den Katakomben des Estadio Castelao und kehrte wenig später zurück.

„Ich musste vor der Einwechslung noch schnell pinkeln, weil wir so viel getrunken haben. Alle haben gesagt, wir müssen viel trinken. Ich habe aber so viel getrunken, dass ich ganz voll war, in die Kabine gelaufen bin und sofort pinkeln musste.“

Eine Taktik, die sich schlussendlich bezahlt machte, denn mit einem Assist und dem spielentscheidenden Treffer spielte der 30-Jährige im wahrsten Sinne des Wortes „befreit“ auf.

Van Gaal kann man sein gutes Händchen bei der Einwechslung zugute halten, von einer souveränen Vorstellung war im Thriller aber lange Zeit keine Spur.

„Gekämpft wie die orangenen Löwen“

Als entscheidenden Faktor beschrieb der zukünftige Manchester-United-Coach den unbändigen Willen bis in die Nachspielzeit hinein.

„Die Spieler haben bis zur letzten Minute daran geglaubt. Wir waren auch körperlich bereit, das haben wir in den letzten Minuten bewiesen“, schilderte van Gaal.

Auch Robben war schlussendlich froh, dass sich das starke Finish doch noch bezahlt machte. „Es war heiß und schwierig, Mexiko hat eine richtig gute Mannschaft. Wenn man 0:1 zurückliegt, ist es immer schwierig. Aber wir haben gekämpft, alles versucht, guten Fußball gespielt und die Partie noch gedreht.“

Dirk Kuyt brachte es mit wenigen Worten auf den Punkt: „Wir haben gekämpft wie die orangenen Löwen.“

„Ungerechtes Ergebnis“ aus mexikanischer Sicht

Nicht unerwähnt bleiben soll jedoch die Leistung der Mexikaner, die nach einer starken Gruppenphase auch die Europäer lange Zeit vor große Probleme stellten.

Laut dem exzentrischen Teamchef Miguel Herrera hätte sich seine zusammengeschweißte Truppe durchaus den Aufstieg verdient gehabt.

„Ich denke, dass das ein ungerechtes Ergebnis war. Wir haben super gearbeitet und sind verdient in Führung gegangen. Unser Gegner hat hingegen lange Zeit gar nichts gemacht.“

Erst als die Niederlande genug abgewartet hatten, wendete sich das Blatt. Dank der Umstellung auf 4-3-3 und Huntelaars Pinkel-Taktik.

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