Mit Hirn und Köpfchen

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"…deshalb spielte Lahm als Rechtsverteidiger"

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Flexibilität.

Selten zuvor war sie bei einer WM so gefragt wie in Brasilien.

Auch Joachim Löw hatte die Zeichen der Zeit erkannt und war im Viertelfinale von seiner bisher sturen taktischen Ausrichtung abgewichen.

Gegen Frankreich bot der Bundestrainer erstmals wieder Philipp Lahm rechts in die Viererkette auf.

Zudem spielten zum ersten Mal von Beginn an Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger gemeinsam im Mittelfeld, Miroslav Klose fungierte an vorderster Front.

Und last but not least : Mats Hummels kehrte nach seinem grippalen Infekt in die Startelf zurück.

Hummels „Man oft he Match“

Der BVB-Verteidiger war es dann auch, der Deutschland mit einem Kopftor in der 13. Spielminute ins Halbfinale hievte.

„Beim Tor schlug Toni Kroos eine gute Flanke, und ich stand zur richtigen Zeit am richtigen Ort! Für mich ist der nächste Traum in Erfüllung gegangen. Heftig, was hier alles positiv für mich läuft. Es ist der nächste Traum und ich hoffe, dass unser Weg noch länger nicht vorbei ist“, gestand der zum „Man oft he Match“ gewählte 25-Jährige, der sich bei seinem zweiten WM-Treffer gegen Reals Varane mit großem Körpereinsatz durchsetzte: „Wenn ich schon nicht der leichtfüßige Typ bin, muss ich eben die Kraft haben.“

Löw zeigte sich nach dem Match naturgemäß zufrieden: "Es war unglaublich spannend. Aber in einem WM-Viertelfinale war auch nichts anderes zu erwarten. Das sind Mannschaften auf Augenhöhe. Meine Mannschaft hat bravourös gekämpft, sehr kompakt gespielt. Wir wollten Frankreich angesichts der Qualität ihrer Stürmer keine Chancen geben. Wir haben sie gut abgeschirmt - und das war der Schlüssel. Sie taten gegen uns das Gleiche, denn Yohan Cabaye und Paul Pogba sind ein großartiger Schutzschild für die Defensive“, meinte der 54-Jähige.

„…deshalb spielte Lahm als Rechtsverteidiger“

Das Comeback  von Lahm als Rechtsverteidiger sei nicht aufgrund des öffentlichen Drucks aus der Heimat zustande gekommen und „war für die Mannschaft auch nicht überraschend“.

„Die Truppe kennt meine Planspiele. Wenn ich das Gefühl habe, einen anderen Reiz zu setzen, mache ich das. Wir wussten, dass wir über die Flügel gehen mussten, um uns Chancen zu erspielen. Deshalb wechselte Lahm“, versicherte der ehemalige Tirol- und Austria-Trainer.

Laut Jerome Boatang „habe man Frankreich genau analysiert und gewusst, wie wir dagegen halten müssen.“

„Wir wollten diesmal Dampf über die rechte Seite machen, deswegen bin ich auf meine alte Position zurückkehrt“, erklärte Lahm.

 Dauerhafter Rückkehr?

Ob dieser Tausch von dauerhafter Natur ist, wollte der der 30-jähirge Bayern-Spieler nicht verraten: „Das werden wir sehen. Wir schauen von Spiel zu Spiel.“

Auch der DFB-Coach ließ sich alle Möglichkeiten offen: „Wie wir spielen, hängt nicht nur vom Gegner ab, sondern vor allem vom  Zustand meiner Spieler. Schweinsteiger und Khedia mussten heute an ihre Grenzen gehen. Mal sehen, wie sie sich erholen.“

Gegenüber dem Achtelfinale gegen Algerien war das Duell gegen die Franzosen jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung, um den Traum vom vierten WM-Titel Wirklichkeit werden zu lassen.

Deutschland Frankreich
Ballbesitz 50,60% 49,40%
Zweikämpfe 44,74% 55,26%
Eckbälle 3 5
Torschüsse 9 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 2 1
Torschüsse innerhalb Strafraum 7 12
Kopfballchancen 1 2
Abseits 0 3
Fouls 17 15

„Gegen Algerien konnten wir nur verlieren“

Goalie Manuel Neuer kannte einen Grund für die offensichtliche Leistungssteigerung. „Das Ausschlaggebende war, dass wir gegen eine Mannschaft gespielt haben, gegen die man nicht verlieren kann. Gegen Algerien konnten wir nur verlieren, das heute war hingegen ein 50:50-Spiel. Wir wussten um was es geht, und wir haben guten Fußball gezeigt. Jetzt stehen wir im Halbfinale.“

Mit diesem Semifinal-Einzug schrieb Deutschland zugleich Geschichte. Erstmals gelang es einem Land zum vierten Mal in Folge unter den besten vier Nationen der Welt zu stehen.

Dementsprechend glücklich präsentierte sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach: „Von den letzten 31 Pflichtspielen haben wir 28 gewonnen, zum vierten Mal nacheinander sind wir im Halbfinale einer WM. Diese Beständigkeit spricht für den Trainer und die Mannschaft. Diese Weltmeisterschaft, das sage ich heute schon, ist für den DFB wieder ein voller Erfolg.“

Frankreich geht erhoben Hauptes

Als Erfolg betrachten auch die ausgeschiedenen Franzosen ihren WM-Auftritt, wenngleich die Enttäuschung über das Aus überwog.

„Wir können stolz auf unsere WM sein. Wir waren heute sehr nah dran, es hat nicht viel gefehlt. Ein frühes Tor hat das Spiel entschieden, nach der Pause haben wir eine tolle Leistung gezeigt“, stellte Karim Benzema fest.

Teamchef Didier Deschamps ergänzte abschließend: „Obwohl unser Abenteuer in Brasilien hier endet und wir traurig, enttäuscht und frustriert sind, geht es für uns weiter. Wir müssen diesen Schwung und diese Qualität beibehalten. Obwohl ich im Moment verletzt und enttäuscht bin, muss ich mich daran erinnern, dass es viele positive Dinge gibt. Heute war zwischen den beiden Mannschaften kein großer Unterschied zu sehen. Wir sind im Vergleich zu Deutschland ein viel weniger erfahrenes Team. Sie sind mehr daran gewöhnt, große Länderspiele wie dieses zu bestreiten.“

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