Er will "El Patriota" sein

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Der Kampf um Anerkennung

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Lionel Messi will eigentlich immer nur eines: den Ball.

Schon beim Aufwärmen im WM-Camp in Belo Horizonte oder vor den Spielen - Messi sucht immer nach dem nächstmöglichen Spielgerät.

Er ist ein Fußballer, der intuitiv handelt. Einer, der in dem Moment inspiriert wird, in dem er den Ball hat. Und wenn er ihn hat, "ist das ein Zeichen der Hoffnung" , sagt Argentiniens Teamchef Alejandro Sabella.

Anders als Maradona

Mittlerweile ist es auch ein Zeichen der Hoffnung in Messis Herkunftsland. Dass er der Nation im Alter von gerade einmal 13 Jahren den Rücken kehrte, um beim FC Barcelona unterzukommen, traf die stolzen Argentinier.

Ein Diego Maradona spielte sechs Jahre bei den Argentinos und den Boca Juniors, ehe er 1982 zu den Katalanen wechselte. Maradona war damals 21.

Mit 21 Jahren stand auf Messis Visitenkarte schon zweimal spanischer Meister und einmal Champions-League-Sieger. Zwei weitere Triumphe in der europäischen Königsklasse kamen dazu, unter anderem auch noch vier Meistertitel.

Viermal nacheinander wurde Messi von 2009 bis 2012 zum Weltfußballer des Jahres gekürt. Nur eins fehlt: ein großer Erfolg mit der Nationalmannschaft.

Schmerzende Niederlagen

2006 feierte Messi während der WM in Deutschland seinen 19. Geburtstag. Sportlich lief es trotz des ersten WM-Tores beim 6:0 über Serbien-Montenegro nicht besonders.

Im Viertelfinale ließ Trainer Jose Pekerman den damals schon weltweit bestaunten Teenager auf der Bank. Das traf ihn fast noch mehr als das Ausscheiden.

Einer wie Messi kann nicht verlieren. Tut er es, weint er, am liebsten irgendwo alleine in der Kabine. Selbst nach schier unzähligen Erfolgen schmerzen Niederlagen noch immer. Erst recht im Trikot der "Albiceleste". Dem Trikot seines Heimatlandes, in dem ihm lange weniger Anerkennung entgegengebracht wurde als in Europa.

Dass vor der WM ein Buch mit dem Titel "El Patriota" ("Der Patriot") erschien, sagt einiges.

Keine Flucht

Dabei war Messis Umzug nach Europa keine Flucht aus Argentinien. Eine weitere Zukunft hatte Vater Jorge für seinen Sohn bei den Newell's Old Boys nicht mehr gesehen.

Die notwendigen Kosten für die Behandlungen von Messis Wachstumsstörungen konnte die Familie nicht viel länger aufbringen - und der Verein aus Rosario wollte sie nicht komplett übernehmen.

Schon auf dem kurzen Flug am 15. Februar 2001 von Rosario nach Buenos Aires flossen die Tränen. Die Zeit, die in Barcelona folgte, wurde für Messi auch nicht leicht: Sein argentinischer Akzent erschwerte es dem Neuankömmling in Katalonien.

Das, was er am besten kann und am liebsten macht, half ihm. Messi spielte schon damals so wie er heute spielt, sagen seine Jugendtrainer.

Der Tonangeber

2005 wurde Messi U20-Weltmeister, mit sechs Treffern Torschützenkönig und bereits mit dem legendären Diego Maradona verglichen. 2006 gehörte Messi erstmals zum WM-Team der Argentinier.

Acht Jahre später ist aus dem schüchtern wirkenden Wunderfußballer ein Kapitän geworden, der auch öffentliche Kritik am Trainer nicht scheut. Da und dort wird er sogar bereits als "kleiner Diktator" bezeichnet.

Messi vertraut sich vor allem selbst. Mittlerweile redet der Ausnahmekönner nicht nur bei wichtigen Personalentscheidungen, sondern auch bei der Taktik mit.

Sabella hat die Spielweise seines Teams ganz und gar auf seinen Superstar ausgerichtet. Seither ist dieser auch im Nationaltrikot effizienter geworden. Vier Tore hat Messi bei der WM bisher erzielt, ebenso oft wurde er zum Spieler des Spiels gewählt.

Gelingt ihm ein ähnlicher Auftritt am Sonntag (21.00 Uhr MESZ) auch im WM-Finale im Maracana von Rio de Janeiro gegen Deutschland, wird es sogar etwas geben, das Messi noch lieber in Händen hält als den von ihm so geliebten Ball: die WM-Trophäe, die auch Maradona 1986 in Mexiko gestemmt hat.

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