Neuer fordert gegen Frankreich "mehr als 100 Prozent"

Aufmacherbild
 

WM-Klassiker im Endspiel-Stadion: Nach dem Zittersieg im Achtelfinale gegen Algerien will das deutsche Team in der Fußball-Kultstätte Maracana den nächsten Schritt Richtung angepeilten Titel machen.

"Deutschland gegen Frankreich waren immer Spiele auf einem extrem hohen Niveau mit viel Spannung", erklärte DFB-Coach Joachim Löw vor dem Viertelfinale gegen die "Grande Nation" am Freitag (18.00 Uhr).

Nach einem Pflegetag mit Familientreffen im Campo Bahia schwor der Trainer seine zuletzt matten WM-Spieler gleich auf den nächsten Fußball-Krimi ein.

Drei Tage Eistonne

"Das wird ein enges Spiel", prophezeite Löws Assistent Andreas Köpke, der als Torwart-Trainer erneut besonders auf die Qualitäten von "Libero" Manuel Neuer setzt.

"Wir brauchen elf Spieler auf dem Platz, die zu hundert Prozent fit sind", betonte dagegen der 28-jährige Schlussmann vom FC Bayern, der mit spektakulären Rettungstaten großen Anteil daran hat, dass die deutsche Mannschaft im Maracana-Stadion, in dem am 13. Juli auch das Finale ausgetragen wird, überhaupt noch gegen die in Brasilien bisher überzeugenden Nachbarn antreten darf.

"Wir müssen mehr als hundert Prozent geben, um die Franzosen schlagen zu können", forderte Neuer. Intensiv wurde daher im DFB-Basiscamp an der Atlantikküste bis zur Abreise in die Metropole Rio am Mittwochabend daran gearbeitet, die nach 120 intensiven Minuten gegen Außenseiter Algerien ausgelaugten Spieler wieder fit zu bekommen. "Jetzt lege ich mich erstmal drei Tage in die Eistonne", hatte Abwehrchef Per Mertesacker exemplarisch für die total verausgabten DFB-Kicker erklärt.

Fitnessstand vieler Akteure fraglich

Löw muss zusammen mit Ärzten und Fitnesstrainern genau hinschauen und entscheiden, ob zum Beispiel Bastian Schweinsteiger ("Er war kräftemäßig einfach völlig am Limit") schon wieder bereit ist für den nächsten intensiven WM-Schlagabtausch.

Für die Anstoßzeit in der Mittagssonne von Rio sind mehr als 30 Grad vorhergesagt, das Achtelfinale in Porto Alegre hatte das DFB-Team noch bei 14 Grad bestritten. Cheftrainer Löw will über diese extremen Bedingungen nicht lamentieren: "Eine WM ist kein Spaziergang."

Dennoch bleibt der Fitnesszustand einiger wichtiger Akteure eine Unbekannte. Mats Hummels musste wegen eines Infekts eine Pause einlegen und verpasste das Algerien-Spiel. Auch Torjäger Thomas Müller war erkältet. Lukas Podolski konnte wegen einer Zerrung im Achtelfinale nicht spielen, jetzt will er wieder dabei sein. Andere wie Jerome Boateng schleppen kleinere Blessuren mit. Shkodran Mustafi kann als Abwehr-Alternative wegen eines Muskelbündelrisses in Brasilien überhaupt nicht mehr spielen.

Beträchtliches Verbesserungspotenzial

Ob die erzwungene Lösung im Verlauf des Algerienspiels mit Philipp Lahm als Rechtsverteidiger entgegen Löws vorherigen Aussagen nun doch wieder eine WM-Option werden könnte, ließ der Coach zunächst offen.

"Wenn mich der Trainer rechts stellt, spiele ich rechts", sagte Lahm selbst. Im Achtelfinale sei der Wechsel innerhalb des Spiels "nicht so einfach" gewesen, erklärte der Kapitän. Vor allem, da er länger nicht dort gespielt habe. "Das ist nicht meine Entscheidung", sagte der 30-jährige Lahm.

Unabhängig von diesem Thema sieht Löw im Torabschluss noch ein beträchtliches Verbesserungspotenzial. "Chancenauswertung und Effizienz müssen natürlich besser sein", betonte der Bundestrainer, dessen Achtelfinal-Plan erst in der Verlängerung aufging. Zudem muss die Fehlerquote im Spielaufbau reduziert werden.

Durchgemogelt

Denn so "irgendwie durchgemogelt", wie Andre Schürrle nach dem Achtelfinale feststellte, wird das Team die Aufgabe gegen die wiedererstarkten Franzosen kaum angehen können.

"Je weiter man kommt, umso weniger können wir uns erlauben. Wir müssen uns auf jeden Fall noch steigern", sagte Manager Oliver Bierhoff vor der Neuauflage des WM-Klassikers gegen Frankreich.

Bilanz spricht für DFB

Dreimal sind sich beide Fußball-Nationen bei Weltmeisterschaften bisher begegnet. Vor allem das Drama von Sevilla 1982 hat sich eingebrannt, das von einem bösen Foul von Torwart Toni Schumacher an Patrick Battiston überschattet wurde. Deutschland gewann das Halbfinale im Elfmeterschießen.

Auch 1986 im mexikanischen Guadalajara siegte das DFB-Team im Semifinale 2:0. Nur 1958 in Schweden ging das eher unbedeutende kleine Finale um Platz drei mit 3:6 verloren.

Optimismus schöpfen die deutschen Spieler aus dem jüngsten Aufeinandertreffen mit Frankreich. Beim 2:1 im Februar 2013 in St. Denis/Paris ging Löws Taktik mit einer "falschen Neun" im Angriff voll auf. Es war der erste deutsche Sieg im Nachbarschaftsduell nach fast 26 Jahren. Thomas Müller und Sami Khedira hießen vor knapp 17 Monaten die Torschützen.

Zum Seitenanfang»
Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen