"Wir werden es ihnen unglaublich schwer machen"

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Herz ausschalten und für 90 Minuten Freundschaften, Fußball-Vergangenheit und die eigene Heimat vergessen.

Für US-Coach Jürgen Klinsmann ist die Sache klar. Jetzt geht's ums "Big Business". Um mit den USA sicher das WM-Achtelfinale zu erreichen, muss der ehemalige deutsche Teamchef seinem Freund Joachim Löw am Donnerstag (18.00 Uhr MESZ) in Recife mindestens ein Remis abringen.

"Wir werden es der deutschen Mannschaft unglaublich schwer machen. Das wird ein Hitzespiel, sehr schwer für beide Seiten, dort 90 Minuten fokussiert zu bleiben, keine Fehler zu machen und nach vorne zu spielen", betonte Klinsmann.

Freude und Respekt

Er freue sich auf das Wiedersehen und habe auch viel Respekt, aber man traue sich schon zu, mitzuhalten.

Der Vorgesetzte von Andreas Herzog steht seit Tagen im medialen Mittelpunkt, die Aufmerksamkeit richtet sich voll auf ihn.

Dennoch gibt sich der 49-Jährige gelassen.

Die Freundschaft zu seinem ehemaligen Assistenten Löw werde nicht unter den 90 Minuten leiden, sagt Klinsmann. Und selbstverständlich sei dieses Duell für ihn etwas ganz Besonderes.

Hin- und hergerissen

 "Da stehen dein Stab, den du aufgebaut hast, und Spieler gegenüber, die du kennst und denen du auch die Daumen drückst, dass sie Weltmeister werden. Auf der anderen Seite spielt auch viel Stolz mit, die USA zu repräsentieren", offenbarte der Wahl-Kalifornier.

Klinsmann will "beide Hymnen mitsingen" und geht davon aus, dass sich "beide Mannschaften alles abverlangen und ins Achtelfinale kommen" werden.

Die Konstellation ist einfach: Deutschland führt die Tabelle der Gruppe G mit vier Punkten und 6:2 Toren vor dem punktegleichen US-Team (4:3 Tore) an.

"Gijon fehl am Platz"

Bei einem Unentschieden wären beide Mannschaften weiter. Die daraus resultierenden Fragen nach "einem zweiten Gijon" hält Klinsmann für "fehl am Platz."

Die USA hätten schließlich mit dem ominösen 1:0-Sieg des deutschen Teams bei der WM 1982 gegen Österreich nichts zu tun. Ein - vermeintlich unabgesprochener Nichtangriffspakt - hatte damals beiden das Weiterkommen ermöglicht.

Die Amerikaner könnten sich sogar eine Niederlage erlauben, müssten dann aber darauf hoffen, dass Ghana nicht zeitgleich die bisher enttäuschenden Portugiesen besiegt.

Auf derartige Rechenspiele will sich Klinsmann gar nicht einlassen. Er benutzte vor dem Abflug nach Recife auffällig oft das Wort "K.o.-Runde".

Eine Heimreise nach der Gruppenphase hat er nicht eingeplant.

Jones spielte schon für Deutschland

Klinsmann ist das Gesicht des Duells mit Deutschland.

Doch fünf Spieler, Sonderberater Berti Vogts, Scout Matthias Hamann und Therapeut Niklas Albers stehen im US-Team ebenfalls für "Made in Germany".

Jermaine Jones trug vor seinem Länderwechsel in der A-Nationalmannschaft sogar dreimal das Trikot mit dem Bundesadler.

"Das macht mich sehr stolz, so etwas in einer Fußball-Nation wie Deutschland geschafft zu haben", sagte der gebürtige Frankfurter.

"Ich bin jetzt voll Amerikaner"

Er habe "viele Freunde" im deutschen Team, so Jones, aber für dieses eine Spiel müsse alles ruhen.

"Ich werde ihnen in diesem Spiel nicht die Daumen drücken, aber ansonsten bin ich absolut auf der deutschen Seite."

Ähnliche Töne sind von John Anthony Brooks zu hören.

Der Verteidiger von Hertha BSC ist in Berlin geboren und aufgewachsen und hat sich mit seinem Siegestreffer zum 2:1 gegen Ghana umgehend einen Platz in den Herzen der US-Soccer-Fans gesichert.

"Ich habe natürlich eine deutsche Seite und bin darauf sehr stolz. Aber jetzt bin ich voll Amerikaner", sagte Brooks, der auf der Bank sitzen wird. Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Stürmer Jozy Altidore (Oberschenkelzerrung) ist mit derselben US-Startelf zu rechnen wie beim 2:2 gegen Portugal.

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