Entwicklungshelfer holen Amerikaner vor TV

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In den vergangenen 25 Jahren hat der Fußball in den USA einen steilen Aufstieg hingelegt.

Was einst als skurriler, "unamerikanischer" Zeitvertreib belächelt wurde, zieht heute während der WM fast die ganze Nation in den Bann.

So groß wie für die Truppe von Jürgen Klinsmann war das Interesse für die Nationalmannschaft noch nie.

Der große Durchbruch wird aber trotzdem weiter auf sich warten lassen.

Einschaltquoten steigen stetig

Seit 1990 nahmen die Vereinigten Staaten an jeder Weltmeisterschaft teil. Und jedes Mal vermeldeten die TV-Anstalten steigende Einschaltquoten, während sich die Bars in den Metropolen mit Heerscharen von Fans füllten.

Nach der WM hatte es das Spiel mit dem runden Leder aber stets schwer, sich mit den etablierten Sportarten wie Football, Baseball und Basketball zu messen. Dennoch ist der Fußball in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und zu einem Millionengeschäft mutiert.

Die durchschnittliche Zuschauerzahl in der Major League Soccer (MLS) lag 2012 bei 18.800. Zum Vergleich: Die National Basketball Association (NBA) kam auf einen Schnitt von 17.300, wobei die Teams dort in Hallen und nicht in Stadien beheimatet sind.

Die Liga zählt bereits 19 Mannschaften, nächstes Jahr nehmen New York City FC und Orlando City den Spielbetrieb auf. Zudem ist David Beckham im Besitz einer Lizenz für die Gründung einer Franchise in Miami. TV-Verträge mit Netzwerken wie ESPN oder Fox Sports spülen jährlich 90 Millionen Dollar in die Kassen.

Über 290 Stunden Programm im TV

Die Hauptattraktion im US-Fußball ist allerdings nach wie vor das Nationalteam. Die Disney-Sender ESPN und ABC sind bei allen WM-Spielen live dabei, zeigen zusammen über 290 Stunden Programm. Das sind 50 Stunden mehr als vor vier Jahren, rechnete das Branchenblatt "Variety" vor.

ESPN landete jüngst einen Coup, indem man Landon Donovan als Experten verpflichtete. Der Stürmer von Los Angeles Galaxy, Rekordtorschütze sowohl im Team als auch in der MLS, war von Klinsmann Ende Mai nicht für die WM nominiert worden, woraufhin eine noch nie dagewesene Welle der Kritik über den Deutschen hereinbrach.

Wie noch bei keinem Turnier zuvor fiebert die Nation mit der Mannschaft mit. Die meisten Ticketbestellungen für WM-Spiele trudelten abgesehen vom Gastgeberland Brasilien aus den USA ein.

Herzog: "Hätte ich mir nie gedacht"

"Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie gedacht, dass es in dem Land einmal so eine Fußball-Begeisterung geben kann", sagte Klinsmann-Assistent Andreas Herzog, der seine Karriere 2004 bei L.A. Galaxy beendet hat.

Beim letzten Testmatch gegen Nigeria in Jacksonville erlebte der Wiener hautnah mit, wie vor dem Stadion Tausende enthusiastische Fans ein Spalier für die Nationalspieler bildeten.

Trotzdem müsse man auf dem Teppich bleiben, relativierte Herzog. "Klare Nummer eins sind noch immer andere Sportarten, aber der Fußball holt auf", sagte der ÖFB-Rekordspieler.

Langer Weg zur Gleichstellung

Das bestätigte auch der Sportsoziologe Andrei Markovits. "So einen Hype wie jetzt hat es vor vier Jahren nicht gegeben.

Als Klinsmann Donovan aus dem Team gestellt hat, war das sogar in den allgegenwärtigen Sport-Talkshows im Radio Thema. Dort kommt Fußball sonst fast gar nicht vor", erklärte der Experte von der University of Michigan.

Bis "Soccer" endgültig zu den vier Top-Sportarten Football, Baseball, Basketball und Eishockey aufgeschlossen hat, wird es laut Markovits noch 20 bis 30 Jahre dauern. Allerdings sei heuer ein idealer Zeitpunkt. "Wenn das Team in Brasilien zum Beispiel das Semifinale erreicht, würde das dem Fußball einen enormen Schub geben."

Bei einem Scheitern in der "Todesgruppe" G mit den Gegnern Deutschland, Portugal und Ghana wäre der Vormarsch andererseits auch nur vorläufig gebremst.

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