Klinsmann beschwört nächstes Sommermärchen

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Jürgen Klinsmann jubelte wie 2006 - und träumte im Regen von Recife schon vom nächsten Sommermärchen.

Durch den Einzug ins Fußball-WM-Achtelfinale am Donnerstag trotz eines 0:1 gegen Deutschland hat der US-Teamchef den ersten Teil seines Versprechens eingelöst. Er wolle die USA wieder in die Nähe der Top-Nationen führen, hatte er angekündigt.

Dafür wurde 49-Jährige belächelt. Mittlerweile hat sich der Vorgesetzte von Assistenztrainer Andreas Herzog bei der internationalen Konkurrenz Respekt verschafft und selbst im wenig fußballaffinen Amerika eine ungeahnte Euphorie entfacht.

Der Sportsender ESPN kommentierte auf Deutsch: "Danke Herr Klinsmann."

Auch Obama fiebert mit

Und in der Runde der letzten 16 gegen den keineswegs unantastbaren Geheimfavoriten Belgien am Dienstag in Salvador wollen Jermaine Jones & Co. noch mehr. "Jetzt beginnt ein anderes Turnier, jetzt geht es richtig los", sagte der frühere deutsche Teamchef.

"Die Mannschaft hat Hunger, sie will weiterkommen." Und die Begeisterung in der Heimat nutzen, um Soccer dort noch populärer zu machen.

Vor acht Jahren lag Fußball in der Popularitätsskala amerikanischer Sportfans sogar noch hinter der Profi-Bowling-Tour der Frauen.

Am Donnerstag verfolgte sogar US-Präsident Barack Obama das 0:1 am Fernseher - und zwar über den Wolken im Konferenzraum seines Flugzeuges "Air Force One" auf dem Weg nach Minneapolis, ganz amerikanisch mit Chips, Erdnüssen und Cola, wie auf einem Twitter-Bild zu sehen war.

Klinsmann erneut als Märchen-Onkel

Im Kongress in Washington wurden Abstimmungen verschoben, die Sprecherin des US-Außenministeriums, Marie Harf, zog die tägliche Pressekonferenz extra um mehrere Stunden vor und erschien dann im USA-Sweatshirt. Auch auf Fanmeilen in Chicago oder Kansas City feierten Tausende Soccer-Fans trotz des 0:1 durch Thomas Müller.

In der Arena Pernambuco schallten Klinsmann "USA, USA"-Rufe entgegen. Männer mit riesigen rot-weiß-blauen Hüten und Regenponchos schüttelten ungläubig den Kopf, Frauen in Stars-and-Stripes-Bikinis tanzten ausgelassen auf den Tribünen.

Für Klinsmann fühlte sich die Niederlage gegen seinen Bundestrainer-Nachfolger Joachim Löw wie ein Sieg an. Acht Jahre nach der WM in Deutschland schreibt er mit seiner US-Auswahl gerade sein eigenes Fußball-Märchen 2014.

US-Team verblüfft

In der schweren Gruppe G mit Deutschland, den Portugiesen um Weltfußballer Cristiano Ronaldo und dem starken Ghana führte er die US-Boys als Zweiter ins Achtelfinale. "Wir wachsen mit jedem Spiel und nehmen so viel Gutes mit", sagte der Motivationskünstler.

Nach der Rückkehr ins WM-Quartier setzte Klinsmann sogar noch einen nächtlichen elektronischen Gruß ab. "Zurück in Sao Paulo. Stolz, in der Todesgruppe weitergekommen zu sein, aber wir sind noch nicht fertig", twitterte der Schwabe.

Die US-Auswahl hat Experten und Gegner verblüfft. In allen Spielen präsentierten sich die Kicker topfit, kampfstark und taktisch wie spielerisch gereift.

"Warum überhaupt gegen Belgien?"

"Ich sehe die Chancen bei 50:50. Wer im Achtelfinale steht, hat das verdient. Und die Amerikaner hatten eine schwere Gruppe", sagte Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots. Innenverteidiger Nicolas Lombaerts warnte: "Die USA standen in der Gruppe vor Portugal, also können sie kaum schwächer sein."

Kurz vor WM-Beginn wollten beide Nationen eigentlich ein Testspiel gegeneinander austragen, sagten die Partie aber wegen der Reisestrapazen kurzfristig ab. "Ich habe schon damals gesagt: Wieso spielen wir überhaupt gegen Belgien? Die sehen wir doch im Achtelfinale schon wieder", scherzte Klinsmanns Assistent Herzog.

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