Wo viel Licht, da viel Schatten

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"Drei Tore sind natürlich etwas Herrliches"

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Das 100. WM-Spiel einer deutschen Auswahl wurde zum absoluten Triumphzug.

4:0 gegen Portugal – ein mehr als eindrucksvoller Auftakt.

Denn was wurde vor Turnierstart nicht über die Form der DFB-Auswahl diskutiert. Alles Schnee von gestern. Wieder einmal zeigten die Deutschen, dass sie, wenn es drauf ankommt, da sind.

Überragender Mann des Tages war Thomas Müller.

Der Bayern-Star machte in seinem siebenten WM-Spiel seine Treffer sechs, sieben, acht und zog in der deutschen WM-Torschützenliste mit Rudi Völler gleich.

Zudem war der Angreifer an elf der letzten 20 WM-Tore der Deutschen beteiligt. Und das mit gerade einmal 24 Jahren. Unheimliche Werte. Apropos Alter:  Nur drei Spieler waren bei ihrem achten WM-Treffer jünger als Müller (24 Jahre, 9 Monate, 3 Tage): Eusebio, Leonidas und Gerd Müller.

„Das ist etwas Herrliches“

Dementsprechend glücklich zeigte sich der Teamkollege von David Alaba beim FCB nach Schlusspfiff:

„Drei Tore im Auftaktspiel sind natürlich etwas Herrliches. Da war wieder eines schöner als das andere (lacht). Wenn man nach zwölf Minuten 1:0 führt, gibt einem das natürlich Rückendeckung. Ein 2:0 ist bei dieser Hitze dann schon ein großer Vorteil.“

Die Offensiv-Kraft überzeugte aber nicht nur wegen seiner drei Treffer. Dank seines immensen Laufpensums war er praktisch überall zu finden, wo es gefährlich wurde.

Löw lobt

Daher gab es auch ein Sonderlob von Bundestrainer Jogi Löw. „Thomas hat das vorne schon sehr, sehr gut gemacht. Er hat auch immer wieder Lücken für andere gerissen  und drei Tore erzielt“, so der Schwabe.

Speziell beim ersten Treffer zeigte Müller Nervenstärke, als er in Minute 12 die Courage hatte und nach Foul von Pereira an Götze den folgenden Strafstoß eiskalt verwandelte.

„Weiche Knie? Wenn ich es mir nicht zutraue, den Elfer zu versenken, würde ich nicht zum Punkt gehen“, meinte der 50-fache Internationale selbstbewusst.

„Habe seine Faust gespürt“

Nach dem 2:0 von Mats Hummels (32.) sorgte Deutschlands Nummer 13 indirekt für die Vorentscheidung, nachdem Pepe nach einem Foul und einer anschließenden Kopfnuss an ihm die Rote Karte sah (37.).

„Ich habe die Bilder im TV noch nicht gesehen. Ich hoffe, dass es nicht blöd ausgesehen hat und ich mich gut aus der Affäre gezogen hab. Ich hab einen Schlag mit der Faust gespürt“, lautete seine Meinung zum Ausschluss des Portugiesen.

Das 3:0 (45.+1) und das 4:0 (78.) ließen den Arbeitstag schlussendlich entspannend ausklingen. „Schön, dass wir heute mit so einem Sieg nach Hause fahren, aber wir sind noch lange nicht am Ende. Portugal ist eine Supermannschaft. Unsere Mannschaft hat heute sehr, sehr gut gearbeitet“, analysierte Kapitän Philipp Lahm.

Hummels angeschlagen

Einziger Wermutstropfen: Hummels schied in der Schlussphase verletzt aus. "Ich habe einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen. Ich hoffe, dass es nicht so schlimm ist, dann sollte das in zwei oder drei Tagen gegessen sein“, meinte der BVB-Verteidiger.

Auch Löw ist optimistisch: „Sein Muskel hat zugemacht. Ich gehe aber davon aus, dass das nicht dramatisch ist."

Dramatisch ist hingegen die Situation im portugiesischen Lager. Nicht nur die höchste Niederlage bei einer Endrunde lassen die Alarmglocken läuten.

Coentrao und Almeida verletzt

Fabio Coentrao und Hugo Almeida wurden mit Verletzungen verloren. Laut Teamchef Paulo Bento „sieht es bei beiden nicht so gut aus. Sie haben Muskelverletzungen. Das braucht seine Zeit, um zu heilen.“ Dazu die folgende Rot-Sperre von Pepe.

Demzufolge nüchtern fiel die Spiel-Analyse des 44-Jährigen aus: „Wir haben schon in der ersten Halbzeit das Spiel verloren, in der zweiten Halbzeit war nichts mehr zu retten. Wir haben einiges versucht, aber das Ergebnis nur noch gehalten. Deutschland hat sehr gut gespielt. Da war nichts zu machen. Abgesehen von den ersten fünf Minuten haben wir nie in das Spiel gefunden.“

Und Ronaldo? Der Superstar hatte zwei gute Szenen in der Anfangsphase und eine am Schluss. Ansonsten war der Weltfußballer ein Schatten seiner selbst. Er konnte dem Spiel nie seinen Stempel aufdrücken und hatte die wenigsten Ballkontakte aller Akteure, die über 90 Minuten am Platz standen.

Portugiesische Medien geschockt

In der Heimat reagierte man daher völlig geschockt auf den ersten WM-Auftritt der „Seleccao“.  Die Sportzeitung "Record" schrieb von einem "Horrorfilm in Salvador" und einem "schwarzen Auftakt". "A Bola" bezeichnete das Spiel einen "riesigen Albtraum" und eine "krachende Niederlage".

Die große Tageszeitung "Diario de Noticias" brachte die Ereignisse auf den Punkt: „Die Deutschen überfahren die Nationalmannschaft mit einer Fußball-Gala. Der Platzverweis und die Verletzungen erschweren das, was schon schwierig ist, noch mehr."

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