Suche nach der neuen deutschen Stürmer-Generation

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Deutschland und die Stürmer – das passte über viele Jahrzehnte.

Gerd Müller, der „Bomber der Nation“, stand nur sinnbildlich für eine goldene DFB-Generation, die ihr Heil in der Offensive suchte.

Namen wie Rudi Völler, Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff oder Karlheinz Riedle fügen sich nahtlos in diese Reihe ein.

In jüngerer Vergangenheit trugen Miroslav Klose und Mario Gomez die schwarz-rot-goldenen Fahnen hoch – doch auch diese Generation steht kurz vor der Ablöse.

Festhalten an aussterbender Generation

Das stellte Bundestrainer Joachim Löw mit der endgültigen Kaderbekanntgabe für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien unter Beweis.

Gomez, seines Zeichens 59-facher deutscher Teamspieler und 25-facher Torschütze, wurde nach einer von Verletzungen gepflasterten Saison vollends ignoriert. Das Aus für einen Routinier.

Nicht einmal für den vorläufigen Kader wurde der Fiorentina-Stürmer berücksichtigt, die Ausbootung vor seinem vierten Großereignis war somit besiegelt.

An Miroslav Klose hielt Löw dann aber doch fest. Der Lazio-Angreifer wird mit mittlerweile 36 Jahren (Geburtstag: 9. Juni) seine vierte WM am vierten Erdteil erleben.

Stürmer-Hoffnungen ruhen auf 36-Jährigem

Das Besondere daran: Trotz des fortgeschrittenen Alters und der Verletzungsanfälligkeit in den vergangenen Monaten steht der Routinier als einziger wahrer Stürmer im DFB-Kader.

Doch auch Klose gehört zu jener aussterbenden Sorte Stürmer-Typen. Der Stoßstürmer traf vor seinem 69. Teamtreffer gegen Armenien, mit dem er Gerd Müllers Rekord übertrumpfte und nun alleiniger deutscher Rekord-Torschütze ist, zuletzt im September vergangenen Jahres ausgerechnet gegen Österreich und erzielte somit nur zwei der letzten 28 DFB-Treffer.

Die Chance, sich in Brasilien zum erfolgreichsten WM-Torschützen aller Zeiten zu küren, will sich der Oldie aber nicht entgehen lassen. Nur ein Treffer fehlt ihm noch auf die Bestmarke des brasilianischen Ausnahmestürmers Ronaldo (15).

Doch wie geht es an vorderster Front des deutschen Nationalteams nach der auslaufenden Ära Kloses, der für 2015 sein Karriereende ankündigte, und Gomez‘ weiter?

Keine Chance für Thronfolger im Angriff

Die ersten Anwärter auf die Thronfolge waren zuletzt etwa Hoffenheims Kevin Volland (11 Saisontreffer), Gladbachs Max Kruse (12) oder der von Hertha BSC an den HSV verliehene Pierre-Michel Lasogga (13), der im Kader stand, jedoch noch kein Länderspiel bestritt – alle durften schnuppern, aber nicht mehr.

Volland schaffte es immerhin in den vorläufigen Kader Löws, wurde aber trotz mangelnder Alternativen an klassischen Strafraum-Vollstreckern zu Hause gelassen.

Bei Kruse wird spekuliert, dass ihm ein Frauenbesuch am Hotelzimmer im Rahmen des Länderspiels in England zum Verhängnis geworden sein soll. Andere wurden nicht rechtzeitig für den großen Showdown in Brasilien fit.

Um Möglichkeiten darüber hinaus beraubte sich der ehemalige FC-Tirol- und Austria-Trainer teilweise auch selbst.

Selbst um weitere Alternativen beraubt

Etwa im Fall von Stefan Kießling, der seinen Torriecher über die letzten Jahre kontinuierlich unter Beweis stellte, jedoch vom DFB mit Ignoranz bestraft wurde.

Ehe der Leverkusen-Stürmer selbst erklärte, im Fall der Fälle nicht mehr für seine Landesfarben auflaufen zu wollen.

In einer Werbung für einen Baumarkt nimmt der Vollblut-Angreifer unter dem Slogan „Zu Hause bleibt sich's am besten mit Obi“ seine Situation im Nationalteam selbst auf die Schaufel.

Doch wer soll bei Deutschland die Tore schießen? Diese Frage stellen sich die erfolgsverwöhnten Deutschen und setzen das Trainerteam unter Druck.

„Falsche Neun“, aber kein Stoßstürmer

Eine „falsche Neun“ ist im heutigen Fußball-Geschäft keine Seltenheit mehr und bescherte etwa Spanien große Erfolge. Oft stellt sich jedoch die Frage nach den Alternativen.

Mit Thomas Müller, Mario Götze und Co. besitzt Löw Spieler, die an vorderster Front bereits Erfahrungen sammeln durften, jedoch bei weitem nicht als Stoßstürmer bezeichnet werden können.

Mit Ausnahme von Klose fehlen wahre Brecher im Kader ebenso wie Kopfballungeheuer. Diese sind in der deutschen Auswahl eher in der Viererkette zu finden.

Kritik hagelt es von allen Seiten. Das Abschneiden am Zuckerhut wird von allen Seiten ganz genau beäugt.

Erfolg würde Löw recht geben

Zwar wäre es ebenso töricht gewesen, die Stürmer-Hoffnungen auf DFB-Youngsters ruhen zu lassen, die kaum Spielpraxis im A-Team aufzuweisen haben. Zumindest um Optionen vor Ort zu haben, wäre der eine oder andere aber allemal gut genug gewesen.

Doch Löw verteidigt seine Vorgehensweise. Diese ist vom Erfolg abhängig.

Doch es geht weit um mehr als nur das Abschneiden beim großen Showdown in Südamerika.

Es geht um den Aufbau einer neuen Stürmer-Generation, denn die alte ist längst vom Aussterben bedroht.


Alexander Karper

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