Herzog: "Können bei WM jedem Paroli bieten"

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Mit der Reise nach San Francisco zum Teamcamp der US-Nationalmannschaft am kommenden Dienstag beginnt für Andreas Herzog der letzte Countdown für die Fußball-WM.

Im Interview machte sich der Wiener Assistent von Chefcoach Jürgen Klinsmann und ÖFB-Rekordinternationale Gedanken über die Chancen seiner Truppe in Brasilien und auch über die österreichische Auswahl.

Frage: Wie schätzen Sie die Aufstiegsmöglichkeit der USA in der "Horrorgruppe" mit Deutschland, Portugal und Ghana ein?

Andreas Herzog: Die Trauben hängen hoch, doch wir rechnen uns schon etwas aus. In so einer Gruppe muss man zwar realistisch sein. Es kann aber sein, dass wir weiterkommen, wenn alles perfekt passt. Im taktischen Bereich müssen wir richtig gut sein und das Fitness-Level muss hoch sein. Wir haben auf jeden Fall das Selbstvertrauen und die Überzeugung, dass wir jedem Gegner Paroli bieten können.

Frage: Wie geht der US-Betreuerstab mit der zusätzlichen Belastung der weiten Reisen vom Teamcamp in Sao Paulo zu den Spielorten Manaus, Recife und Natal um?

Herzog: Es wird schon mühsam, aber die Amerikaner sind absolute Topprofis. Unsere ärztliche Betreuung ist hervorragend, da wird mit Methoden gearbeitet, die ich vor ein, zwei Jahren noch gar nicht gekannt habe. Zum Beispiel beginnen wir bei der Rückreise schon im Flugzeug mit den Therapien zur Erholung.

Frage: Welchen Beitrag zu diversen Innovationen im US-Team leistet Nationaltrainer Jürgen Klinsmann?

Herzog: Die Regenerationsübungen kommen von unseren Physios, aber Klinsmann hat prinzipiell viel verändert und orientiert sich immer an Neuem. Außerdem hat er unser WM-Quartier selbst ausgesucht, kennt schon die Gegebenheiten vor Ort. Das ist ein riesiger Vorteil. Wir trainieren auf dem Trainingsgelände des FC Sao Paulo, das ist das beste in ganz Brasilien.

Frage: Wie sind die Rollen innerhalb des Trainerstabs verteilt?

Herzog: Wir diskutieren über alles gemeinsam, die Letztentscheidung trifft Klinsmann. Es kann sein, dass ich durch den Wechsel von Martin Vasquez zu Tab Ramos (Anm.: Klinsmann nahm die Assistenztrainer-Rochade Ende März vor) noch mehr in der Verantwortung bin, was natürlich reizvoll ist. Ich habe schon jetzt die Übungen für das WM-Trainingslager im Großen und Ganzen zusammengestellt.

Frage: Welche persönlichen Erfahrungen erwarten Sie sich von der WM?

Herzog: Es wird riesig. Es war schon als Spieler ein Traum, an einer WM teilzunehmen, auch jetzt als Trainer ist es ein Wahnsinn, noch dazu in so einem Fußball-Land wie Brasilien und mit einem anderen Land als Österreich. Dadurch lernt man andere Menschen und Gegebenheiten kennen.

Frage: Wie wichtig wird die WM für Ihre weitere Entwicklung als Trainer?

Herzog: Das ist ein nächster wichtiger Lernprozess. Ich will und muss immer auf dem höchsten Level sein, nicht nur jetzt, auch in Zukunft. Mit dem Wissenstand von 2014 kann man 2020 keine Mannschaft mehr trainieren, dazu verändert sich der Fußball zu schnell.

Frage: Wie schaut Ihre berufliche Zukunft nach der WM aus?

Herzog: Das weiß ich noch nicht. Es wird auch davon abhängen, wie die WM läuft. Es kann sein, dass ich so wie Klinsmann vier Jahre beim US-Team verlängere. Es kann auch sein, dass ich in Europa einen Klub übernehme, da bin ich nach allen Seiten offen. Ich werde das machen, was mir am meisten zusagt und werde sicher nichts erzwingen.

Frage: Wie sehr schmerzt es noch, dass Sie nicht österreichischer Teamchef geworden sind?

Herzog: Dieses Thema interessiert mich nicht, ich habe derzeit andere Ziele. Ich habe eine Zeit lang sehr darauf gehofft, weil ich noch naiv war und nicht gewusst habe, dass im Trainerjob viele andere Faktoren dazukommen. Früher habe ich gesagt, ich möchte der nächste Teamchef sein, aber das werde ich nie wieder sagen - warum sollte ich mich unter Druck setzen? Wenn es einmal der Fall sein sollte, würde ich mich freuen, wenn nicht, freue ich mich genauso, wenn ich woanders Trainer bin.

Frage: Wie beurteilen Sie die jüngste Entwicklung der ÖFB-Auswahl?

Herzog: Sie hat sich unter Koller noch einmal weiterentwickelt. Das ist einerseits logisch, weil eine ganz gute Generation herangewachsen ist. Ich denke aber schon, dass es auch dank der Fähigkeiten von Koller gelungen ist. Doch schlussendlich hat man es nicht zur WM geschafft, deswegen wäre es wichtig, die kommende EM-Quali zu schaffen, sonst ist diese Generation auch schon wieder ein bisschen gebrandmarkt. Ich glaube aber, dass sie es diesmal schaffen werden - Fakt ist, durch die EM-Aufstockung ist die Chance so groß wie nie. Außerdem sind die Spieler noch erfahrener und hoffentlich noch hungriger geworden.

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