Das "H" in der Suppe

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Erfahrene Legionäre und eine lange Durst-Strecke

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Rumänien, Tschechien, Türkei, Österreich,...

Die Liste jener Länder, die in der Weltrangliste hinter der nicht gerade als „Großmacht“ verschrienen Fußball-Nation Honduras liegen, ist lang.

Mehr als 170 Teams listet die FIFA hinter den Mittel-Amerikanern, die sich mit Serbien den 30. Platz im Ranking teilen.

Zum dritten Mal in der Geschichte nimmt die Auswahl, die von den Fans nur „La H“  genannt wird, an einer WM-Endrunde teil. Zum Auftakt trifft Honduras am 15. Juni auf Gruppen-Favorit Frankreich und das noch dazu zur europäischen Prime-Time (21:00 Uhr).

Spätestens dann werden sich auch die hartgesottenen Fans die Frage stellen: Was steckt hinter Honduras? LAOLA1 schafft Klarheit und stellt den großen Unbekannten vor.

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Fußball ist im Acht-Millionen-Einwohner-Staat Honduras nicht nur Nationalsport, sondern auch Ablenkung. Bis zu 80% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Jugendkriminalität und Arbeitslosigkeit prägen die unabhängige Demokratie, in der sich auch US-Sportarten wie Baseball und Basketball Beliebtheit erfreuen.

Die größten sportlichen Erfolge verzeichnet(e) Honduras jedoch im Fußball. Bereits 1982 qualifizierte sich „La H“ erstmals für die WM-Endrunde. Gegen Gastgeber Spanien (1:1), Nordirland (1:1) und Jugoslawien (0:1) reichte es aber nicht für den Aufstieg in die zweite Gruppen-Phase.

Noch unbefriedigender verlief der Auftritt 2010 in Südafrika, als die Honduraner nach Niederlagen gegen Chile (0:1), Spanien (0:2) und einem 0:0 gegen die Schweiz, torlos die Heimreise antreten mussten.

Von einem Misserfolg spricht im überwiegend katholischen Land dennoch niemand, obwohl Honduras zumindest noch bis zum 15. Juni auf den ersten Sieg bei einer Fußball-Weltmeisterschaft warten muss.

Veränderungen

Im Hinblick darauf leiteten die Mittel-Amerikaner zwischen Südafrika und den Olympischen Spielen von London 2012 einen Umbruch ein.

Der kolumbianische Teamchef Reinaldo Rueda trat nach vier Jahren im Amt ab, Rekord-Nationalspieler Amado Guevara und andere Akteure taten es im gleich. Auch Rekord-Torschütze Carlos Pavon (57 Treffer) streifte das Trikot der National-Mannschaft in Südafrika ein letztes Mal über.

Rueda wechselte nach Ecuardor und einer seiner dortigen Vorgänger, Luis Fernando Suarez, stieg zum Teamchef der Honduraner auf. Der 54-Jährige hatte sich bereits zuvor im Nachwuchs-Bereich einen Namen gemacht. Seine diesbezügliche Erfahrung kam ihm bei den Olympischen Spielen in London zu Gute, als er mit Honduras überraschend bis ins Viertelfinale vorstieß.

In der jüngeren Vergangenheit ließ "La H" auch beim "Gold Cup", der Kontinentalmeisterschaft Nord-, Mittelamerikas und der Karibikzone, aufhorchen. Bei den fünf Austragungen zwischen 2005 und 2013 erreicht Honduras viermal das Halbfinale. Auf einen Sieg, der nur über die USA und Mexiko führt, wartet man jedoch seit 1981 vergebens.

Erfahrung

Dass die Honduraner gegen diese bestehen können, haben sie zuletzt bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft bewiesen. Die Suarez-Equipe schlug „El Tri“ sogar erstmals im legendären Azteken-Stadion von Mexico City (2:1).

Dieser Sieg und die starke Punktausbeute vor eigenem Publikum - unter anderem ein 2:1 gegen die USA - ebneten der Seleccion sogar den direkten Weg nach Brasilien, während Mexiko in die Relegation gegen Neuseeland gehen musste.

Wirft man einen Blick auf den Kader der honduranischen Nationalmannschaft, kommen diese Erfolge gar nicht so überraschend. Die 23-WM-Fahrer der „Bicolor“, wie das Team auch genannt wird, bringen es zusammen auf 1035 Länderspiele. Im Schnitt absolvierte jeder Akteur also bereits 45 Länderspiele.

Finale Qualifikations-Phase (CONCACAF)
Spiele Punkte Qualifikation
1. Vereinigte Staaten
10 22 direkt
2. Costa Rica
10 18 direkt
3. Honduras
10 15 direkt
4. Mexiko
10 11 Relegation geg. NZL
(5. Panama)
10 8
(6. Jamaika)
10 5

Unter den WM-Startern haben nur die Kicker aus Spanien (49) und Uruguay (47) durchschnittlich mehr Team-Einsätze auf dem Buckel. Leader des Teams ist Goalie-Oldie Noel Valladares. Der 37-Jährige wird gegen Frankreich sein 121. Spiel für „La H“ bestreiten.

England-Quartett führt Auswahl an

Von den 23 für die Endrunde genannten Spielern verdienen vier ihr Geld in der US-amerikanischen Major League Soccer. Victor Bernardez (San Jose Earthquakes), Marvin Chavez (Chivas), Boniek Garcia (Houston Dynamo) und Jerry Bengtson (New England Revolution) sind dem MLS-interessierten Fußball-Fan durchaus ein Begriff.

Team (Kaderstärke) Länderspiele durchsch./Spieler
Spanien (29)
1430 49
Uruguay (25)
1175 47
Honduras (23)
1035 45

Emilio Izaguirre ist einer von fünf Legionären auf den britischen Inseln

Bekanntheit in Europa erlangten aber vor allem die in Großbritannien aktiven Legionäre im Kader der Mittel-Amerikaner. Emilio Izaguirre zum Beispiel. Der Links-Verteidiger von Celtic Glasgow  wurde in der Vergangenheit vom schottischen Verband bereits zum Spieler des Jahres gewählt (2011). Oder Maynor Figueroa, der bei Hull City einen Stammplatz hat.

Arnautovic-Teamkollege Wilson Palacios absolvierte für Tottenham, Wigan und die „Potters“ bislang 147 Premier-League-Spiele. Auch Teamchef Suarez baut auf den 29-Jährigen. „Wilson ist unser Thermometer und angesichts seiner internationalen Erfahrung zweifellos einer unserer Schlüsselspieler."

Weltmeister als Motivator

Honduras leitet sich im Übrigen aus dem spanischen Wort für „Tiefe“ (hondura) ab, weil Christoph Kolumbus anno 1502 das Meer der Küste als nicht gerade seicht befand. Ob dies auch für den 23-Mann-Kader der Fußball-Nationalmannschaft gilt, darf bezweifelt werden.

Das Team ist zwar mit emsigen Arbeitern der Marke Palacios oder Figueroa gespickt, insgesamt aber wohl nicht tief genug besetzt. Verletzungen, Sperren oder Auswechslungen während des Spiels könnten die Qualität der Suarez-Elf schnell sinken lassen. Außerdem fehlt der absolute Star, der eine Partie entscheiden könnte.

Dennoch dürfen sich besonders Frankreich und die Schweiz nicht wundern, wenn ihnen „La H“ kräftig in die Suppe spuckt und ins Achtelfinale einzieht. Zu Motivationszwecken engagierte Suarez deshalb den argentinischen Ex-Weltmeister Jorge Valdano. Der Sieg-Torschütze aus dem Endspiel 1986 soll das Team mit Vorträgen auf das Turnier vorbereiten.

Auch ohne Valdanos Expertise ist Honduras allemal dafür gut, einen der Favoriten hinter sich zu lassen. Frag nach bei Mexiko.

 

Kevin Bell

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