Englands team in Rio im "goldenen Käfig"

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Eigentlich sollten sich Englands Fußball-Teamspieler in ihrem WM-Quartier in Rio de Janeiro wie im siebenten Himmel fühlen.

Das Hotel liegt am Strand im noblen Viertel Leblon, das Trainingszentrum befindet sich ebenfalls am Meer und außerdem noch direkt am Fuße des Zuckerhuts.

Und dennoch ist es für Wayne Rooney und Co. nicht mehr als ein Aufenthalt im goldenen Käfig.

Keine Ausflüge möglich

Ein Sprung in den Atlantik, ein Sightseeing-Trip durch die Stadt oder ein Cocktail an der Copacabana - davon können die Engländer nur träumen. Bei den vielen tausend WM-Fans in Rio gibt es für sie keine Chance auf Anonymität.

Als sich zwei Tage vor dem Italien-Spiel einige Kicker aus dem Hotel wagten und den Strand entlang spazieren wollten, waren sie sofort von einer Menschentraube umringt.

Zahlreiche Sicherheitskräfte mussten ausrücken und die Spieler wieder ins Hotel bringen. Ab diesem Zeitpunkt wurde kein englischer Internationaler mehr bei einem Defilee gesichtet.

Training auf Militärbasis

Auch im Training sind die "Three Lions" abgeschottet.

Das Übungszentrum der Mannschaft von Roy Hodgson liegt genauso wie das Pressezentrum des Verbandes (FA) im einige Kilometer von Leblon entfernten Stadtteil Botafogo - und zwar mitten in einer brasilianischen Militärbasis.

Auf dem rund hundert Meter langen Weg vom Haupteingang bis zum Tor des Pressezentrums begegnen die Journalisten einem guten Dutzend Männern in Soldatenkluft mit teilweise grimmigem Blick.

Der Arbeitsbereich der Medienvertreter ist so wie nahezu jedes geschlossene Gebäude in Rio auf gefühlte 20 Grad unter der Außentemperatur heruntergekühlt.

"Spionage" vom Zuckerhut

Unter diesen Bedingungen tauten Frank Lampard und Raheem Sterling bei der Dienstag-Pressekonferenz nicht wirklich auf - ihre Antworten auf die Fragen klangen wie vorgefertigte Mitteilungen der FA-Medienstelle.

Nach getaner Arbeit machte sich das Duo auf zum Training - das natürlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

In dieser Einheit sollten letzte taktische Varianten für das Uruguay-Spiel eingeübt werden, also wollte Hodgson keine Spionagetätigkeiten des Gegners zulassen.

Von einem echten Geheimtraining konnte aber keine Rede sein: Touristen mit gutem Feldstecher wären ohne weiteres in der Lage gewesen, vom Gipfel des knapp 400 Meter hohen Zuckerhuts die englische Aufstellung für das Match am Donnerstag zu erspähen.

Kein Kontakt zu Spielerfrauen

Die Teamspieler hingegen blicken zwar fast täglich auf den Zuckerhut hinauf, aber wohl nie von ihm herab.

"Wir müssen uns eben gut vorbereiten, da kann man keine Ablenkung gebrauchen", meinte Lampard. Nicht einmal die berühmten "WAGs" (Wives and Girlfriends) der Spieler können für Zerstreuung sorgen.

Sie dürfen zwar - wie etwa Coleen Rooney - auf eigene Faust nach Brasilien reisen, Kontakt zu ihren Liebsten ist ihnen aber offiziell untersagt.

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