Deutschland-Legionäre bilden das Grundgerüst

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So früh wie fast kein anderer hat der japanische Teamchef Alberto Zaccheroni seinen endgültigen 23-Mann-Kader für die bevorstehende WM-Endrunde in Brasilien bekanntgegeben.

Insgesamt zwölf Legionäre umfasst das Aufgebot, gleich sieben davon kommen aus der ersten oder zweiten deutschen Bundesliga. Ein Trend, der spätestens seit dem äußerst erfolgreichen Gastspiel des trickreichen und talentierten Shinji Kagawa bei Borussia Dortmund nicht mehr wirklich verwunderlich ist.

Japanische Fußballer sind in Deutschland so gefragt wie nie. Man schätzt ihre Werte, spielerische Klasse und schenkt ihnen mehr und mehr Vertrauen. Das war allerdings nicht immer so. Lange Zeit war es für japanische Akteure ein schwieriges Unterfangen, in der höchsten deutschen Spielklasse Fuß zu fassen.

Den Anfang hierbei machte Yasuhiko Okudera, als es ihn im Jahr 1977 zum 1. FC Köln verschlug. Insgesamt neun Saisonen konnte er sich in Deutschland behaupten und spielte nach drei Jahren in Köln noch für Hertha BSC Berlin (1980-1981) und Werder Bremen (1981-1986) - insgesamt 234 Spiele.

Japaner-Boom im neuen Jahrtausend

Zeitgleich wagte sich bereits ein zweiter Japaner in unser Nachbarland. Kazuo Ozaki hieß jener Angreifer, der 1983 bei Arminia Bielefeld anheuerte und dem Klub bis 1985 treu blieb. In der Saison 1988/89 folgte dann noch ein Kurzgastspiel beim FC St. Pauli.

Nach diesen beiden Pionieren dauerte es lange, bis sich erneut ein Spieler aus Fernost in die deutsche Bundesliga verirrte. Maßgeblichen Anteil daran, dass sich dies im neuen Jahrtausend änderte, hatte Thomas Kroth.

Der Ex-Profi begann nach seiner aktiven Karriere als Spielerberater bzw. Agent zu arbeiten und baute sich in Japan eine Marktposition sowie ein unvergleichliches Netzwerk auf. Stürmer Naohiro Takahara war im Jahr 2002 der erste jener neuen Generation, die erfolgreich nach Deutschland vermittelt werden konnte. Nach vier Jahren beim HSV (2002-2006) folgten für ihn noch zwei Saisonen bei Eintracht Frankfurt (2006-2008).

Danach ging es schließlich Schlag auf Schlag. Junichi Inamoto, Shinji Ono, Yoshito Okubo, Makoto Hasebe, Kisho Yano, Atsuto Uchida und Shinji Kagawa fanden alle bis 2010 den Weg in die Bundesliga. Aus diesem Septett waren Hasebe (1. FC Nürnberg) und Uchida (FC Schalke 04) diese Saison noch immer bei einem Bundesligisten aktiv.

Dazu waren diese Spielzeit mit den Verteidigern Hiroki Sakai (Hannover 96), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), dem Mittelfeld-Akteur Hiroshi Kiyotake (1. FC Nürnberg) und Stürmer Shinji Okazaki (FSV Mainz 05) noch vier weitere Spieler Teil einer Bundesliga-Mannschaft. Zusätzlich war Yuya Osako beim Zweitligisten 1860 München tätig und schafft nun mit seinem Wechsel zum von Peter Stöger trainierten Bundesliga-Aufsteiger Köln ebenfalls den Sprung in die erste Liga.

Fleißigen Asiaten liegt moderner Fußball

Gründe für den jüngsten Erfolg der Spieler aus dem Land der aufgehenden Sonne gibt es einige. Ein großer Pluspunkt, den die Japaner haben, ist sicherlich ihre Einstellung. Asiaten gelten gemeinhin als sehr fleißige und akribische Arbeiter, beides Eigenschaften, die in der heutigen Fußballwelt gerne gesehen und diszipliniert von ihnen vor allem in Deutschland ausgelebt werden.

Zudem hat schon der deutsche Internationale Pierre Littbarski, der sowohl als Spieler als auch als Trainer in Japan aktiv war, früh erkannt, dass ihnen der Stil des modernen Fußballs liegt. "Das Spiel zwischen den Linien kommt den Japanern sehr entgegen, da sie sehr beweglich sind, auf engstem Raum agieren können und eine sehr gute Technik haben. Da haben sie gerade im Mittelfeld große Vorteile gegenüber einem Spieler, der ein wenig größer und schlaksiger ist. Das ist im Moment gefragt", meinte er in einem Interview gegenüber „bundesliga.de“ im vergangenen Jahr.

Kagawa verzauberte die Fans der deutschen Bundesliga mit seiner Technik

Wie bereits erwähnt, hat Shinji Kagawa dies während seiner Zeit bei Borussia Dortmund in Perfektion vorgeführt. Und seit damals ist auch klar, dass Japaner nicht nur mehr als brave Mitläufer und Ergänzungsspieler gelten, sondern absolutes Star-Potenzial – zumindest in der deutschen Bundesliga – besitzen.

Auch Ex-Frankfurt-Trainer Armin Veh schwärmte über die Fähigkeiten seines damaligen Schützlings Takashi Inui, der es aufgrund weniger Einsätze im Frühjahr nicht ins WM-Aufgebot schaffte, in den höchsten Tönen: „Ich hatte schon einige Weltklassespieler, aber was Inui bei der Ballannahme und bei der Weiterverarbeitung kann, habe ich noch bei keinem gesehen."

Aufstieg ist realistisch

Man ist im japanischen Nationalteam also mittlerweile auf einer Ebene angelangt, auf der die Spieler aus der deutschen Bundesliga das Grundgerüst und die Eckpfeiler des Kaders bilden. Einem Kader, dem dieses Jahr wahrscheinlich noch nicht der ganz große Wurf zuzutrauen ist.

Dennoch liegt in der relativ ausgeglichenen Gruppe mit Kolumbien, Griechenland und der Elfenbeinküste der Aufstieg auf jeden Fall im Bereich des Möglichen und mit etwas Glück, könnte man sogar nach dem Gruppensieg greifen.

Man würde damit zum dritten Mal bei den letzten vier Weltmeisterschaften ins Achtelfinale einziehen. Dort hätte man schließlich die Gelegenheit, endlich auch diese Hürde zu nehmen und das beste Resultat bei einer WM-Endrunde zu fixieren. Doch egal ob es heuer dazu kommt, oder nicht. Klar ist auf jeden Fall, dass sich die japanischen Fußballer in den letzten Jahren einen Namen gemacht haben, nicht nur in Deutschland.

 

Marc Schwarz

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