"Für solche Spiele lebt man"

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Robbens Revanche: "Es war ein großes Spiel"

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„Eine Revanche ist erst möglich, wenn wir weiterkommen und uns am Ende im Finale wieder gegenüberstehen“, sagte Arjen Robben vor dem Spiel.

Nach dem 5:1-Wahnsinn seiner Niederlande gegen Spanien ist klar: Das war definitiv eine Revanche für das verlorene WM-Finale 2010. Und vor allem war es auch eine Ansage in Richtung WM-Titel 2014.

"Genießen, genießen, genießen"

„Für solche Spiele lebt man. Jetzt heißt es für einige Stunden genießen, genießen, genießen“, meinte der Bayern-Superstar kurz nach Abpfiff. „Wir haben das super gemacht“, so der Linksfuß weiter.

„Es ist einfach unglaublich, unerklärlich, unbeschreiblich. Das ist ein Traum für unser ganzes Land. Aber es sind auch nur drei Punkte, das ist die Realität“, jubelte Robin van Persie nach dem ersten Kracher der noch so jungen WM in Brasilien.

5:1 gegen den Champ – es war wirklich kaum zu fassen.

Dabei lief es beim Titelverteidiger noch vor der Pause in die richtige Richtung.

Das verhinderte Tiki-Taka

Der Weltmeister, der zwei Mal die EM und einmal die WM in den letzten sechs Jahren für sich entscheiden konnte, ging nach knapp einer halben Stunde in Führung.

Diego Costa rutschte weg, Schiedsrichter Rizzoli gab Elfmeter – die nächste Fehlentscheidung (Hier zur Story) – und Xabi Alonso nutzte diesen zur Führung.

Dabei hatte Wesley Sneijder die erste gute Möglichkeit im Spiel, scheiterte aber an Torhüter Iker Casillas.

Die Iberer hatten vor der Pause mehr von der Partie, doch über die 90 Minuten wollte das berühmte Tiki Taka nicht so funktionieren, obwohl der Titelverteidiger wie immer mehr Ballbesitz hatte (64:36 Prozent).

Robin van Persie ist der fliegende Holländer

Holland, das von Trainer Louis van Gaal defensiver ausgerichtet wurde, schlug kurz vor der Halbzeit eindrucksvoll zurück.

Mit dem Konterpart zum Kurzpassspiel, nämlich dem langen Zuspiel nach vorne: Einen solchen von Daley Blind übernahm van Persie überaus sehenswert per Flugkopfball zum 1:1.

Seine Einlage hatte sich Stunden später bereits zum Internet-Klassiker („Der fliegende Holländer“) entwickelt, er und Arjen Robben waren nachher auch als „BatVan und Robben“ (angelehnt an Batman und Robin) bekannt.

„Wir müssen das akzeptieren“

Der Höhenflug ging nach der Pause noch in die Geschichte ein. Noch nie verlor ein regierender Champ sein Auftaktspiel so hoch, maximal mit einem Tor Unterschied.

Italien war 1950 Schweden 2:3 unterlegen, Argentinien 1982 Belgien und 1990 Kamerun jeweils 0:1. Zuletzt konnte Senegal 2002 Frankreich mit einem 1:0-Sieg überraschen. Aber ein 5:1, das gab es in der WM-Geschichte noch nie.

Eines hatten beide Teams nach diesem Wahnsinns-Auftakt in Gruppe B gemein. Sie blieben ruhig.

„Wir müssen auf dem Boden bleiben und unseren Fokus aufs nächste Match gegen Australien richten“, betonte Robben.

Bei Spanien heißt es indes Wunden lecken. „Wir haben uns selbst in diese schwierige Situation gebracht, jetzt müssen wir diese Lage gemeinsam lösen. Das heißt, wir müssen das nächste Spiel gegen Chile gewinnen, das wird schwierig genug“, ist del Bosque die Situation bewusst.

„Für uns ist es unheimlich kompliziert“

Auch Iniesta: „Das Resultat ist, wie es ist. Wir müssen das Spiel analysieren, dann schnell vergessen und uns auf Chile konzentrieren. Bei einer WM kann so etwas passieren. Wir müssen jetzt schauen, die nächsten zwei Spiele zu gewinnen.“

Zusatz: „Wenn man so ein Resultat hat wie die Niederländer, ist es leicht zu spielen, für uns ist es unheimlich kompliziert.“

So klingt kein Weltmeister mit breiter Brust, sondern ein Team, das um den Einzug ins Achtelfinale zittert. Vier Mal ist der regierende Champ im folgenden Turnier in der Gruppenphase ausgeschieden, seit 52 Jahren konnte keiner den Titel verteidigen.

Auf der anderen Seite verloren die Iberer aber auch das erste Spiel bei der WM 2010 mit 0:1 gegen die Schweiz. Es ist alles möglich – auch das hat dieses epische 5:1 Hollands gegen Spanien gezeigt.

"So ist der Sport. Wir haben verloren und das müssen wir akzeptieren“, blieb Spanien-Teamchef Vicente del Bosque wie auch nach vielen Siegen ruhig. „Wir waren vor der Pause besser, die Niederlande danach. Wir haben nach der Pause leider viele Fehler gemacht, das muss man zugeben.“

Davon profitierte vor allem Robben, dem man beim 2:1 zu viel Platz ließ. Beim 5:1 merkte man dem Bayern-Star dann den ganzen Frust an, hatte der Linksfuß doch 2010 die dickste Final-Chance beim Stand von 0:0 ausgelassen.

„Unsere Physis hat sich ausgezahlt“

„Es war ein großes Spiel, so ein Resultat hätten wir nicht erwartet“, sagte der Mann der Partie, der von der Leistung nicht überrascht war: „Ich habe immer sehr viel Vertrauen in diese Mannschaft gehabt. Wir können schon Fußball spielen, wir müssen uns das aber zutrauen. Physisch sind wir sehr gut drauf, das hat sich nach der Pause ausgezahlt.“

Und wie. De Vrij besorgte (nach Foul an Casillas) das 3:1, van Persie nach dickem Patzer vom spanischen Kapitän das 4:1. „Nach dem 2:1 wurden die Niederländer von der Euphorie getragen, wir waren hingegen verunsichert. Das hat aber mit Physis nichts zu tun“, verteidigte del Bosque.

Casillas, dem ob seines Fehlers wohl schwere Tage bevorstehen, bat die Fans danach um Vergebung.

Andres Iniesta, im WM-Finale 2010 der umjubelte Goldtorschütze, meinte: „Bei 1:1 haben wir noch Chancen gehabt, aber am Schluss waren die Niederländer einfach wesentlich stärker.“

General van Gaal bestätigt

Van Gaal zeigte sich naturgemäß hochzufrieden, sein Plan ging auf: „Natürlich habe ich dieses Ergebnis nicht erwartet. Aber ich habe erwartet, dass wir diese Art von Toren erzielen. Wir haben die Spanier perfekt ausgekontert.“

Spanien Niederlande
Ballbesitz 63,8% 36,2%
Eckbälle 4 1
Torschüsse 10 14
Torschüsse außerhalb Strafraum 4 3
Torschüsse innerhalb Strafraum 10 7
Kopfballchancen 2 1
Abseits 5 5
Fouls 5 18
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