Der Generationenwechsel steht unmittelbar bevor

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Der Weltmeister streicht die Segel.

Spanien, die dominierende Mannschaft der letzten sechs Jahre, der zweimalige Europameister (2008, 2012) und Weltmeister von 2010, verabschiedet sich sang- und klanglos aus Brasilien.

Bereits nach zwei Gruppenspielen ist das WM-Ausscheiden besiegelt und mit einem Torverhältnis von 1:7 hat die „Furia Roja“ die  Gefährlichkeit vergangener Tage eingebüßt.

Generationenwechsel steht wohl bevor

Nach der Niederlage gegen die Niederlande (1:5)  versuchte Trainer Vicente del Bosque im Vorfeld der Partie gegen Chile (0:2) dem lahmenden Spiel der Iberer mit einer Personalrochade neues Leben einzuhauchen. Javi Martinez und Pedro ersetzten Gerard Pique und den überragenden Mittelfeldspieler der letzten Jahre, Xavi.

Die Niederländer ziehen den Kopf aus der Schlinge

Van Gaal ändert das System

Es dauerte eine Weile, bis sich der Favorit gefangen hatte. Dies war nicht zuletzt einer Systemumstellung von Trainer Louis van Gaal zu verdanken.

„Australien hat uns in der ersten Hälfte dominiert. In der Pause habe ich den Spielern erklärt, dass sie ein 4-3-3 spielen sollen, das ist die Formation, an die jeder niederländischer Spieler gewöhnt ist. In der zweiten Hälfte haben wir uns einen Chancenvorteil herausgespielt. Ich musste etwas ändern, um meinen Spielern wieder Selbstvertrauen zu geben. Am Ende ist alles gut gegangen, aber es hätte auch anders sein können“, erklärte der Tulpen-General.

Ein Dämpfer zur richtigen Zeit. Die Niederländer werden sich hüten, im Kampf um den Gruppensieg auch die Chilenen zu unterschätzen.

Für die Spanier geht es im letzten Spiel gegen Australien hingegen nur noch um die Ehre. Ein Sieg zum Abschied ist für Casillas und seine Kollegen aber Pflicht.

Immerhin könnte dieses letzte Spiel nicht nur der Abschied von dieser WM, sondern für so manchen ehemaligen Ausnahmekönner auch jener von der Nationalmannschaft bedeuten.

Sebastian Rauch

Somit zeichnete sich bereits vor dem Spiel eine Art Generationenwechseln an. Noch vor einem Jahr wäre es undenkbar gewesen, den Spielgestalter des FC Barcelona aus rein taktischen Gründen und ohne Verletzung auf der Bank zu lassen.

„Ich denke, man sollte noch nicht von Generationenwechsel sprechen. Es ist nicht der richtige Moment solche Dinge zu besprechen. Wir müssen nach vorne schauen und das Beste daraus machen“, glaubte Kapitän Iker Casillas nach der Pleite gegen Chile jedoch nicht an eine teaminterne Wachablöse.

Fehlt Casillas die Motivation?

Der Schlussmann ist einer der Spieler, die offensichtlich ihren Zenit überschritten haben. Im ersten Spiel gegen die Niederlande (1:5) ermöglichte der ehemalige Welttorhüter den „Oranje“ das 4:1 und auch den zweiten chilenischen Treffer durch Charles Aranguiz leitete er mit einer unglücklichen Faustabwehr ein.

Casillas wirkte müde. TV-Experte Oliver Kahn vermisste das Feuer beim Real-Madrid-Keeper. „Es ist nur verständlich, dass die Spannung ein bisschen nachlässt, wenn man alles gewonnen hat und 95 Prozent reichen auf diesem Niveau eben nicht mehr“, lautete das Fazit der deutschen  Torwart-Ikone nach dem ersten WM-Auftritt des 33-Jährigen.

„Ich möchte mich bei den Leuten und den Fans entschuldigen“, gab sich Casillas kleinlaut.

Diego Costa ohne Durchschlagskraft

Was für den Kapitän gilt, trifft auch auf seine Mitstreiter zu. Neben Xavi und Casillas konnten auch Akteure wie Andres Iniesta oder David Silva nicht an die Leistungen der letzten Jahre anknüpfen. Zusätzlich fehlte den Spaniern der Knipser im Sturm.

Diego Costa war nicht der Heilsbringer, wie dies bei den letzten Turnieren Fernando Torres und David Villa waren. Den Iberern fehlte es an Durchschlagskraft im Angriff, der Atletico-Stürmer konnte im Nationaltrikot nicht an seine tollen Leistungen im Verein anknüpfen.

Chile wird übermütig

Während die Spanier somit ins Tal der Tränen eintauchten, kannten Euphorie und Selbstvertrauen im Lager der siegreichen Chilenen keine Grenzen.

„Vom Kopf und der Mentalität her können wir sicher Weltmeister werden. Ich habe diesen Traum und das kann mir niemand wegnehmen“, sagte Starstürmer Alexis Sanchez nach dem Spiel.

Sein kongenialer Mitspieler, Arturo Vidal, verzichtete ebenfalls darauf, kleine Brötchen zu backen und haute unmittelbar nach dem Sieg eine Kampfansage raus.

„Das ist der schönste Augenblick der chilenischen Fußballgeschichte. Es kommen noch einige schwierige Spiele auf uns zu, aber wenn wir Weltmeister werden wollen, müssen wir diese gewinnen."

Niederlande fehlt der Ernst

Der nächste Härtetest für die Chilenen wartet bereits zum Abschluss der Gruppenphase. Am 23. Juni kämpft „La Roja“ gegen die Niederlande um den Sieg in der Gruppe B.

Doch „Oranje“ hatte nach dem fulminanten Auftakt gegen Spanien mit Australien mehr Probleme als erwartet. Die „Socceroos“ kämpften beherzt und am Ende verhinderte ein Tormann-Fehler einen Punktgewinn des Außenseiters und ermöglichte der „Elftal“ den zweiten Sieg im zweiten Spiel.

„Es bricht mir das Herz. Jeder einzelne war heute herausragend. Großteils des Spiels sah es so aus, als ob wir näher am Sieg wären als die Niederländer“, trauerte Coach Ange Postecoglou den vergebenen Chancen nach.

Die siegreichen Europäer gaben nach der Partie zu, dass man nicht mit der letzten Entschlossenheit in die Partie gegen den krassen Außenseiter ging.

„Wenn du den Weltmeister 5:1 schlägst, ist die Gefahr groß. Dann bist du einer der Favoriten, aber im zweiten Spiel fängst du wieder bei Null an“, so Arjen Robben, der den ersten Treffer erzielte und zum „Man of the Match“ gewählt wurde.

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