Lang lebe der König

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"O Rei" wird immer strahlen

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Er ist immer noch "O Rei", der König aller Fußball-Könige: Kaum ein Fußballer hat die Fans in aller Welt mehr verzaubert als Edson Arantes do Nascimento, bekannt als Pele.

Der dreifache Weltmeister ist mit 73 Jahren noch immer ein gefragter Werbe- und Medienstar und gilt für viele Experten als bester Fußballer aller Zeiten.

Für Franz Beckenbauer ist die Frage, ob Pele oder Diego Maradona die Nummer eins der Geschichte ist, längst entschieden: "Pele ist unerreicht, für mich der beste Fußballer, den es jemals gegeben hat", erklärte der fünf Jahre jüngere "Kaiser" einmal.

Jüngster Weltmeister aller Zeiten

Pele, der Schuhmacher-Lehrling, erhielt 1956 beim FC Santos einen Vertrag und debütierte mit 15 in der ersten Mannschaft. Mit 16 Jahren und 257 Tagen spielte der Ballzauberer erstmals in der Nationalelf und erzielte beim 1:2 gegen Argentinien gleich einen Treffer.

Sein Weltruhm begann bei der WM 1958 in Schweden. Als 17-Jähriger führte Pele Brasilien zum ersten WM-Titel, bis heute ist er der jüngste Weltmeister der Fußball-Geschichte. Sechs Tore erzielte er in Schweden, als die Selecao die Schmach der Heim-WM 1950 tilgte.

Seine Rückennummer 10 wurde zum Inbegriff von Fußball-Kunst. Noch als Teenager wurde er quasi zum Nationalschatz erklärt und mit einem Exportverbot belegt. Santos wurde unter seiner Regie zum besten Verein der Welt, Tourneen brachten ihn in 125 Länder, mit 19 wurde er Weltfußballer.

Zum Anspucken

Seine Popularität zeigte sich in den 60er-Jahren bei einer Tournee durch Afrika, als Nigeria und Biafra ihren Krieg für zwei Tage unterbrachen, um Pele spielen zu sehen.

Bei der WM 1962 in Chile, als Brasilien seinen Titel verteidigte, verletzte sich der Stürmer bereits im zweiten Vorrundenspiel und kam nicht mehr zum Einsatz. 1970 führte Pele Brasilien wieder auf den Weltmeisterthron.

Ein Jahr zuvor hatte er mit einem verwerteten Elfmeter für den FC Santos gegen Vasco da Gama im Maracana-Stadion sein 1.000. Tor erzielt - es folgte ein Fest im ganzen Land, sogar die Kirchenglocken läuteten, Pele wurde mit einer Sonderbriefmarke geehrt.

Gute Freunde kann niemand trennen. Pele und Franz Beckenbauer

"Soccer"-Comeback

Im Oktober 1977 verabschiedete sich Pele mit seinem letzten Spiel vom FC Santos, allerdings kehrte er auf den Rasen zurück. Er ließ seine Karriere bei Cosmos New York, das im Besitz von Warner Communications war, ausklingen und verhalf mit Franz Beckenbauer dem amerikanischen Fußball zu kurzer Aufmerksamkeit.

Zusammen gewannen sie den US-Meistertitel, ehe nach 1.363 Spielen und 1.281 Toren endgültig Schluss war.

Für Brasiliens Nationalspieler war der einst so begnadete Fußballer in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur Idol, sondern oft auch Schreckgespenst.

Pele contra Maradona

Immer wieder überzog er seine Nachfolger im kanariengelben Trikot und vor allem die Trainer mit Kritik. Gerne lieferte er sich auch Wortduelle mit Ex-Stürmer Romario, dessen Zitat über Pele weltbekannt wurde: "Wenn er (Pele) schweigt, ist er ein Poet."

Verbale Scharmützel gibt es auch immer wieder mit Maradona. Der Weltverband (FIFA) hatte die beiden 2000 zum "Fußballer des Jahrhunderts" gekürt, im Grunde beansprucht jeder die Alleinherrschaft.

"Er war ein großer Spieler, aber ein negatives Beispiel", sagte Pele einmal über den Argentinier. "Wen interessiert, was Pele sagt? Der gehört doch ins Museum", konterte Maradona.

Doch viele Brasilianer stöhnen manchmal über ihren ewigen Pele, der in der Vergangenheit nicht nur für Billig-Apotheken, sondern auch für Potenzmittel Werbung machte.

Private Turbulenzen

Auch die schon unzählige Mal erzählte Geschichte über seinen Vater, den Pele nach dem traumatischen Erlebnis der verlorenen Heim-WM 1950 in Brasilen weinen sah, führt bei vielen zum genervten Augenverdrehen.

Pele machte Ausflüge ins Filmgeschäft und in die Politik, als er von 1994 bis 1998 Sportminister war. Auch privat ging es turbulent zu. Sieben Kinder hat er - darunter zwei uneheliche -, zweimal ging eine Ehe in die Brüche. 1995 wurde die inzwischen gestorbene Verkäuferin Sandra Machado nach einem vierjährigen Rechtsstreit zu seiner Tochter erklärt.

"Der Bürger Edson Arantes do Nascimento hat alle Höhen und Tiefen des Lebens gemeistert, gelacht, geweint, viele Schmerzen erleiden müssen, viele Triumphe ausgekostet. Er ist sterblich. Pele ist dagegen unsterblich, wird immer der Traum aller Kinder bleiben, wird immer strahlen, wird nie Schmerzen empfinden müssen", sagte Pele einmal.

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