Ein fast perfektes Fußballspiel

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Wenn man schon auf Tore verzichten muss, dann kann man sich wohl kaum eine bessere Nullnummer vorstellen, als jene zwischen Brasilien und Mexiko.

Reihenweise Torszenen, ein überragender Keeper, ein Schiedsrichter, der dem Spiel nicht im Wege stand und Stimmung, als ginge es bereits um den Finaltriumph. Was die beiden Rivalen als Gesamtpaket ablieferten, ließ einen verschmerzen, keine Tore gesehen zu haben.

Der Hexer aus Guadalajara

"Die härteste Entscheidung, die ich im Vorfeld dieser WM treffen musste", nannte Mexiko-Coach Miguel Herrera die Wahl seiner Nummer eins im Kasten von "El Tri".

Nach der Galavorstellung von Guillermo Ochoa in Fortaleza dürfte ihm niemand vorwerfen, sich falsch entschieden zu haben. Der 28-Jährige aus Guadalajara saß bei den letzten beiden Weltmeisterschaften nur auf der Bank, bekam diesmal aber den Vorzug gegenüber Jose Corona.

"Corona hat die besseren Beine, dafür hat Ochoa seine Stärken in den Paraden", schätzte der Trainer seine Schützlinge ein. Gelegenheit, diese seine Stärken unter Beweis zu stellen, hatte Ochoa gegen die Selecao genügend. "Das war das Spiel meines Lebens", war ihm auch selbst bewusst.

Einen Neymar-Kopfball fischte er gerade noch aus der Ecke, auch gegen Paulinho reagierte er glänzend, ehe Neymar mit einem Schuss erneut am Schlussmann verzweifelte. Das Sahnehäubchen setzte er seinem Abend auf, als er kurz vor Schluss einen Kopfball von Thiago Silva aus kürzester Distanz parierte. Insgesamt konnte sich der Mann vom AC Ajaccio ganze sechs Mal auszeichnen.

"Es war schwierig, aus vier Tormännern zu wählen. Aber Ochoa gibt uns Sicherheit und macht genau das, was wir von ihm erwarten", war Herrera nach der Partie zufrieden.

"Wir können es mit den Besten aufnehmen"

Letztlich durfte sich Mexiko vornehmlich bei Ochoa bedanken, dass es beim 0:0 blieb. Einen Verlierer hätte die Partie aber ohnehin nicht verdient.

"Wir haben uns den Punkt redlich verdient", sah es Herrera. "Die Ordnung innerhalb der Mannschaft hat gestimmt. Ich hätte mir aber vielleicht ein noch offensiveres Spiel meiner Mannschaft gewünscht", war der Mann, der das Spiel an der Seitenlinie jede einzelne Minute mit vollem Einsatz mitlebt, jedoch nicht vollkommen zufriedengestellt.

Die 13 abgefeuerten Torschüsse seines Teams können sich aber allemal sehen lassen. Und der Entwicklung seiner Mannschaft konnte Herrera dann doch etwas abgewinnen. "Wir haben gezeigt, dass wir bereit sind, dagegen zu halten, nach vorne zu spielen und es mit den besten Mannschaften der Welt aufzunehmen", so seine Analyse.

Noch ist nichts erreicht

Auch sein Gegenüber Luiz Felipe Scolari, der 15 Torversuche seiner Elf sah, stufte das Resultat als gerecht ein. "Es gab viele Chancen für beide Mannschaften. Es war ein gerechtes Ergebnis, das den Spielverlauf widerspiegelt", sagte der Weltmeistertrainer von 2002.

Nach dem ersten Remis nach zehn vollen Erfolgen in Serie stellte er aber auch fest: "Für uns war es kein gutes Resultat. Denn mit einem Sieg wären wir weiter gewesen."

Der Lärmpegel in der Arena stieg immer weiter an und jede halbwegs gelungene Aktion der eigenen Mannschaft wurde ebenso frenetisch bejubelt wie ein Fehler des Gegners. Gänsehaut-Atmosphäre bei knapp unter 30 Grad.

Auch der Schiedsrichter hat seinen Anteil

Bei all der Kritik, die die Unparteiischen bislang an den wenigen Spieltagen einstecken mussten, darf man auch die Leistung von Cuneyt Cakir hervorheben, die dem Verlauf der Partie und dem offenen Schlagabtausch zuträglich war.

Zwar verzichtete der Türke in der Anfangsphase zu Unrecht bei einem harten Einsteigen von Dani Alves auf die fällige Gelbe Karte, in der Folge zog er seine tolerante Linie aber durch und sorgte so für den Spielfluss, der dieses Begegnung mit zu dem machte, was sie war: Ein Klassespiel.

Am Ende fehlten also wirklich nur Tore für einen makellosen Fußballabend und die Beantwortung der Frage, welches Ausmaß der Ekstase auf den Rängen möglich gewesen wäre.

Doch wenn der Hexer aus Guadalajara das Spiel seines Lebens macht, muss man darauf eben warten.

 

Christoph Kristandl aus Fortaleza

So liegt Brasilien vor dem letzten Gruppenspiel punktegleich mit den Mexikanern (je vier) an der Spitze der Gruppe A und muss ebenso wie der heutige Gegner mit voller Konzentration in die Schlussrunde gehen. "Wir haben gepunktet, das war gut. Aber wir müssen hart weiterarbeiten, noch haben wir nichts erreicht", weiß auch Herrera.

Fans sorgen für außergewöhnliche Stimmung

Wie Mexikos Spieler dem Gastgeber auf dem Platz Paroli boten, taten es ihnen auch ihre Fans gleich. Die besondere Begeisterung, die in Fortaleza für die brasilianische Nationalmannschaft herrscht, gepaart mit den nicht minder Stimm- und Stimmungs-gewaltigen Mexikanern sorgte für eine atemberaubende Atmosphäre im mit knapp 65.000 Zuschauern gefüllten Estadio Castelao.

Während man sich den Tag über noch freundschaftlich begegnete, schaukelten sich die beiden Lager in der Arena gegenseitig auf. Spätestens, als die heimischen Anhänger den traditionellen – wenngleich diskriminierenden -"Puto"-Schlachtruf der Mexikaner für sich vereinnahmten, legten diese im Gegenzug noch einmal nach und ließen sich ihre numerische Unterlegenheit nicht anmerken.

Brasilien Mexiko
Ballbesitz 53.4% 46.6%
Zweikämpfe 59.22% 40.78%
Eckbälle 4 3
Torschüsse 15 13
Torschüsse außerhalb Strafraum 6 11
Torschüsse innerhalb Strafraum 9 2
Kopfballchancen 3 1
Abseits 5 0
Fouls 13 18
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