„In Spanien mehr geschätzt, als in meinem Land“

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Ivan Rakitic hat Lust auf mehr.

„Klar hat der Europa-League-Sieg Lust auf mehr gemacht. Ich hoffe, es werden noch mehr Titel“, sagt der Kapitän des FC Sevilla.

Die Chancen auf einen WM-Sieg Kroatiens sind zwar gering, dennoch könnte der 26-Jährige seinen Marktwert beim Turnier in Brasilien weiter in die Höhe treiben.

Die Augen der Öffentlichkeit werden so oder so auf den Mittelfeldakteur gerichtet sein, spielte er sich doch mit einer herausragenden Saison beim FC Sevilla ins Rampenlicht.

„Ein unglaubliches Jahr“

Der Kroate spielte bei den Spaniern die wohl beste Saison seiner Karriere. Er war Dreh- und Angelpunkt in der Offensive und als Kapitän auch Herz und Seele der Mannschaft.

Zusätzlich wusste der Mittelfeldspieler durch gefährliche Standards zu überzeugen und steuerte nicht weniger als 15 Tore und ebenso viele Assists bei, womit er maßgeblich am Europa-League-Triumph seines Klubs beteiligt war.

„Es war ein unglaubliches Jahr. Wir hatten so viele Spielerwechsel wie noch nie. Ich glaube 16 neue Spieler sind gekommen und 17 sind gegangen. Dass wir am Ende dann den Titel geholt haben, ist unglaublich. Es war ein super Jahr, von dem ich viel mitnehmen kann“, sagt der 26-Jährige.

„Ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht. Ich weiß aber auch, dass es, einmal oben angekommen, viel schwerer ist, auch dort zu bleiben. Aber das ist unser Anspruch. Wir werden hart dafür arbeiten, das zu erreichen.“

„Sevilla ist die Nummer eins“

Ob er sich dieser Herausforderung mit Sevilla überhaupt noch stellen wird, ist ob der kursierenden Transfergerüchte fraglich. Liverpool, Manchester United und Real Madrid bekundeten bereits Interesse.

Medienberichten zufolge soll der 26-Jährige, dessen aktueller Vertrag im Juni 2015 ausläuft, aber vor einem Wechsel zum FC Barcelona stehen. Die Katalanen sollen kolportierte 20 Millionen Euro Ablöse zahlen und ihm einen Vertrag bis 2019 angeboten haben.

„Für mich ist Sevilla die Nummer eins. Das wird immer so sein. Dort werde ich respektiert. Ich werde sicher zuerst mit den Verantwortlichen bei Sevilla sprechen und mich dann entscheiden“, sagte Rakitic noch vergangene Woche im Rahmen des Trainingslagers der kroatischen Mannschaft im Burgenland.

Dennoch dürfte ein Wechsel außer Frage stehen, wie auch Davor Suker, Präsident des kroatischen Fußballverbands, gegenüber Medien verriet. „Ich weiß, wo er nächste Saison spielen wird. Aber ich kann dazu nichts sagen“, so Suker.

Offiziell dürfte der Transfer trotzdem erst nach der WM in Brasilien werden. „Ich denke nicht darüber nach. Jetzt zählt die Nationalmannschaft und die WM“, gab sich Rakitic diplomatisch.

„Positive Kraft mitnehmen“

Beim Turnier am Zuckerhut will der Kroate den Schwung der abgelaufenen Spielzeit auf das Nationalteam übertragen.

„Ich möchte die positive Kraft aus der ganzen Saison und dem Gewinn der Europa League mitnehmen und das Vertrauen, das ich beim Verein habe, auch hier spüren. Ich will meine Arbeit natürlich so gut wie möglich machen und 100 Prozent geben, damit wir in den Spielen erfolgreich sind.“

Dass sich sein Standing in der Nationalmannschaft aufgrund der Erfolge bei Sevilla erhöht hat, glaubt der bodenständige 26-Jährige nicht. Schließlich sei seine Rolle beim Europa-League-Sieger eine andere als im kroatischen Team.

„Bei Sevilla trage ich als Kapitän die ganze Verantwortung. Nicht nur wenn's gut läuft, auch wenn's schlecht läuft. Dann geht alles auf meinen Rücken. Im Nationalteam ist es anders, obwohl ich mich in meiner Art und Weise nicht verändere. Ich bin so, wie ich bin. Egal, ob im Verein oder hier“, sagt der in der Schweiz geborene Rakitic.

„Alles tun, um akzeptiert zu werden“

„Ich weiß auch, dass man mich in Spanien ein bisschen mehr schätzt, als in meinem Land. Das ist einfach so. Ich werde alles dafür tun, um akzeptiert zu werden und das Vertrauen von meinen Mitspielern und meinem Coach zu haben. Der Rest wird auf dem Platz gemacht.“

Der 61-fache Nationalspieler könnte sich in Brasilien sowohl die Akzeptanz und das Vertrauen seiner Mitspieler verdienen als auch die und Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen. Das wird auch ein wenig davon abhängen, auf welcher Position ihn Teamchef Niko Kovac auflaufen lässt.

Auf dem von Rakitic eher ungeliebten rechten Flügel, wie in der Vergangenheit oft der Fall, oder wie bei Sevilla im zentralen Mittelfeld hinter Mario Mandzukic. Dort wartet mit Mateo Kovacic und Superstar Luka Modric allerdings harte Konkurrenz.

Unabhängig von der Aufstellung ist die Vorfreude und Motivation hinsichtlich der Weltmeisterschaft beim 26-Jährigen spürbar. „Es ist eine große Ehre für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen. Es gibt viele Spieler, die gerne an unserer Stelle wären.“

„Resultat ist entscheidend“

Die Tatsache, bei der WM teilnehmen zu dürfen, lässt den Kroaten auch die Strapazen einer langen Saison in der Primera Division und Europa League vergessen.

„Ich hatte drei Tage Zeit, mich auszuruhen und Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Das ist nicht viel, aber so ist es nun mal. Nach der WM werden wir genug Zeit haben, die Beine hoch zu legen. Jetzt ist erstmal Arbeit angesagt. Es ist das Schönste, bei einer WM dabei zu sein, da beißt man auch einmal die Zähne zusammen.“

Zähne zusammenbeißen und auf die Stärken konzentrieren, das hat sich die kroatische Mannschaft laut Rakitic für das Kräftemessen in Südamerika vorgenommen.

„Wir wollen in allen Spielen das Beste zeigen und müssen uns natürlich gut vorbereiten. Wir haben konkrete Ideen, die wir auf dem Platz umsetzen möchten. Am Ende ist natürlich das Resultat entscheidend, darauf kommt es an. Wir konzentrieren uns nur auf das Positive, darauf arbeiten wir hin.“

Angesprochen auf mögliche Schwächen seiner Mannschaft gibt sich der Mittelfeldspieler wortkarg und meint mit einem leichten Grinsen: „Darüber sollen unsere Gegner etwas erzählen“.

Fußball wird in Details entschieden“

Die Gegner, die bei der WM auf Kroatien warten, sind mit Gastgeber Brasilien, Mexiko und Kamerun wahrlich keine leichten. Auf diesem Level können Kleinigkeiten ausschlaggebend sein, wie Rakitic betont.

„Wir wissen, dass der Fußball heutzutage in Details entschieden wird. Wir müssen in allen Bereichen 100 prozentig fit sein, hinten genauso wie vorne. Deshalb haben wir 23 Spieler, alle sind wichtig. Das wird sich dann auch in den Spielen zeigen.“

Obwohl der 26-Jährige Lust auf noch mehr Titel hat, liegt der Fokus zunächst auf den Gruppenspielen. An das Finale am Zuckerhut hat Rakitic noch keine Gedanken verschwendet.

„Ehrlich gesagt, nachgedacht habe ich darüber noch nicht. Ich werde mich jetzt erst einmal auf das Duell mit Brasilien vorbereiten und dann von Spiel zu Spiel schauen. Die Nervosität wird da sein, so oder so. Wir müssen versuchen, auf dem Platz cool zu bleiben und ein gutes Spiel zu machen. Ich denke, es ist manchmal besser, gar nicht zu viel nachzudenken, sondern einfach auf den Platz zu gehen und das Bestmögliche zu geben.“

Sollte das gelingen, wird nicht nur das kroatische Team zufrieden sein, sondern wohl auch der FC Barcelona.

Daniela Kulovits

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