Jose Maria Marin - Kontroversen um den WM-Chef

Aufmacherbild

Die WM 2014 soll ein Fest werden, doch eine Kontroverse um Organisationschef Jose Maria Marin trübt die Stimmung in Brasilien.

Der 82-jährige Politiker mit Wurzeln in der Militärdiktatur des Landes (1964 - 1985) hatte im vergangenen März die Führung des Organisationskomitees übernommen.

Von seinem umstrittenen Vorgänger Ricardo Teixeira erbte er auch den gut bezahlten Vorsitz in Brasiliens Fußballverband (CBF).

Keine Fußballer-Vergangenheit

Im Gegensatz zu Turnier-Organisatoren wie Franz Beckenbauer oder Michel Platini kann Marin auf keine große Fußball-Karriere zurückblicken.

Zwei Jahre lang spielte er in den 1950er Jahren als Stürmer in Sao Paulo. Dann zog es ihn in die Politik.

Er unterstützte den Militärputsch von 1964, war Vizegouverneur und von Mai 1982 bis März 1983 Gouverneur des Bundesstaates Sao Paulo. In den 1980er Jahren war er zudem Chef des Fußballverbandes in Sao Paulo.

Blut an Marins Händen

Brasiliens Linke macht Marin für die Verhaftung und Ermordung des bekannten TV-Journalisten Vladimir Herzog verantwortlich.

Herzog starb 1975 unter Militärfolter, drei Wochen nachdem der damalige Abgeordnete Marin "Maßnahmen" gegen angebliche oppositionsfreundliche Berichte von Herzogs Sender TV Cultura gefordert hatte.

Marin wies jede Verantwortung von sich. Herzogs Tod jedoch hatte sich tief ins Gedächtnis des Landes gegraben. Der neue Fußballpräsident habe "schmutzige Hände vom Blut der Diktatur", schimpfte etwa ein Vertreter der Arbeiterpartei PT.

Jähzorn und Missverständnisse

Kopfschütteln erzeugt Marins Jähzorn und oft ungewöhnliches Verhalten. Vor einem Jahr etwa staunten TV-Zuseher nicht schlecht: Bei der Preisverleihung eines Jugendfußballturniers steckte der Verbandspräsident einfach eine der Medaillen in seine Hosentasche.

Für Verwirrung sorgte auch Marins Entscheidung im November, Teamchef Mano Menezes zu feuern.

Ursprünglich wollte Marin erst im Jänner einen Nachfolger bekanntgeben, doch schon fünf Tage nach der Roten Karte für Menezes war klar: Luiz Felipe Scolari übernimmt. Das Ganze sei ein "Missverständnis" gewesen, meinte Marin später.

Marin gegen Guardiola

Wütend reagierte er, als ein Reporter fragte, ob Staatspräsidentin Dilma Rousseff mit seiner Ernennung einverstanden sei.

Er teile die Verantwortung mit niemandem, meinte Marin. Auch warf er der Presse mangelnden Patriotismus vor.

Sie hatte sich für den Spanier Josep Guardiola als Coach ausgesprochen. Marin wollte aber keinen Ausländer für Brasiliens inzwischen auf Rang 18 im FIFA-Weltrangliste abgerutschte Auswahl.

Zum Seitenanfang» 0 Mehr zum Thema

LAOLA Meins - Tags folgen