Stimmungs-Hauptstadt Fortaleza

Stimmungs-Hauptstadt Fortaleza

Gefeiert wird die Selecao in ganz Brasilien, irgendwie ist es aber immer etwas ganz besonderes, wenn die Nationalmannschaft nach Fortaleza kommt.

Hier in der 2,5-Millionen-Einwohner-Stadt sind die Menschen noch ein Stück enthusiastischer, noch ein bisschen fußballverrückter. Die Begeisterung an der Nordostküste für Neymar und Co. wurde bereits im Vorjahr während des Confed-Cups deutlich, als über 1.000 Fans ein Training der Selecao stürmten.

Vielleicht liegt die außergewöhnliche Atmosphäre am durchgehenden Sommer, der hier das ganze Jahr über herrscht und in den letzten Jahren immer mehr Touristen in die „Terra da Luz“ lockte. Vielleicht ist es aber auch die Abwesenheit eines Klubs im Campeonato Brasileiro, der die Fußballbegeisterten noch enger an das Nationalteam bindet. Oder vielleicht ist es die Aufbruchsstimmung, die durch die beiden Vereine der Stadt, die jeweils die Tabelle der Serie B (Ceara Sporting Club) und der Serie C (Fortaleza Esporte Club) anführen, geschürt wird.

Das Schauspiel auf den Rängen beim Spiel gegen Mexiko unterstrich die Eindrücke des Confed-Cups jedenfalls deutlich. Von Beginn an peitschte das brasilianische Publikum sein Team an, eine echte VIP-Tribüne konnte man nicht ausfindig machen. Bis auf eine Hand voll Ausnahmen sangen, hüpften und schimpften auch die in Trikots gekleideten Ehrengäste.

Weil auch die Mexikaner bemüht waren, die Lautstärken-Vormachtstellung im Estadio Castelao für sich zu beanspruchen, schaukelten sich die beiden Lager ab Minute eins gegenseitig auf. Als die Anhänger der Gäste sich über den ersten Abstoß von Selecao-Keeper Julio Cesar freuten und endlich ihr langgezogenes „Puto“ schreien konnten, imitierten die Brasilianer in der Folge diesen traditionellen mexikanischen Schlachtruf und wendeten ihn ihrerseits bei jeder Ballberührung Guillermo Ochoas an.

Beide Seiten schenkten sich nichts und sorgten gemeinsam für Stimmung und Lautstärke, die das Eröffnungsspiel in Sao Paulo noch klar übertraf. An diese Begeisterung könnte ich mich gewöhnen und so ist es wohl kein Fehler, nach dem hektischen Herumreisen der ersten WM-Tage, hier für die nächsten rund zwei Wochen seine Zelte aufzuschlagen. Und gegen eine Rückkehr der Selecao nach Fortaleza für ein mögliches Achtel- oder Viertelfinale hätte ich auch nichts einzuwenden.

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