Irgendwo im Nirgendwo

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Manaus – irgendwo im Nirgendwo

1.500 Kilometer liegen zwischen Brasilia und Manaus. Die geringe Flughöhe auf dem Weg in die Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas lässt es dabei zu, die unter einem liegende Landschaft durchgehend zu begutachten. Viel zu sehen gibt es auf dem rund zweieinhalbstündigen Flug über das Landesinnere aber nicht. Straßen, Häuser und andere Anzeichen für Zivilisation sucht man über weite Strecken vergeblich; Bäume, der Amazonas und sonst nichts. Und dann plötzlich taucht es auf, das zwei Millionen Einwohner zählende Manaus. Wasser, viel Wasser und die 2008 errichtete Brücke über den Rio Negro, der hier seine Mündung findet, fallen einem als erstes ins Auge.

Und auf den zweiten Blick erfasst man auch die Arena da Amazonia, das wohl am heftigsten diskutierte Stadion dieser WM. Überdimensioniert, unnötig, ein Paradebeispiel für einen „Weißen Elefanten“. Nach dem Turnier wird es vor allem als Wahrzeichen der Stadt, deren berühmtestes Gebäude bislang das im Renaissance-Stil gebaute Opernhaus Teatro Amazonas war, dienen. Sportliche Nutzung wird der Obstkorb, wie die Arena von den Einheimischen genannt wird, nicht erfahren, vom Erstligafußball ist Manaus nämlich so weit entfernt wie Oberwart oder Retz. Dank der Bestrebungen von Ex-Präsident Lula da Silva, möglichst das ganze Land an der Weltmeisterschaft teilnehmen zu lassen, bekam aber auch Manaus sein Stadion für vier Spiele. Die Baukosten beliefen sich dafür auf umgerechnet über 200 Millionen Euro.

Und so wird bei über 30 Grad und einer Luftfeuchtigkeit um die 85 Prozent Fußball gespielt. Zum Vergleich: Beim vormittägigen Abflug aus Brasilia zeigte das Thermometer noch schlanke 19 Grad an.

„Ich hasse diese Stadt, es ist einfach viel zu warm“, stöhnt selbst Sophia. Die Dame Ende 20 lebte einige Jahre in Fortaleza, ehe sie in ihre Heimat zurückkehrte. Anders als in der Ostküstenstadt, die mittlerweile zu einem beliebten Touristenziel geworden ist, vermisst Sophia hier, trotz des vielen Wassers, allerdings einen echten Strand.

Dafür darf man sich im umliegenden Urwald an der größten Artenvielfalt der Welt erfreuen. Einst rangierte Manaus auch finanziell gesehen unter den reichsten Städten der Welt. Der Kautschukboom des ausgehenden 19. Jahrhunderts ist aber lange vorbei. Darauf folgte eine wirtschaftliche Talfahrt, die in den 50er Jahren vom damaligen Präsidenten Juscelino Kubitschek gestoppt wurde. Mit der Erklärung Manaus zur Freihandelszone konnten ausländische Unternehmen ihre Rohstoffe nahezu zollfrei einführen, was der Stadt neues Leben einhauchte. Heute werden hier, vornehmlich für asiatische Großkonzerne, in riesigen Hallen Handys, Computer, Motorräder etc. zusammengeschraubt. Hauptsächlich die Aussicht auf einen Job in einer dieser Fabriken treibt viele Menschen auf der Suche nach Arbeit in diesen unwirtlichen Winkel der Erde.

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