Verdienter Weltmeister auf schwachem Niveau

Die Deutschen haben es also gemacht. Die Vorgabe wurde lange vor Turnierbeginn ausgegeben: Der vierte Weltmeistertitel sollte endlich her und nach einem Monat in Brasilien ist der Traum wahr geworden. Dass es kein Team bei dieser WM mehr verdient hat, den Pokal mit nach Hause zu nehmen als die DFB-Elf, steht außer Frage.

Ohne den Triumph schlecht reden zu wollen - sofern so etwas überhaupt möglich ist - muss man aber auch festhalten, dass es nicht nur an der Stärke der Deutschen lag, dass sie am Ende als so verdienter Sieger dastehen.

Insgesamt war es fußballerisch die schwächste WM der jüngeren Vergangenheit. Kein Team konnte vollends überzeugen, selbst die beiden Finalisten waren weit davon entfernt. Jetzt könnte man sagen, die kleineren Nationen hätten aufgeholt, die Dichte an der Spitze wäre größer geworden oder es seien alle enger zusammengerückt.

Vielmehr muss man aber festhalten, dass die großen Fußballländer einfach ausgelassen haben und teilweise katastrophal aufgetreten sind. Eigentlich hat sich in diesen vier Wochen kein Teilnehmer den Titel wirklich verdient, aber Deutschland eben noch am ehesten.

Schweinsteiger, Lahm und Co., die damit endgültig im Klub der ganz Großen angekommen sind, reichte ein durchwachsenes Turnier, in dem sie bei weitem nicht auf dem Level spielten, das ob des deutschen Potenzials möglich wäre. Aber am Ende fragt eben niemand, wie viele schwache Partien man gespielt hat oder ob man phasenweise von Fußballgroßmacht Algerien an die Wand gespielt wurde und nur glücklich dem Ausscheiden entging.

Was bleibt ist der vierte Stern, ein denkwürdiger 7:1-Sieg gegen indiskutable Brasilianer und der Tor-Rekord von Miroslav Klose – eine perfekte Weltmeisterschaft für Deutschland. Auch den deutschen Fans in Rio de Janeiro war es herzlich egal. Noch lange nach dem Schlusspfiff feierten sie ihre Helden im Stadion, danach wurden die Straßen der Zuckerhut-Metropole zur schwarz-rot-goldenen Partyzone, die von den Brasilianern dankend angenommen wurde.

Ein etwas kurioses Bild ist es schon, wenn man mit dem Team mitfiebert und sich freut, das einen vor wenigen Tagen in Grund und Boden gestampft hat. Aber aus brasilianischer Sicht ist eben alles besser als Erzfeind Argentinien und auch ein Grund zum Feiern wird immer gerne angenommen.

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